Vier Opern an einem Abend

20. November 2018 - 13:57 | Gast

Die Augsburger Puppenkiste begeistert mit ihrer Version von Wagners »Der Ring des Nibelungen«.

Wenn es eine Oper gibt, die als schwer verdaulich gilt, dann ist es Wagners Zyklus »Der Ring des Nibelungen«. Nicht zuletzt deshalb, weil 16 Stunden ziemlich lang werden können. Zum 70. erfüllt sich jetzt die Augsburger Puppenkiste ihren Herzenswunsch: Wagners »Ring« mit Marionetten – quasi das »Ringlein«, zum Jubiläum auf schlanke zwei Stunden heruntergekürzt. Premiere war am 16. November. Für dieses Jahr sind alle Vorführungen bereits ausverkauft.

Regisseur Florian Moch hat für den Augsburger »Ring« auch die Marionetten und Kostüme gestaltet. Opern- und Filmmusik-Komponist Enjott Schneider (»Herbstmilch«) hat Wagners Musik bearbeitet. Einige prominente Stimmen sind ebenfalls zu hören. Da wäre zum Beispiel Mechthild Großmann, Kult-»Tatort«-Staatsanwältin, jahrzehntelang Darstellerin in Pina Bauschs Tanztheater. Sie spricht die Erdgöttin Erda. Oliver Kalkofe erweckt den Zwerg Mime zum Leben, Punk-Rocker Bela B (Die Ärzte) gibt dem goldgierigen Riesen Fafner seine Stimme und Sandra Schwittau spricht nicht nur Bart Simpson, sondern auch die Brünnhilde.

Herausgekommen ist das Beste aus vier Opern an einem Abend. Herausgekommen ist eine Aufführung mit viel Glanz, tollen Bühnenbildern und Figuren, unterhaltsam, witzig und kurzweilig. Florian Pittroff hat mit Theaterleiter Klaus Marschall nach der Premiere gesprochen.

a3kultur: Was hat dich daran gereizt den »Ring« auf diese Weise zu zeigen?
Klaus Marschall: Wir wollten den gesamten »Ring« auf einmal erklären. Der Opernzyklus von Richard Wagner umfasst ja vier Opernabende und hat eine Aufführungsdauer von knapp 16 Stunden. Nur wer sich im Vorfeld wirklich mit den Inhalten befasst, wird den Zusammenhang der Opern verstehen. Deshalb war es uns ein Anliegen, den kompletten »Ring« auf unsere Bühne zu bringen und dabei das Hauptaugenmerk auf die Geschichte des Stücks zu legen.

Es geht um verworrene Familienverhältnisse, um Mord und um Liebe. Das alles garniert mit viel Musik, aber ohne Gesang. Warum?
Weil der Zuschauer die Zusammenhänge wirklich verstehen soll. Darüber hinaus würde es auch ungleich länger dauern, die Geschichte mit Gesang zu erzählen, was Wagner in seinen Opern ja durchaus beweist.

Opern für Marionetten sind ja in der Augsburger Puppenkiste nichts Neues – Stichwort »Zauberflöte« und »Don Giovanni«. Warum jetzt der »Ring«?
»Der Ring des Nibelungen« ist eines der umfangreichsten musikalischen Werke und darüber hinaus auch sehr bekannt. Allerdings wissen nur wenige Menschen, was wirklich passiert und wie die familiären Zusammenhänge der handelnden Personen sind. Dies haben wir als Herausforderung gesehen, um den »Ring« auch für Nicht-Wagnerianer begreiflich zu machen.

Kann der Wagnerianer die Musik als Wagners Musik identifizieren – kann man als Kenner mitsummen?
Selbstverständlich sind Wagners Themen der Hauptbestandteil auch unserer musikalischen Begleitung. Enjott Schneider ist ein großer Bewunderer der wagnerschen Musik, dennoch hat er sich erlaubt, auch fremde Themen einzubinden.

Der »Ring«: Überwältigend, bedeutungsschwanger, pathetisch – so auch in der Puppenkiste?
Vielleicht nicht ganz so pathetisch wie das Original, aber überwältigend ist das Werk in jedem Fall.


www.augsburger-puppenkiste.de

Foto: Elmar Herr

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