Unterschiede sichtbar machen

23. Juli 2017 - 23:13 | Iacov Grinberg

Bilder voller Schönheit, nicht immer angenehmer menschlicher Natur und Widersprüche: »Schweinerei« von Reinhard Gammel in der Atelier-Galerie »le filou – uferlos«.

Künstler haben verschiedene Positionen. Einige versuchen auf ihren Bildern nur das Schöne widerspiegeln, zum Beispiel die üppige Farbenpalette bei einem Sonnenuntergang oder in einem Wald an einem sonnigen Herbsttag. Andere zeigen einfach ein Zusammenspiel von farbigen Linien oder Flecken auf der Leinwand. Es gibt auch diejenigen, die ihre Aufgabe darin sehen, der Gesellschaft den Spiegel vor Augen zu halten.

Der Künstler Reinhard Gammel ist schwer unter eine dieser Kategorien einzuordnen. Sein Schaffen ist vielschichtig. Auch in der Ausstellung »Schweinerei«, die momentan in der Atelier-Galerie »le filou – uferlos« (Wertachstraße 29 A, altes Straßenbahndepot am Senkelbach) zu sehen ist, gibt es sowohl ästhetisch wertvolle Bilder, wie zwei Frauenportraits oder ein Bild einer Tänzerin, die im Tanz buchstäblich verschwimmt, als auch auch Bilder, die heutige Moralhüter verärgern könnten. Gammels Gemälde zeigen oft Szenen, die realistisch, aber aus in der Gesellschaft vorherrschenden Ansichten »unmoralisch« sind. Man sollte nicht vergessen, dass die Grenzen von Erlaubtem und (noch) nicht Erlaubtem heute vor unseren Augen mit furchterregender Geschwindigkeit verschoben werden. Heute nicht Akzeptiertes kann sich sehr schnell in Toleriertes verwandeln. So sollten Gammels Arbeiten nicht zu voreilig abgelehnt werden.

Wie immer verschärft der Künstler Widersprüche und versucht diese möglichst klar zu zeigen, obwohl das dem Betrachter wohl nicht immer angenehm ist. So ist sein Bild »Das Erste Abendmahl« (Foto) auch auf Unverständnis gestoßen. Er selbst sagt dazu: »Für mich ist die Idee klar: Eine jüdische Sekte trennt sich vom offiziellen Judentum. Das ist die Idee einer neuen Religion. Für viele Menschen auf der Welt unterscheiden sich Christen von Juden dadurch, weil sie Schweinefleisch essen. Das wird hier als Sinnbild verwendet. Als Demonstration einer neuen Religion. Es ist kein Werturteil. Es macht nur eine Differenz drastisch sichtbar.«

Es gibt noch viel anderes Bemerkenswertes in dieser Ausstellung, die noch bis zum 8. August geöffnet ist. Es lohnt sich, sie zu besuchen. Öffnungszeiten: täglich von 14 bis 18 Uhr.

Thema:

Weitere Positionen

23. Juli 2019 - 11:32 | Dieter Ferdinand

Das Jüdische Museum Augsburg Schwaben zeigt bis 31. Oktober die Ausstellung »Über die Grenzen. Kinder auf der Flucht 1939/2015« in der ehemaligen Synagoge Kriegshaber.

22. Juli 2019 - 11:29 | Jürgen Kannler

Kulturreferent Thomas Weitzel – ein CSU-Mann. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

22. Juli 2019 - 10:18 | Gast

Der UNESCO-Titel ist ein Bildungsauftrag, kein Marketinggag. Ein Gastbeitrag von Martin Kluger

6. Juli 2019 - 8:15 | Renate Baumiller-Guggenberger

Ganz klassisch – die a3kultur-Klassik-Kolumne im Juli

1. Juli 2019 - 12:57 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere von Andrew Lloyd Webbers Rockoper »Jesus Christ Superstar« auf der Freilichtbühne am Roten Tor

1. Juli 2019 - 8:41 | Gast

Quergelacht: die a3kultur-Kabarett-Kolumne im Juli. Von Marion Buk-Kluger

28. Juni 2019 - 8:01 | Iacov Grinberg

Die neue Ausstellung »Immer Kopf« in der Galerie Süßkind zeigt Arbeiten von Mike Mayer.

26. Juni 2019 - 13:00 | Thomas Ferstl

Der Juli ist bald da, die Temperaturen steigen und die Kinoleinwände zieht es hinaus an die frische Luft. Projektor – die a3kultur-Filmkolumne

21. Juni 2019 - 10:23 | Bettina Kohlen

Ein Kaiser und ein Dichter spielen in diesem Sommer große Rollen im Augsburger Ausstellungsgeschehen.

21. Juni 2019 - 10:20 | Iacov Grinberg

Seit zwei Monaten tagt das »Philosophische Café« im Brechthaus. Das Thema der letzten Sitzung war »non-verbal«