Weltkulturerbe Wasser

3. Juli 2014 - 6:00 | Jürgen Kannler

Augsburg hat beste Chancen, es mit dem Thema Wasser bis 2019 auf die UNESCO-Welterbeliste zu schaffen. Ab jetzt kann nur noch die Politik die Sache vermasseln. Es ist also Vorsicht geboten. Von Jürgen Kannler

Seit Kurzem gehört das Kloster Corvey im westfälischen Höxter zum exklusiven Club der 39 Orte in Deutschland, die sich mit dem von der UNESCO vergebenen Status Weltkulturerbe schmücken dürfen. Mit dieser Ernennung ist nicht nur Ruhm und Ehre verbunden. Für die meisten Kulturerbestätten ist der UNESCO-Titel auch ein sehr gutes Geschäft. Jeder dritte Europareisende erstellt seine Route aufgrund dieser Liste. Wenn alles nach Plan läuft, wird Augsburg in fünf Jahren in diese stolze Riege aufgenommen. Die in den letzten Monaten von einem Team um Götz Beck von der Regio Augsburg Tourismus und Context-Verlag-Chef Martin Kluger erarbeitete Interessenbekundung wurde von der Kultusministerkonferenz (KMK) »sehr wohlwollend und mit großer Sympathie aufgenommen« und mit einer hervorragenden Platzierung auf die deutsche Vorschlagsliste gesetzt.

Vor wenigen Tagen erst wurde von der KMK die aktuellste Empfehlungsliste herausgegeben, auf der neun Orte verzeichnet sind, die nach Ansicht des Gremiums den Sprung auf die UNESCO-Welterbeliste schaffen sollten. Schon auf Platz drei der Liste finden wir als erste bayerische Notierung die Stadt Augsburg, die mit dem Themenkomplex Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst bei den Fachleuten einen extrem guten Eindruck hinterließ. In Augsburg sei im Interessenbekundungsprozess alles optimal gelaufen, ist aus dem bayerischen Kultusministerium zu hören.

Die hervorragende Platzierung hinter dem 1661 gegründeten jüdischen Friedhof in Hamburg-Altona mit seinen rund 8.000 Grabstätten und den Eiszeithöhlen auf der Schwäbischen Alb samt der dort gefundenen 40.000 Jahre alten Venus vom Hohlefels könnte zur Folge haben, dass Augsburg und sein Wasser schon 2019 mit dem prestigeträchtigen Eintrag in die UNESCO-Liste geadelt werden. Auf den Plätzen vier bis neun finden sich neben einer Wiesen- und Moorlandschaft im Voralpenland vor allem historische Bauten: mit Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee die Schlösser des bayerischen »Märchenkönigs« Ludwig II., außerdem das Residenzensemble Schwerin, die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt sowie Speyer, Worms und Mainz mit ihrer jüdischen Geschichte und Erfurt mit seiner Alten Synagoge und dem jüdischem Bad. Da hebt sich ein so belebtes Thema wie Wasser gut ab.

Gestartet wurde das Wasserprojekt vor rund drei Jahren im Kulturausschuss. Dort stellten Götz Beck und Martin Kluger ihr erstes Konzept vor. Sie referierten über die Flüsse Lech und Wertach, berichteten von weit mehr als hundert Kanalkilometern im Stadtgebiet und die bereits vor Jahrhunderten in vorbildlicher Weise praktizierte Unterteilung in Trink- und Brauchwasser. Von dort schlugen sie Brücken zu den Prachtbrunnen in der Maximilianstraße, zum historischen Wasserwerk am Roten Tor und zu den industriekulturellen Wasserschlössern am Hochablass und in der Wolfzahnau. Der Ausschuss nahm das Thema auf und insbesondere der damalige Referatsleiter Peter Grab unterstützte die weiteren Schritte mit Nachdruck.

Seitdem arbeitete das Team am Konzept und an den damit verbundenen Studien und Publikationen. Das sachlich fundierte und optisch sehr ansprechende Ergebnis begeisterte schließlich auch die Vertreter der KMK. Martin Kluger betont, wie wichtig die von verschiedenen Wissenschaftlern über die Jahre unabhängig voneinander vorangetriebenen Forschungsarbeiten für den Erfolg dieser Aufarbeitung gewesen seien. In diesem Zusammenhang hebt der Mitherausgeber der Publikationen besonders die Arbeiten von Karl Ganser, Rolf Kießling und Wilhelm Ruckdeschel hervor und unterstreicht die »gute Zusammenarbeit mit Sponsoren wie den Stadtwerken, ohne deren Engagement der jetzigen Erfolg nicht denkbar wäre«.

Handlungsbedarf erkennt Kluger nun vor allem darin, das Thema breiter in die Bevölkerung zu tragen. Hier schließt sich Götz Beck an: »In den vergangenen Monaten konnten wir in zahlreichen Veranstaltungen vor allem fachlich Interessierte und die Entscheider der Region für das UNESCO-Projekt gewinnen. Nun stehen wir mit einer hervorragenden Position auf der deutschen Vorschlagsliste und wollen mit diesem Erfolg im Rücken das Thema auf breiter Basis in die Bevölkerung tragen.« Dass er hierbei auf großes Interesse stoßen wird, steht für Beck außer Frage und er verweist in diesem Zusammenhang auf die »großartige Akzeptanz der Wassertage«.

Der momentane Zeitplan sieht vor, die Nominierungen an die UNESCO 2016 zu starten. Entsprechend der jetzigen Reihenfolge würde Augsburg wohl Anfang 2018 nominiert und könnte daraufhin den Bewerbungsantrag bis Mitte 2017 fertigstellen und danach der endgültigen Prüfung entgegensehen. Die Einreichung der Bewerbung bei der UNESCO würde anschließend wiederum durch die KMK erfolgen. Mit der Entscheidung wäre dann 2019 zu rechnen.

Von den Verantwortlichen der Stadt ist nun zu erwarten, dass sie die weitere Arbeit der Projektgruppe schnell, unbürokratisch und ohne politische Einflussnahme unterstützen. Denn eine solche wäre, auch das ist aus dem Ministerium zu hören, ein guter Grund, auf der Liste nach hinten durchgereicht zu werden.

www.augsburg-tourismus.de/welterbe.html

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