Wasser Kunst Augsburg

17. Juni 2018 - 7:04 | Gast

Das Maximilianmuseum präsentiert die Sonderausstellung »Wasser Kunst Augsburg – Die Reichsstadt in ihrem Element« aus doppeltem Anlass. Ein Gastbeitrag von Christoph Emmendörffer

Das historische Ereignis des Neuzugangs nunmehr aller Bronzen des Augustusbrunnens nimmt das Maximilianmuseum zum Anlass, sich in einer großen kulturgeschichtlichen Ausstellung mit dem Titel »Wasser Kunst Augsburg – Die Reichsstadt in ihrem Element« (15. Juni bis 30. September 2018) der einzigartigen Augsburger Wassergeschichte zu widmen. Der weitere, ebenso wichtige Anlass für diese Schau ist die Tatsache, dass sich die Stadt 2018 mit dem Thema »Das Augsburger Wassermanagement-System« um den Titel UNESCO-Welterbe bewirbt.

Augsburg ist wegen seiner Lage zwischen Lech und Wertach reich an Wasser. Diesen Standortvorteil hatten bereits die Römer erkannt, als sie hier 15 v.Chr. ein Heerlager errichteten. Das Wasser diente der Stadt lange Zeit als Hauptenergiequelle. Früh nutzte man die Wasserkraft für Mühlen. Beim Hochablass, dem seit 1552 bestehenden Stauwehr, wurde der Lech über Kanäle in die Stadt geleitet, die dort Mühlen und Pumpwerke antrieben. Die Lechkanäle werden bereits im Augsburger Stadtrechtsbuch von 1276, einer der ältesten süddeutschen Rechtssammlungen, genau beschrieben – Wasser und seine Nutzung hatten in Augsburg gewissermaßen Verfassungsrang. Gegen Ende der Reichsstadtzeit hatte Augsburg innerhalb seiner Mauern allein sieben Getreidemühlen. Weitere befanden sich vor den Toren der Stadt. Dort standen unter anderem auch Gewürz-, Stoß-, Schleif- und Pulvermühlen. Als Stadt des Buchdrucks verfügte Augsburg über Papiermühlen und Kupferhammerwerke. Die Textilstadt nutzte die Wasserkraft für Walkmühlen und Kattunfabriken. Eisenhammer- und Sägewerke versorgten die Zimmerleute und Schreiner. Silberhammerwerke und Grätzmühlen belieferten die für ihre Kunst weltberühmten Augsburger Goldschmiede. Die einzigartige Vielfalt und beispiellose Produktivität Augsburgs in Kunst und Kunsthandwerk hatte viele Gründe. Einer davon war Wasser. Es machte Augsburg zu einer Stadt der Künste und Augsburg erhob die Nutzung von Wasser zu einer Kunst. Auf der Basis der vom 15. bis zum 18. Jahrhundert entwickelten reichsstädtischen Wasserwirtschaft gelang der Provinzstadt Augsburg der Aufstieg zur bedeutendsten Industriestadt im Königreich Bayern.

Mehrjährige Archivrecherchen im Zuge der Ausstellungsvorbereitungen lieferten ein breites und stabiles Datenfundament, auf dem erstmals grundlegende Überblicksdarstellungen zur Trinkwasserversorgung, zum Wasserbau und zum Mühlenwesen vorgestellt werden können. Sie belegen die Einzigartigkeit der Augsburger Wasserwirtschaft, die neben einer komplexen, jahrhundertealten institutionellen Infrastruktur maßgeblich durch einzelne herausragende Köpfe geprägt wurde. Im Blickpunkt stehen insbesondere Stadtwerkmeister Elias Holl (1573–1646) und Stadtbrunnenmeister Caspar Walter (1701–1769). Mit bislang unbekannten Archivalien, prächtigen Karten, faszinierenden Modellen und nicht zuletzt mit hochrangigen Kunstwerken aus europäischen Sammlungen entfaltet die Ausstellung »Wasser Kunst Augsburg« ein einzigartiges Panorama der historischen Wasserwirtschaft und Brunnenkunst Augsburgs, die die Grundlage bilden für die Bewerbung um den Titel UNESCO-Welterbe.


Ausstellungskurator Dr. Christoph Emmendörffer ist seit 1998 Leiter des Maximilianmuseums. Zur Ausstellung »Wasser Kunst Augsburg – Die Reichsstadt in ihrem Element« bieten die Kunstsammlungen und Museen Augsburg ein umfangreiches Rahmenprogramm an. Alle Termine im Überblick finden Sie unter:
www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

Abbildung: Hubert Gerhard, Brunnenbach. Bronzefigur vom Augustusbrunnen. Augsburg 1606. (Foto: Achim Bunz)

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