Wenn die Fantasie über Wolken galoppieren darf

12. November 2018 - 13:30 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere des Familienstücks »Mio, mein Mio« im martini-Park

Märchengewebe und Traumstoff… Wer davon umhüllt ist, der kann wie der neunjährige Stockholmer Waisenjunge Bo Vilhelm Olsson der lieblosen Realität entfliehen ins Land der Ferne, wo der schmerzlich vermisste Vater als einfühlsamer König lebt. Ermutigt von Liebe und Vertrauen, die ihm dort von ihm und seinen neuen Freunden wie JumJum (Daniel Schmidt) geschenkt werden, gestärkt von der eigenen Fantasie und getragen von seinem weißen Pferd Miramis wird Mio zum tapferen Helden. Vorausbestimmt seit »tausenden und abertausenden Jahren« fällt ihm die Aufgabe zu, die böse »Ritter Kato«-Macht und dessen Herz aus Stein zu zerstören und damit die finstere Welt des toten Waldes zu heilen und die in Vögel verwandelten Kinder zu erlösen.

Davon erzählt Astrid Lindgren in ihrem Anfang der 1950er-Jahre veröffentlichten Kinderbuch »Mio, mein Mio«, das nicht von ungefähr als literarisches Kunstwerk gefeiert wurde. Und auch die Bühnenfassung, die jetzt vom Staatstheater Augsburg als weihnachtliches Familienstück im martini-Park Premiere hatte, setzte mit dem Produktionsteam um den Regisseur Joachim von Burchard auf die alles erlösende Macht der kindlichen Fantasie. Wie schön, dass die intensive Inszenierung sich bewusst auf die Tugenden und die Magie eines Theaters jenseits schriller und lauter Video-Effekte besinnt und sich besonders im ersten Teil viel Zeit nimmt für die Dialoge und die instabile Gefühlswelt des Jungen, dessen Unsicherheit und allmählich wachsendes Selbstvertrauen von Marlene Hoffmann (Bosse/Mio) überzeugend dargestellt werden.

Natürlich bleibt genügend Raum für spannende Abenteuer und die skurrilen Bewohner im düsteren »Land Außerhalb«, in das Mio und JumJum auf dem starken Rücken von Federpferd Miramis eindringen, geschwinde und im Gleichtakt über Wolken galoppieren und über Steine springen. Die kleinen und die vielen großen Zuschauer genossen diese Premiere in vollen Zügen und bedankten sich mit Riesenapplaus bei dem wandlungsfähigen Darstellerensemble!

Weitere Termine: www.staatstheater-augsburg.de

Foto: Jan-Pieter Fuhr

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