Tanz

Ein Vergnügen für Groß und Klein

Iacov Grinberg
29. März 2016

Zum ersten Mal bedauere ich, dass ich nach der Aufführung und nicht vor ihr schreibe, da anstatt dieses Textes folgender Apell stehen sollte: Liebe Leser! Falls das Kind in Ihnen noch lebendig ist, sollten Sie sich unbedingt die Zeit nehmen, um diese Show zu bewundern, am besten mit der ganzen Familie. Ich stütze mich dabei nicht nur auf meine eigene Meinung, sondern an den ständigen Beifall des Saales, der während fast sämtlicher gezeigter Szenen erschallte. Doch die Aufführung ist ein Teil einer großen Tournee, sie fand bereits am 27. März statt. Ob sie noch einmal in Augsburg gezeigt wird, ist unbekannt.

Kunsthistoriker verfolgen die Geschichte des Schattenspiels seit dem Mittelalter. Damals wurde mit Schatten von Papierfigürchen gespielt. Uns, der Kinder der Nachkriegsgeneration, die ohne Computer aufwuchsen, lehrten die älteren Kinder wie mit Schatten von Händen ein Hund, eine Ziege oder einen Hahn auf der Wand erscheint. Schon einige Jahrzehnte existiert eine neue Art von Schattenspiel: Schauspieler bewegen sich auf einer Bühne hinter einer großen Leinwand, auf dem dabei einige Schattenfiguren erscheinen und sich fließend ineinander verwandeln.

Ausgerechnet dieses Verwandeln macht den großen Teil der Anmut solcher Stücke aus. Plötzlich verwandeln sich Frösche in Blumen, in einen Tausendfüßler, in Krabben und danach in eine Ente mit Küken. Aus dem Nichts entstehen Hunde und Bären, Kamele und Strauße, Autobus oder Helikopter, verschwinden danach spurlos wieder oder umwandeln sich in andere Gestalten.

In der Regel entstehen Schattenspielaufführungen aus einzelnen miteinander nicht verbundenen Szenen. Diese enthält einen breiten Spektrum: Von ganz poetischen »Jahreszeiten« mit Musik von Vivaldi bis Publizistik (Wiedervereinigung von Deutschland), Western und sogar Triller. Mir gefallen einige Szenen mehr, meinen Begleitern andere.

Diese, wie sie sich benennen, Dance-Company benutzt im Unterschied zu den anderen auch einen farbigen Hintergrund auf der Leinwand und einige zusätzliche Punktlichter, die den Eindruck verstärken. Sie zeigten auch etwas Neues, was ich noch nie bei einem Schattenspiel gesehen habe: Eine spezielle Projektion, die es erlaubt, Schatten im Laufe ihrer Bewegung zu zeigen. Dabei entsteht bei einer Figur etwas Flügelartiges!

Ich behaupte nicht, dass diese Dance-Company die beste ihrer Art ist. Kenner können etwas bemängeln, im Internet kann man einige stärkere Szenen finden. Aber der Eindruck im Saal ist unvergleichbar stärker als auf dem Bildschirm. Die Veranstalter versprechen, dass die Dance-Company noch ein Mal nach Deutschland kommt. Verpassen Sie es nicht, am besten mit Kindern, da die Kinder im Saal nicht weniger begeistert waren als die Erwachsenen.
(Iacov Grinberg)

Foto: Björn Kaisen

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