Der Weg ins Paradies

4. November 2019 - 9:41 | Sarvara Urunova

Pünktlich zu Allerheiligen, wenn Themen rund um die Ewigkeit stark präsent sind, lud das Ensemble Más Que Tango zum traditionellen Konzert ins tim ein, diesmal unter dem Motto »Paradies«.

Ist das Paradies ein Ort auf Erden? Oder ein Gefühl des Angekommen- und Angenommenseins? Sind die Hölle die Anderen oder ist es das Selbst? Gibt es einen Weg zum Paradies und führt dieser nur durch die Hölle? Ist das Paradies eine Utopie in der Hölle der Realität?

Auf diese Fragen versuchten Künstler und Philosophen allezeit Antworten zu geben. In seiner Einführung charakterisierte der Gastgeber des Abends, der Leiter des Textilmuseums Dr. Karl B. Murr, das Paradies als ein Gefühl der ursprünglichen Wärme und des Angenommenseins, als die Erfahrung ganz da sein zu können, in einem Moment des Vertrauens, nicht nackt, sondern in ein Kleid aus Licht gekleidet. Doch wer über das Paradies redet, darf über die Hölle nicht schweigen, betonte Murr.

Auch der Meister des argentinischen Tangos, Astor Piazzolla, dessen Werke an diesem Abend im Vordergrund standen, thematisierte in seiner »Engel-Trilogie« den Kampf zwischen Dunkelheit und Licht als den Tanz, der über den leidvollen Tod zur lichtvollen Auferstehung führt.

So führte der Abend Schritt für Schritt aus den plutonischen Tiefen in die himmlischen Höhen. Der Spezialgast des Abends, der argentinische Komponist und Bandoneón-Spieler Marcelo Mercadante, erreichte mit seinen leidenschaftlichen Kompositionen und dem intensiven Spiel die tiefsten Schichten der Seele. Das Cellospiel von Edward King in der Komposition »In paradisum« aus Graduale Romanum ließ die Leichtigkeit und Harmonie des Elysiums erahnen. Iris Lichtinger repräsentierte am Klavier das feine Strahlen als Lichtträgerin. Die Interpretation des Violinisten Martin Franke von Piazzollas »Resurección del Ángel« beeindruckte mit dem Triumph der Auferstehung beim Finale.

Mit Hilfe der Rezitationen von Dr. Karl B. Murr, der aus den Werken von I. Bachmann, F.G. Lorca und J.L. Borges vorlas, schimmerte nach und nach der Schein der Hoffnung durch, dass der Weg zum Paradies für die Helden zu schaffen ist. Die Ankunft im gelobten Land ist keine Utopie, sondern die Realität, wie der Abend vorbildlich zeigte.

www.masquetango.eu

Thema:

Weitere Positionen

11. Juli 2020 - 7:09 | Juliana Hazoth

Lesend gegen Diskriminierung* – Ein erster Schritt ist es, sich zu informieren und zuzuhören. Lesebedarf – die a3kultur-Literaturkolumne

8. Juli 2020 - 7:09 | Bettina Kohlen

»Der Blaue Planet – The Blue Planet« – Zehn internationale Künstler*innen stellen im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst ihre Fragen zum Zustand der Welt.

7. Juli 2020 - 9:10 | Renate Baumiller-Guggenberger

Selbst die Vögel jubilierten, tirilierten und frohlockten in den schönsten Tönen: Das Serenaden-Konzert der Augsburger Philharmoniker unter Leitung von Domonkos Héja im »Kunstrasen«-Programm des Staatstheaters betörte am Sonntagabend die rund 120 Hörer mit virtuos gespielten kammermusikalischen Pretiosen.

Ofenhaus und Behälterturm am Gaswerk
6. Juli 2020 - 8:29 | Susanne Thoma

Wie Kultureinrichtungen kreativ mit den aktuellen Anforderungen umgehen. Ein Podcast von Gasius Worx.

5. Juli 2020 - 10:33 | Bettina Kohlen

Die ehemalige Synagoge in Kriegshaber, Teil des Jüdischen Museums Augsburg Schwaben, wird aktuell zum Ort des Nachdenkens über die Sichtbarkeit bzw. Unsichtbarkeit der Frau im Judentum.

3. Juli 2020 - 11:19 | Renate Baumiller-Guggenberger

»Barbie, schieß doch!« feierte seine Premiere open air als Eröffnung der »Sensemble-Sommerwiese«.

3. Juli 2020 - 9:34 | Marion Buk-Kluger

Kabarett und Comedy auf der Messeflimmern-Autokinobühne – Lacherlebnisse fast wie vor der Corona-Zwangspause. Quergelacht – die a3kultur-Kabarettkolumne

1. Juli 2020 - 14:18 | Thomas Ferstl

Die Kinos sind zurück, unter anderem mit der Adaption eines Romans von Alfred Döblin. Projektor – die a3kultur-Filmkolumne

30. Juni 2020 - 14:08 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere auf der Freilichtbühne: Der aus der Corona-Not geborene Gala-Abend als Alternative zum ursprünglich geplanten Musicalklassiker »Kiss me, Kate« sowie den Vorstellungen des wiederaufgenommenen »Herz aus Gold« überzeugte künstlerisch nicht in jedem Moment.

29. Juni 2020 - 11:22 | Iacov Grinberg

Die neue Ausstellung im Grafischen Kabinett enthält Objekte und Dokumente zur Vorgeschichte des heute glücklichen Schicksals des Schaezlerpalais.