Vive la France!

16. Juli 2018 - 10:35 | Renate Baumiller-Guggenberger

Hell gesehen und musikalisch virtuos gespielt: Das finale Konzert der bayerischen kammerphilharmonie begeistert die Hörer im Parktheater nachhaltig.

Mit ihrer erfolgreichen Konzertreihe »un-er-hört« verfügt die in Augsburg ansässige bayerische kammerphilharmonie offensichtlich über ein hellseherisches Potenzial! Das am WM-Finalsonntag stattfindende, letzte Konzert ihrer Spielzeit 2017/18 im ausverkauften Parktheater war mit »Vive la France!« übertitelt. Es präsentierte mit Albert Roussel (1869–1937), Claude Debussy, Jean Francaix (1912–1997) und Chopin ausschließlich französische Komponisten – wenige Stunden später krönten die sportlichen Franzosen diese musikalisch überaus eindrucksvolle Matinee verdient mit dem Weltmeistertitel.

Unter der Leitung von Konzertmeister Gabriel Adorján sorgten gleich drei hochkarätige Solisten für außergewöhnlich virtuose Impressionen. Zum rein orchestralen Auftakt bot Albert Roussels zwischen düsterer Melancholie und erregter Aufbruchsstimmung wechselnde »Sinfonietta für Streicher op.52« filmmusikalisch anmutende Momente und damit den vierzehn Streichern die Gelegenheit, als fein ausbalancierter, transparenter und dynamische Effekte umsetzender Klangkörper zu brillieren. Wahre Kostbarkeiten folgten vor der Pause mit den beiden Werken, in denen die Harfen als Soloinstrumente glänzten und ihr immer wieder überraschend viel-»saitiges« Ton- und Klangspektrum entfalten durften. Dank meisterhafter Spiel-und Interpretationskunst machte Harfenist Andreas Mildner die grazil-schwungvollen Tänze für Harfe und Orchester, die Debussy ursprünglich als Beleg für das Vermögen der chromatischen Harfe komponiert hatte, zum betörenden Erlebnis.

Getoppt wurde dieses Werk prompt von dem »Concerto pour 2 harpes et 11 instruments à cordes«, mit dem sich Jean Francaix einmal mehr als Schöpfer leicht verständlicher, genussreicher Musik erwies. Nie flach, sondern stets voller Esprit, tänzerischer Leichtigkeit und spannungsreicher Bögen blieb auch diese selten gespielte Komposition im sensiblen Zusammenspiel der zwei Harfenvirtuosen Nora von Marschall und Andreas Mildner als kleine Sensation lange im Gedächtnis. Nach der Pause lud der mehrfach ausgezeichnete und jüngst mit einer Professur an der HMTM Hannover nobilitierte Alexander Schimpf zu einer pianistischen Sternstunde. In einem rein französischen Programm mit Ausrufezeichen war Chopins 1830 uraufgeführtes »Klavierkonzert Nr. 2« fast schon ein Muss. Kühn und konzentriert durchdrang Schimpf – empfindsam vom Orchester begleitet – die komplexe Struktur, verblüffte zum einen mit seiner über jedes Manko erhabenen Anschlagtechnik, setzte zum anderen berührende Akzente mit seiner filigran-schlanken Tongestaltung. Ihn und das in Summe reizvoll konzipierte Vive la France!-Sieger-Programm belohnte der langanhaltende und zu Recht euphorische Beifall des Publikums.

In der kommenden Spielzeit feiert die bayerische kammerphilharmonie bereits ihr »unerhörtes« 15-jähriges Jubiläum und startet am 12. Oktober in der Stadthalle Gersthofen mit dem »gemischten Doppel« Sarah Christian und Maximilian Hornung sowie Beethoven und Brahms durch!

Weitere Details unter www.kammerphilharmonie.de

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