Vielfalt künstlerischer Sprachen

16. November 2019 - 20:27 | Iacov Grinberg

Sieben Schwaben: Malerei, Zeichnung und Objekt in der Galerie Süßkind

Jeder von uns kennt einige Sprachen. Seien es Englisch und Französisch aus der Schule oder einige lokale Dialekte. Wer erinnert sich noch mit Freude oder mit einem Schauer an Latein und Altgriechisch? Die meisten der auf dieser Welt verbreiteten Sprachen verstehen wir jedoch nicht. Dabei klingen einige Wörter für uns manchmal komisch, manchmal obszön. Ähnliches passiert oft bei Ausstellungen, da verschiedene Künstler verschiedene künstlerische Sprachen benutzen, die für uns nicht immer verständlich sind.

Bei einer Ausstellung, wo Arbeiten unterschiedlicher Künstler ausgestellt sind, wie bei der Ausstellung „Sieben Schwaben“ in der Galerie Süßkind, ist es für den Betrachter wahrscheinlicher, etwas für ihn Verständliches zu finden. Zu sehen sind 93 Arbeiten – Malerei, Zeichnungen, Objekte – von zwei Schwaben und fünf Schwäbinnen. In diesem vielsprachigen Chorus waren für mich einige Stimmen ganz verständlich.

Petra Götz zeigt ihre Illustrationen zu einem neu verlegten Buch, das zum 300-järigen Jubiläum von Leopold Mozart erschien: „Leopold & Amadeus. Das Pupskonzert der Mozart-Racker“ (Foto). Alle Figürchen sind sehr lustig und auf allen – zur Freude der Kinder – sind Katzen als aktive Teilnehmer des Geschehenes präsent. Bei den Arbeiten von Gisela Frank hat mich Nr. 38 (o.T.) erfreut. Mit feinen Punkten sind sowohl ein Objekt als auch ein anderes mittels leeren Platzes zwischen diesen Punkten dargestellt.

15 scheinbar schwarze kleine Bilder von Dieter Spehs, die auf einer vertikalen Tafel platziert sind und mit einer Taschenlampe ergänzt werden, stellen aus meiner Sicht eine wunderbare Metapher dar. Aus der Distanz sieht man auf diesen Bildern nichts außer einer schwarzen Oberfläche, nur bei entsprechender Beleuchtung sieht man, dass dort etwas abgebildet ist.

Zwei Holzarbeiten von Ilona Herreiner sind sehr interessant: „Bildflucht“ und „Blindenhund“. Das Letztere zeigt einen sitzenden Hund mit nach oben gehobenem Kopf und schwarzer Brille. In der Nähe hängen Bilder von Helene Mitter, Variationen von „Tango Argentino“ und „Pastorale“. Sie sind im Stil der 30er-Jahre geschaffen und übertragen eine fröhliche Stimmung.

Anderen Besuchern gefielen andere Arbeiten. So kann ich Ihnen, liebe Leser*innen, empfehlen, selbst diese bis zum 8. Februar laufende Ausstellung zu betrachten. In der Vielfalt der künstlerischen Sprachen wird Ihnen die eine oder andere mit großer Wahrscheinlichkeit verständlich und angenehm.

http://galeriesuesskind.blogspot.com

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