Vom Wesen und der Kunst des Wassers

26. Juni 2018 - 12:35 | Bettina Kohlen

Im Augsburger Maximilianmuseum wird bis zum Herbst kunstvoll und opulent die Bedeutung des Wassers für die Stadt zur Schau gestellt.

An dem (projizierten) Wasserfall kommt man nicht vorbei, der Weg zur »Wasser Kunst Augsburg« führt mitten hindurch. Das sieht zwar ein wenig nach Messebau aus, ist aber dennoch eine schlüssige Idee, um ins Geschehen einzutauchen. Ab dann leiten zarte blaue Wellen (und ein kleiner Bach) den Besucher durch die Ausstellung, in der sich alles ums Augsburger Wasser dreht.

Die Flüsse Lech und Wertach streifen die innere Stadt zwar nur am Rande, doch ihre Fluten sind in Augsburg allgegenwärtig – sie speisen zahlreiche Kanäle, die romantische Ansichten gewähren und Badefreuden bescheren. Doch geschaffen wurden diese Wasserläufe, um Mühlen und Kraftwerke anzutreiben und sauberes Wasser in die Stadt zu bringen. Diese historische Wasserwirtschaft, Motor für den Aufstieg der Stadt in Mittelalter und Renaissance, könnte Unesco-Weltkulturerbe werden. Zu dem umfangreichen Paket, das die Stadt für die Bewerbung geschnürt hat, gehört auch die eindrucksvolle Schau mit rund 250 hochkarätigen Objekten, der beinahe das gesamte Maximilianmuseum Raum bietet.

Da geht es zunächst um das konkrete Geschehen, das den größeren Teil der Ausstellung ausmacht: Brunnen, Kanäle, Antriebe – alles dies wurde mit technischer und künstlerischer Finesse über Jahrhunderte weiterentwickelt und so ein komplexes Wasserwirtschaftssystem geschaffen. Los geht es mit einem hochrangigen Kunstwerk: Hans Dauchers wunderbarer bronzener Neptun von 1537 krönte ursprünglich den Brunnen am Fischmarkt beim Rathaus. Eine Fülle historischer Dokumente, Karten und Grafiken bildet den Kern dieser Abteilung, ergänzt durch ein Vielzahl von Objekten wie die raffinierten hölzernen Modelle des Brunnenmeisters Caspar Walter. Ebenso gibt es Alltagsgegenstände wie barocke Wasserhähne oder ein Pflanzgefäß. Auch wenn den Besucher reichlich Lesestoff erwartet  – sowohl bei den Exponaten wie auch den Erläuterungen – wird die Zeit bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts äußerst lebendig und man versteht am Ende genau, worauf die spezielle Bedeutung des Wassers für Augsburgs Rang beruht. In einer kleineren zweiten Abteilung richtet sich der Blick über die Grenzen der Stadt, hier geht es um die Frage nach dem Wesen des Wassers. Die Antworten liefern kunstvolle profane und sakrale Objekte: Grandiose Pokale Augsburger Goldschmiedemeister, barockes Taufgeschirr oder auch ein Pokal, geschnitten aus Bergkristall. Die beiden ungewöhnlichsten Objekte sind ein Seemonster aus Japan, das wie ein asiatischer Wolpertinger anmutet und eine bezaubernde Elfenbein-Statuette eines kleinen Mädchens, das gerade in ein Töpfchen, nun ja… pinkelt.

Die Ausstellung geht im Herbst zu Ende, was aber bleiben wird, sind die fabelhaften originalen Bronzefiguren des Augustusbrunnen, die auf der Terrasse im ersten Stock ihren Platz gefunden haben. Ihnen können wir nun auf Augenhöhe ganz nahe kommen, wunderbar… Zur Ausstellung ist ein gewichtiger Katalog erschienen, der für bescheidene 24,95 Euro lesenswerte Aufsätze enthält und tolle Abbildungen plus Hintergundinformationen zu zahlreichen Objekten liefert. Lohnt sich unbedingt!

Bei großem Besucherandrang wird es in den effizient genutzten Räumen schnell eng, so dass es sich empfiehlt, mehr als einmal reinzuschauen. Und als Ergänzung zum großen Bogen im Maximilianmuseum bietet sich ein Besuch im Stadtarchiv an, wo eine kleine Ausstellung die alltäglichen und kuriosen Geschichten beisteuert.

»Wasser Kunst Augsburg. Die Reichsstadt in ihrem Element« – bis 30. September
www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

»Wassergeschichte(n) – Augsburgs alltägliches Elementt« – bis 13. Juli
www.stadtarchiv.augsburg.de

Abbildung: Adrian de Vries: Brunnenjüngling vom Kastenturm beim Roten Tor. Bronzefigur Augsburg 1599/1600. Kunstsammlungen und Museen Augsburg, Maximilianmuseum, Inv. Nr. 1162

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