Vollendetes Finale

29. Mai 2019 - 9:29 | Renate Baumiller-Guggenberger

Mit Mozart, Beethoven und Tschaikowsky verabschiedet sich das in diesem Jahr bravourös gelungene Mozartfest.

Mit einem sensationellen, von der untergehenden Sonne magisch beleuchteten Konzertabend klang das Deutsche Mozartfest in Ev. Heilig Kreuz aus. Tschaikowsky posaunte das ins 20. Jahrhundert tradierte Vermächtnis des Jubilars und weitvernetzten Musikmanagers Leopold Mozart in den Mittelsätzen lautstark hinaus – nur gut, dass die soliden Kirchenbänke derartig eruptivem Klangvolumen standhielten.

Überwältigend war in diesem Jahr nicht allein die an den Besucherzahlen zu messende Festivalbilanz, sondern die herausragende Spitzenqualität der für das Deutsche Mozartfest in Augsburg gewonnenen Solisten und Orchester. Sie erfüllten und vollendeten Simon Pickels clever durchgestyltes Programmkonzept mit ihrem jeweils einzigartigen Virtuosentum, so dass alle sechs Abende im Gedächtnis des Publikums verankert bleiben dürften. Konstant wurde man in diesem bemerkenswerten Festivaljahr mit exquisiten und singulären Interpretationen meisterhafter Werke verwöhnt! »Und da darf man auch mal deutlich DANKE sagen«: Bewusst ließ es sich Simon Pickel als verantwortlicher Künstlerischer Leiter vor dem krönenden Finalabend nicht nehmen, das eben nicht Selbstverständliche auf dem Podium laut auszusprechen. In seine ausführlichen Dankesrede, die ein Teil des Publikums als zu lang empfand, bezog er die motivierte Hörerschaft, die erlesenen Künstler, die Stadt samt Kulturreferent Thomas Weitzel, die zahlreichen Sponsoren und sein engagiertes Mitarbeiterteam ein.

Und dann ging es beschwingt und mit orchestraler Feinzeichnung flugs über in die Ouvertüre zu »Figaros Hochzeit«, mit der die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter dem präzisen und leidenschaftlichen Dirigat von Jérémy Rhorer ihren Ruf als vielfach preisgekröntes und weltweit gefragter Klangkörper behauptete. Im nachfolgenden »Konzert für Klavier, Violine und Violoncello mit Orchester C-dur op. 56« von Beethoven demonstrierten Sarah Christian und Maximilian Hornung gemeinsam mit Pianist Alexander Melnikow die Hörer-Glücksgefühle erzeugende Symbiose von musikalischer Kompetenz und großem Spaß. Was für ein Vergnügen, die drei Solisten zu beobachten. Gewitzt warfen sie sich die Notenbälle zu, schmunzelten mit- und übereinander, befeuerten die stets raffiniert geführte musikalische Konversation, in die sich das Orchester nur einschaltete, um den vierten Standpunkt mit Nachdruck zu verteidigen.

Dass Sarah Christian gerne mit dem ganzen Körper »spielt«, weiß man und so fehlte es auch diesmal nicht an spannungsvoller Mimik und Gestik, mit der alle drei Solisten ihren musikalischen Trialog anschaulich ausagierten und die Hörer glauben machten, die Entscheidung über die beste aller möglichen Interpretation fiele in »Freistil-Manier« erst in diesem Moment. Unmittelbarer kann Musik kaum zum Klingen gebracht werden! Mit der 6. Sinfonie fand nicht nur das Mozartfest 2019, sondern im Jahr 1893 auch das Schaffen von Peter I. Tschaikowsky sein Ende. Bei jeder Aufführung umfängt das als Programmsinfonie deklarierte Werk nicht allein aufgrund seiner h-moll -»Todestonart« und der eigenartigen Satzabfolge die Hörer mit der verführerischen Aura des Geheimnisvollen. Das Orchester verstärkte die Sogwirkung der »Pathéthique« mit all ihren sinnlichen und bezwingenden Kontrast-Effekten, die Tagträumerei mit Erinnerung und Vorausahnung eines endgültigen Abschieds von der Erde vereinen. Bravi und Standing Ovations!

www.mozartstadt.de

Foto: Christian Menkel


Thema:

Weitere Positionen

14. August 2019 - 9:08 | Patrick Bellgardt

Am 24. August gastiert Purple Schulz im Wittelsbacher Schloss in Friedberg. Die 80er-Jahre-Ikone präsentiert ihr neues Album »Nach wie vor« open air im Innenhof. Ein Interview

12. August 2019 - 14:02 | Dieter Ferdinand

Im griechischen Theater Heretsried wurde am 9. August Nestroys »Das Mädl aus der Vorstadt« aufgeführt

7. August 2019 - 12:48 | Jürgen Kannler

Der vielbeschworene Schulterschluss zwischen Bayerischer Staatsregierung und Rathaus Augsburg zeigt Auflösungserscheinungen. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

6. August 2019 - 12:54 | Gast

a3kultur-Autorin Marion Buk-Kluger im Interview mit Lisa Maria Potthoff. Die Schauspielerin präsentiert am 11. August die Krimikomödie »Leberkäsjunkie« beim Kino-Open-Air »Lechflimmern«.

4. August 2019 - 8:04 | Gast

Leberkäsjunkies und Saumenschen – Quergelacht, die a3kultur-Kabarett-Kolumne. Von Marion Buk-Kluger

2. August 2019 - 8:45 | Thomas Ferstl

Projektor – die a3kultur-Film-Kolumne im August

31. Juli 2019 - 9:04 | Jürgen Kannler

Ein Gespräch mit Vea Kaiser über ihren aktuellen Roman, kulinarische Aspekte des Lebens und den Balkan.

28. Juli 2019 - 8:54 | Jürgen Kannler

Jürgen Kannler im Gespräch mit dem Medienkünstler Reinhard Gupfinger, Artist in Residence des Projekts »Welcome in der Friedensstadt«

isabel_kerkermeier_diaphane_kunstverein_aichach_2019_foto bettina kohlen.jpg
26. Juli 2019 - 8:25 | Bettina Kohlen

Nach München, an den Chiemsee oder einfach in der Region: Gute Kunst kann man an vielen Orten erleben. Hier kommen ein paar Vorschläge für die nächsten Wochen.

26. Juli 2019 - 7:08 | Iacov Grinberg

Das Grafische Kabinett beleuchtet »Augsburgs Wehr und Zier. Die Stadtmauer«.