Verschieden und interessant

28. Juni 2019 - 8:01 | Iacov Grinberg

Die neue Ausstellung »Immer Kopf« in der Galerie Süßkind zeigt Arbeiten von Mike Mayer.

Wenn eine Ausstellung eines Künstlers oder einer Künstlerin angekündigt wird, schaue ich zunächst im Internet, um dort vorhandene Abbildungen der Arbeiten kennenzulernen und für mich selbst einzuschätzen, ob der jeweilige Stil für mich angenehm ist. Im Unterschied zu vielen Künstler*innen protzt Mike Mayer nicht mit seinen Arbeiten auf einer eigenen Webseite. Mayer ist schon im Rentenalter und seine künstlerische Tätigkeit betrachtet er nicht als eine Quelle des täglichen Brotes, sondern als einen wichtigen Teil seines Lebens, er befindet sich im seelischen Unruhestand.

Beim Betrachten seiner Arbeiten war ich in einer Situation, wie ein Mensch, der Französisch spricht und ein Hörspiel in einer anderen romanischen Sprache hört: Auf Italienisch, Spanisch oder Rumänisch. Die Wörter erinnern an etwas Bekanntes, manche sind gut verständlich, andere klingen komisch, obwohl man ihre Bedeutung (aber vielleicht eine falsche) erraten kann. Viele sind dagegen ganz fremd. Und trotzdem hört man eine gepflegte Sprache, es gibt keine Zweifel, dass grobe und zarte, laute und leise Stimmen dabei wie auch Pausen eine wesentliche Bedeutung haben. Für das Zuhören ist es nicht immer verständlich. Diese Ähnlichkeit wurde bei dieser Ausstellung dadurch bestätigt, dass anderen Zuschauern viele Arbeiten gefallen haben, die mir nichts sagten. Arbeiten, die mir ins Auge stechen, sind zum Beispiel der »Malerfürst« (Nr. 54), die beiden Nachbarn »Kunst ist weiblich« (Nr. 55) und »Erwin der Wurm« (Nr. 56) dagegen nicht, obwohl auch diese lobenswert sind. Ein Drahtobjekt »Musterknabe« (Nr. 42) gefällt mir sehr, im Unterschied zum Drahtobjekt »Der Fisch und seine Frau« (Nr. 32), obwohl dieser von anderen hochgelobt wurde. Das Werk »Ich will die Mark zurück« (Nr. 9) erfreute mich, seine von anderen geschätzte Nachbarin »Knopfpaule« (Nr. 10) sagte mir nicht zu. Arbeiten, die alle erfreuten, waren »Kleinkarierter Geist« (Nr. 19), »Berührung mit Baselitz (Nr. 17) und o.T. (Nr. 51), in der durch verschiedene Nuancen von Blau ein sehr interessantes Gesicht sichtbar ist.

Der Künstler hat eine gute künstlerische Technik: Manche Linien sind zart und filigran, andere grob und dick. Manchmal sind Farben präzise angelegt, manchmal als formlose Kleckse. Es scheint, dass alle Arbeiten eine künstlerische Aussage enthalten. Wenn der eine oder andere Zuschauer diese nicht erkennt, ist das eigentlich das Problem des Zuschauers. Meine Sicht ist durch meinen kulturellen Hintergrund bestimmt: Ich bin im russischsprachigen Kulturraum aufgewachsen, habe andere Theaterstücke und Filme als der Künstler gesehen, andere Bücher und auch andere Kindermärchen gelesen. Sie, liebe Leser*innen stammen meistens aus dem hiesigen Kulturraum und daher werden die Arbeiten dieser Ausstellung für Sie vielleicht verständlich sein. Sie ist noch bis zum 27. Juli zu bewundern.

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