Das Warten hat ein Ende

3. Juli 2018 - 15:14 | Julian Stech

André Bückers Mut hat sich ausgezahlt: Standing Ovations bei der Uraufführung des mit Spannung erwarteten Fugger-Musicals »Herz aus Gold« auf der Freilichtbühne.

Dem Wettergott konnte man jedenfalls dankbar sein. Es herrschte ein herrliches, frisches Sommerabendklima am vergangenen Samstag, als nun endlich der Tag gekommen war, den viele Menschen mit großer Spannung und Erwartung entgegen geblickt haben. Auf der Freilichtbühne am Roten Tor lud das Theater Augsburg zur Uraufführung des Fugger-Musicals »Herz aus Gold« ein und es blieben nur wenige Sitzplätze leer, als um kurz nach 20:30 Uhr der musikalische Leiter Domonkos Héja unter Applaus die Bühne betrat und dem in einem Zelt links der Bühne stationierten Orchester die ersten Klänge entlockte.

Das von Karel Spanhak gestaltete Bühnenbild überzeugte von Sekunde Null und wurde von meinem Begleiter sogar als »bestes Bühnenbild, dass er je auf der Freilichtbühne erleben durfte«, bezeichnet. Stimmig mit der Kostümierung des gesamten Ensembles waren die große Treppe aus Goldmünzen sowie eine erstmalig auf der Freilichtbühne am Roten Tor verwendete Drehbühne die Highlights für das Auge des Besuchers. So verfolgt man die »Lebensgeschichte« Jakob Fuggers ab seiner Rückkehr aus Venedig im jungen Alter beispielsweise durch Szenen in seinem Büro oder auf öffentlichen Plätzen.

Der Handlungsstrang ist hierbei logisch, doch in einigen Punkten auch sehr naiv gehalten: Fugger wird älter und mächtiger. Sein Einfluss auf Politik und Weltgeschehen wird deutlich dargestellt. Doch kommen auch Unsicherheit und Zweifel beim Charakter Fuggers zum Vorschein, die parallel mit der – für ein Musical scheinbar unabdingbaren – Liebesgeschichte verlaufen. Diese »Romanzen« bzw. Abkommen zwischen Fugger und Sibylla sr. und Sibylla jr. sind leider qualitativ sehr einfach gehalten und gehen emotional wenig in die Tiefe. Möglicherweise ein Weg von Texter Andreas Hillger dem Stück keine unnötige Abstraktheit zu verleihen. Auf der anderen Seite wird beim genauen Hinhören der einzelnen Stücke die Wortkraft spürbar, für welche wohl Hillger von Intendant André Bücker als Autor des Musicals beauftragt wurde.

Genauso verhält es sich mit der Musik. Stephan Kanyar ist hier wirklich ein phänomenales Gesamtwerk gelungen, das den Besucher einerseits durch die Verwendung vieler Kirchentonarten immer wieder in die Zeit um 1500 mitnimmt, andererseits machen die regelmäßigen Einwürfe anderer Genres wie Rock und Pop die Lieder modern und spannend. Das Titelstück »Herz aus Gold« brilliert durch tolle Melodie und Text und wird von Chris Murray (Jakob Fugger) mit inbrünstiger Leidenschaft dem Publikum serviert. Ebenfalls sehr unterhaltsam ist das Duett von Roberta Valentini (Sibylla sr.) und Katharina Wollmann (Sibylla jr.), das etwas Frisches und fast schon Souliges innehat und bei dem die Drehbühne hervorragend genutzt wird.

Alles in allem lässt die Leistung der Darsteller keine Wünsche offen. Es ist ein Genuss, Chris Murray bei seiner Arbeit zuzusehen und zu erfahren, wieso er in der ersten Liga der deutschen Musicalszene mitspielt. Der Regisseur und Darsteller des Welser, Holger Hauer, macht ebenfalls Spaß und überzeugt durch seine ernsthafte Mimik. Die acht Gastsänger der August Everding Akademie – sozusagen der Musicalnachwuchs – hauchen dem Stück gemeinsam mit dem Ballettensemble des Theater Augsburg Jugendlichkeit und Witz ein. Eine tolle Teamarbeit hat Früchte getragen und Bückers Mut hat sich ausgezahlt: Standing Ovations am Ende der Premiere und begeisterte Gesichter im Publikum beim Verlassen der Spielstätte nach zweieinhalb Stunden.

Die nächsten Termine sind unter www.theater-augsburg.de/herz_aus_gold nachzulesen.

Foto: Jan-Pieter Fuhr

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