Welcome to the Apollo

21. März 2016 - 10:01 | Julian Stech

Am 19. März feierte der Repertoireballettabend »Von Göttern und Menschen« im Großen Haus Premiere.

Sehr gut besucht war das Große Haus an diesem kühlen, aber nach Frühling riechenden Abend. Pünktlich um 19:30 Uhr öffnete sich der Vorhang, die ersten Streicherklänge der Augsburger Philharmoniker ertönten und die Premiere einer neuen Ballettproduktion hatte begonnen. »Von Göttern und Menschen« ist der Titel dieses Ballettabends in vier Teilen, der sich laut Pressetext auf »zwei Meisterwerke von George Balanchine, dem bedeutendsten Choreografen der Neoklassik«, bezieht.

Noch etwas träge begann das erste Stück »Shades of us«, welches an diesem Abend seine Uraufführung feierte. Die Musik von Milko Lazar, die er eigens für das Augsburger Ensemble komponiert hatte, steigerte sich allerdings in Tempo und Energie, sodass auch die Choreografie von Edward Clug zum Ende hin immer spannender wurde.

Als Nächstes folgten die beiden Choreografien von Balanchine. Zuerst »Apollo«, das von der ersten Sekunde an Anmut und Eleganz ausstrahlte und in dem Robert Conns neuer Star im Ensemble, Mark Radjapov, den Apollo darstellte. Die aus vier menschlichen Körpern entstehenden Figuren und Verflechtungen, die dem Zuschauer hier vorgeführt werden, sind eine künstlerische Höchstleistung. Im krassen Gegensatz zu dieser »göttlichen« Inszenierung folgten Ausgelassenheit und menschliche Lebensfreude. In »Tarantella« tanzten Yurie Matsuura und Theophilus Veselý wie ein Liebespaar, das den Gott des Hedonismus entzücken möchte. Das Publikum gab den bis dahin lautesten Applaus.

Nun war die Zeit für Augsburgs Nachwuchs-Choreografen gekommen. Im ersten Stück des Abends stand Riccardo De Nigris noch selbst auf der Bühne. Jetzt sollte er wieder einmal zeigen, dass seine Leidenschaft nicht nur im Tanzen, sondern auch im Choreografieren liegt. »Ascending Glide« heißt sein neues Werk, das er zur Musik von Mozarts Haffner-Sinfonie kreierte. Es begann mit einer tollen Überraschung, bei der das ganze Publikum erstaunt auflachte, und die weiteren 20 Minuten vergingen wie im Flug. Neun talentierte Tänzer, vier kubische Elemente auf der Bühne – mehr braucht De Nigris nicht, um eine unterhaltsame Aura von Respekt gegenüber dem menschlichen Körper und dem Leben zu erschaffen.

Ein sehr gelungener Abend, den in dieser Spielzeit kein Ballettfan auslassen sollte. Das Augsburger Ensemble wirkt absolut stimmig und hat einige besondere Persönlichkeiten mit an Bord. Für mich die beste Tänzerin des Abends: Yvonne Compana Martos.

Weitere Termine: 23. und 26. März, 1., 7., 9., 17. und 29. April, 22. Mai sowie 3. Juni

www.theater-augsburg.de

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