Club & Livemusik

Untergrundsgründer & Pop-Operatoren

Martin Schmidt
6. Oktober 2015

Hallo Herbst, hallo Pop. Die Monate mit »r« rollen in die Fuggerrrrstadt, was heißt: saisongemäß werrrrden die Club- und Konzerrrrtnächte mehrrrrr an derrrr Zahl. Und auch länger: Hallo Zeitumstellung auf die Winterzeit von Samstag, 24., auf Sonntag, 25. Oktober – die Zeigerlein und Smartphone-Uhren also um 3 Uhr morgens um eine Stunde zurück auf 2 Uhr kommandieren. Im Oktober spielen die Münchner Pop-Referenzen-Meister Aloa Input im Soho und im City Club feiert das niegelnagelneue Pop-Unternehmen »Kleine Untergrund Schallplatten« seine Labelgründung mit der Release-Show der Augsburger Band Endlich Blüte.

Man muss wahnsinnig sein, um ein Label zu gründen. Wahnsinnig verliebt in Musik, und im Wahn die ganze damit verbundene Arbeit und die Unkosten vergessend. Wer kann Ronny Pinkau stoppen? Niemand kann, und keiner will es, denn es wird gut. Kleine Untergrund Schallplatten heißt das Label, das Pinkau, poppy punky Pinkau, gegründet hat und das am Samstagabend, 17. Oktober, mit einer Release-Show im City Club seinen Start feiert. Der Kleine Untergrund spuckt dem mummelig malmendem Mainstream in regelmäßigen Abständen wunderbare Pop-Perlen kess in den Nacken: limitierte, handnummerierte 7-Inch-Singles in liebe- und geschmackvollem Artwork, bestückt mit luftig-leichter Sonnenware.

Den Start als erste Veröffentlichung macht das Release der jungen Augsburger Band Endlich Blüte. Die Herren servieren lakonisch noisigen Underground-Gitarrenpop mit deutschsprachigem Gesang. »Neue Wunden« heißt die Single, und sie ist nicht nur für das Label, sondern auch für die im Frühjahr 2014 gegründete Band das vinylige Debüt. Für 2016 stehen bei Kleine Untergrund Schallplatten bereits zwei weitere Veröffentlichungen in der poppy Pipeline: zum einen die kalifornischen The Golden Eaves im Januar zum anderen, dann im April, die augsburg-kalifornische Band Friedrich Sunlight.

Am Samstag, 17. Oktober, steigt nun also die Label-Gründungsfeier – und Endlich Blüte spielen live und werden – so reim ich mir das freudig zusammen – auch besagte erste Debütsingle präsentieren. Nach dem Konzert legen dann die »Going Underground«-DJs ihren cool-kompetent und freudig zusammengereimten Mix aus Indie, 60ies, (Post-)Punk, Twee und Shoegaze auf. Wie kann die Nacht besser enden?

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Basteliger Input-Output-Pop galore

Sehr schön: Die Soho Stage präsentiert sich über den Sommer nun völlig neu gestaltet. Startklar für neue Gäste – und am Samstag, 24. Oktober, werden hier Aloa Input aus München willkommen geheißen. Aloa Input sind ein Promi-Konglomerat der Münchner Pop-Szene, der für Elektronik und Schlagzeug verantwortliche Cico Beck ist zum Beispiel Mitglied der wunderbaren Joasihno sowie Live-Mitglied von Ms. John Soda und The Notwist. Die Pop-Operatoren Aloa Input betouren ihr zweites Album »Mars etc.«, gemischt und koproduziert wurde dieses von Produzentenlegende Olaf Opal.

Aloa Input betreiben eine virtuos-coole Mengenlehre des Pop und basteln versatil as fuck an einem Amalgam aus Indie, Kraut, Dub, Hip-Hop, Folk und Dreampop-Electronica – ohne ihn ekliges Muckertum abzudriften. Ein schillerndes Zitatuniversum, das mal nach bekifften, in Tropicana-Sounds schlingernden The Notwist klingt, dann aber gleich wieder nach Beck, getaucht in Weird Psychedelia. Ein leichtfüßiger Input-Output-Pop aus Vocals, Electronica, Gitarre und Drums, unaufdringlich aber direkt, und iiiiihmmer locker in der Hüfte. Wie kann dieser Oktobersamstag besser enden? Denn wenn was rollt, dann sind es die Monate mit »r«.

 

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