Wenn Wünsche in Erfüllung gehen

26. November 2019 - 9:18 | Sarvara Urunova

Mit der konzertanten Aufführung von Beethovens Oper »Fidelio« ließ Maestro Wilhelm F. Walz im Rahmen der Benefiz-Gala im Kongress am Park allerlei Wünsche in Erfüllung gehen.

Mit einer Mission stand der künstlerische Leiter der Konzerte im Fronhof Wilhelm F. Walz (Foto: © Herbert Gairhos) am vergangenen Sonntagabend am Dirigentenpult mit dem Prager SUK-Symphony Orchester auf der Bühne. Denn diese Benefizveranstaltung sollte dem Staatstheater Augsburg einen neuen Flügel nach dem Abschluss der Sanierung ermöglichen. Alle beteiligten Künstler verzichteten hierfür auf ihre Gagen.

Um diesen Wunsch zu erfüllen, wurde die Oper »Fidelio« von Ludwig van Beethoven ausgewählt, die die Idee der Wunscherfüllung in sich trägt. Die einzige Oper des Komponisten, der als Freiheitsdenker und als ein nie müde werdender Idealist Musikgeschichte schrieb, wurde im Zuge der Ideale der Französischen Revolution geschaffen. Ein Werk, das nicht nur unerschütterliche Treue aus Liebe besingt, sondern auch Themen wie Befreiung und Brüderlichkeit pathetisch rühmt. Ein Werk, das Beethoven viel Kummer bereitete, ihm viel Kraft und Nerven kostete, jedoch zum Triumph wurde.

So großzügig ging es an diesem Abend im Kongress am Park zu, als die Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne ein Feuerwerk an Gefühlen präsentierten. Die warme Stimme der tschechischen Sopranistin Katerina Hebelková, die die Partie von Leonore sang, führte durch die Tiefen und Höhen der Handlung. Marie Heeschen beeindruckte mit kristallklarer Stimme als Marzelline. Der in Augsburg bekannte Bass-Bariton Young Kwon (Don Pizzaro) verzichtete auch während dieser konzertanten Aufführung nicht auf die lebendige Theatralik, die ihn auch in seinen Rollen in den Augsburger Inszenierungen der Opern von Donizetti und Schostakowitsch eindrucksvoll auszeichnete. Die Partie des gefangenen Gemahlen Florestan übernahm mit betonter Tragik der Tenor Gerhard Siegel. Traditionell tiefstrukturiert und berauschend begleitete der Chor der Augsburger Domsingknaben unter der Leitung von Reinhard Kammler die Solisten auf der Bühne. Die delikate und moderate Führung des Orchesters durch Wilhelm F. Walz erweckte den Wunsch, unaufhörlich der Geschmeidigkeit des perfekt gesetzten Taktes zu lauschen. Eine besonders schöne Note brachten die Rezitationen von Jacques Malan, die die Handlung präzise und ausführlich beschrieben.

Das Publikum verabschiedete die Künstler mit Standing Ovations und sicherlich mit dem Wunsch, diese bemerkenswerte Aufführung nochmals in Augsburg hören zu können.

www.staatstheater-augsburg.de
www.konzerte-im-fronhof.de

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