Auf Wiedersehen und Willkommen

15. Dezember 2014 - 13:55 | Iacov Grinberg

Der Volksmund beteuert: Wenn der liebe G-tt für dich eine Tür schließt, öffnet er gleichzeitig für dich eine andere. In Augsburg endet ein Ausstellungsraum seine Existenz, ein anderer öffnet seine Pforte.

Der Volksmund beteuert: Wenn der liebe G-tt für dich eine Tür schließt, öffnet er gleichzeitig für dich eine andere. In Augsburg endet ein Ausstellungsraum seine Existenz, ein anderer öffnet seine Pforte.

Endet ihre Existenz die Galerie „Zwei Fenster“ (Kirchgasse 20). Ab 5. Dezember läuft dort die Abschiedsausstellung „NICE“, die die Arbeiten von Kersten Thieler-Küchle, Gernot Thamm, Ulli Sobeck. Catalina Mayer, Herbert Kretschmer und Birgit Fuchs bis 21. Dezember zeigt. Diese Galerie wurde noch 1998 geöffnet, zeigte bis zu 10 Ausstellungen pro Jahr, im 2003 haben 8 Künstler die Galeriegemeinschaft „Zwei Fenster“ gegründet. Jetzt aber bedarf das Gebäude eine gründliche Sanierung und wird mit großer Wahrscheinlichkeit umgebaut.

Ein Abschied muss nicht unbedingt traurig sein: Eine Abschiedsausstellung kann auch eine Gruppe der Absolventen einer Uni gestalten, ein Zeichen, dass für sie weiter neue Möglichkeiten eröffnet sind. Wenn eine Raupe sich in eine Puppe umwandelt, ist das auch ein Abschied von der Raupe, der aber ein Prolog zu einem wunderschönen Schmetterling bedeuten kann. Da die Künstlergruppe bleibt und neue Räume sucht, können wir in diesem Fall hoffen, dass sie wie eine Schlange aus ihrer alten Haut herauskommt, um sich weiter zu entwickeln.

Öffnet ihre Pforte als Ausstellungsraum das Atelier Julien Kneuse le Ray an Wertachstraße 29a. Der Künstler bastelte 1,5 Jahre und verwandelte den alten Autowaschraum, wo früher man die Oberflächen von Autos noch ein Mal sauber machte, in ein Atelier, wo man jetzt auf saubere Oberfläche von Papier Farben auftragt. Jetzt hat er sein Atelier auch für andere Künstler zur Verfügung gestellt und die erste Ausstellung zeigt die Arbeiten von zwei ehemaligen Studenten der Augsburger Fachhochschule: „Das Bärenbuch“ von Markus Wülbärn und Zeichnungen und Malerei von Florian Wyrtki.

Markus Wülbärn bespielt das Wort „Bär“ mit Wort und Bild, die einander unterstützen. Das erlaubt ihm, in verschieden aktuellen Aspekten unseres Lebens viel Wichtiges auszusprechen. Wie zum Beispiel auf der Zeichnung von Kreuzbär, eine Anspielung an die Situation im Berliner Viertel Kreuzberg. Die von Florian Wyrtki gemalten oder gezeichneten Gesichter versuchen, wie es einem Portrait gebührt, das Innere der Person zu zeigen, das diese Person manchmal verbergen möchte. Für mich waren seine Zeichnungen, die Spuren von Surrealismus in sich tragen, am aussagekräftigsten.

Dort sind auch einige andere Künstler, jeder mit einem eigenen Bild vertreten. Zwischen diesen freute mich am meisten ein Akt von Reinhard Gammel. Das Gesicht und der etwas rundliche Bauch harmonieren wunderschön miteinander.

Diese Ausstellung kann man bis 20. Dezember täglich von 12:00 bis 20:00 anschauen. Der Künstler ist unter 0179 509 18 01 erreichbar.

Julien Kneuse le Ray verspricht ein buntes Programm für sein Atelier: Wechselnde Ausstellungen, Workshops, Spielabende für Erwachsene und Kinder. Das Programm und eine weitere Ausstellung sollen Anfang Januar erscheinen. Hoffentlich wird das Gewünschte und Versprochene Realität. Wir drücken die Daumen.
(Iacov Grinberg)

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