Verbal oder nicht verbal?

21. Juni 2019 - 10:20 | Iacov Grinberg

Seit zwei Monaten tagt das »Philosophische Café« im Brechthaus. Das Thema der letzten Sitzung war »non-verbal«

Über Augsburgs Philosophisches Café wurde bereits berichtet. Es ist eine schon seit 13 Jahren existierende lose Vereinigung ohne eine Rechtsform, die keinen Mitgliedsbetrag erhebt. Weiterhin ist sie parteipolitisch und weltanschaulich neutral und hat keinen wissenschaftlichen Anspruch. Sie vereint Menschen, die selbst philosophieren, sowie Wurzeln und Feinheiten des einen oder anderen Begriffs oder Ereignisses besprechen und erforschen möchten (https://a3kultur.de/positionen/aufgabe-fuer-kunst). Das Thema der letzten Sitzung war »non-verbal«. Für das Philosophische Café ist dies besonders interessant, da das Philosophieren ausgerechnet verbal verläuft. Wie immer traten interessante Fragen auf.

Eine Sprache, die eigentlich Instrument der verbalen Kommunikation (Informationen, die wir vom Außen wahrnehmen und nach draußen übermitteln) ist, ist relativ zu non-verbaler Kommunikation wie dem Aufbau und deren Basis. Die Möglichkeiten der Letzteren sind uns teilweise angeboren: Ein Kleinkind erkennt instinktiv ein Lächeln und einen bösen Gesichtsausdruck. Eine Sprache muss man dagegen erst erlernen und es gibt tausend verschiedene Sprachen, die manchmal auch Laute enthalten, die andere Sprachen nicht haben. So gibt es zum Beispiel im Altgriechischen keine Laute wie »sch«. Wir kennen bis heute den biblischen Schimschon als Samson.

Eine Sprache operiert meistens mit Begriffen, deren Bedeutung nicht fest definiert ist. Fest definiert sind nur Wörter aus der Naturwissenschaft und Technik, für eine effektive Diskussion über Gefühle oder humanitäre Themen sollte man erst die Bedeutung der Begriffe für diese Diskussion festsetzen. Die Bedeutung der meisten instinktiv wahrgenommenen, nicht-verbalen Signale ist dagegen in unserem Gehirn schon festgesetzt.

Bei einem Gespräch sind nicht nur Wörter, sondern auch Intonation, Körperhaltung und Gesichtsausdruck wichtig. Ein ausgesprochenes Lügen erkennt man oft durch begleitende Körperhaltung und einen Gesichtsausdruck, der schwerer als Wörter steuerbar ist. Bei schriftlicher Kommunikation fehlen diese Komponenten. Es gibt sehr wenige große Meister der Sprache, die alles mit ausschließlich geschriebenen Wörtern ausdrücken können. Nicht umsonst benutzt man heute im Internet Emojis als Ersatz. Und zugleich tritt eine Frage auf: In deutschen Schulen finden Klausuren nicht nur in naturwissenschaftlichen Fächern statt, wo es zweckmäßig ist, sondern auch in humanitären Fächern – und das schriftlich. Führt das nicht dazu, dass Schüler in diesen Fächer einfach nur büffeln (was für eine schriftliche Antwort genug ist) und nicht wirklich verstehen?

Kinder kommunizieren heute am öftesten schriftlich mit Smartphones, was eine persönliche Kommunikation ersetzt. Dabei haben sie weniger emotionale Erfahrung. Heute, wenn Arbeitsplätze für Hochqualifizierte immer öfter eine emotionale Kompetenz voraussetzen, gefährdet das ihre Zukunft.

Und zuletzt wurde festgestellt, dass Kommunikation auch einer spiralen Entwicklung unterliegt: Fast alle Religionen fordern nach dem Erlernen von entsprechenden Texten (verbale Kommunikation) zur Stille, zu den eigenen inneren Gefühlen, Gedanken, Meditationen (nicht verbale Kommunikation) zu übergehen, was einen Menschen weiter bringen kann.

Bei der nächster Sitzung am 12. Juli soll im »Philosophische Café« der Begriff »Gelassenheit« besprochen werden.

www.facebook.com/PhilCaA

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