»Wir brauchen Perspektivwechsel«

14. August 2019 - 9:08 | Patrick Bellgardt

Am 24. August gastiert Purple Schulz im Wittelsbacher Schloss in Friedberg. Die 80er-Jahre-Ikone präsentiert ihr neues Album »Nach wie vor« open air im Innenhof. Ein Interview

Zwischen Auftritten bei Markus Lanz, der BR-Abendschau und dem Sat.1-Frühstücksfernsehen nahm sich Purple Schulz Mitte Juni Zeit für einen Besuch im Wittelsbacher Schloss in Friedberg. a3kultur nutzte die Gelegenheit und sprach mit dem gut gelaunten Kölner Sänger.

a3kultur: Herr Schulz, welche Eindrücke konnten Sie vom Wittelsbacher Schloss sammeln?

Purple Schulz: Es ist wirklich traumhaft. Vor allem dieser wunderschöne Innenhof hat es mir angetan. Er hat genau die richtige Größe, die mein Programm benötigt. Ich nehme mein Publikum mit auf eine Reise durch das Leben, wie es wirklich ist. Und dazu brauche ich eine gewisse Intimität, die mir dieser Hof bietet. Ich suche mir die Locations immer sehr genau aus. Ich spiele, weil ich will – und das am liebsten an ungewöhnlichen Spielstätten.

Ihr neues Album »Nach wie vor« präsentiert vor allem Neuarrangements älterer Songs – darunter Ihr vor genau 35 Jahren erschienener Hit »Sehnsucht«. Was dürfen die Fans bei der Tour zur Platte erwarten?

Ich habe das Album aufgenommen, als hätte ich die Songs gerade erst in der letzten Woche geschrieben. Und tatsächlich sind sie heute noch so aktuell wie damals in den 80er-Jahren. Aber natürlich befinden sich auch zwei neue Songs auf dem Album und – das ist wirklich neu – eine Coverversion eines Udo-Jürgens-Songs, den ich einfach großartig finde. Für mein Konzert ändere ich dann wieder die Arrangements, weil ich schon seit einigen Jahren nur mit meinem Gitarristen Markus Wienstroer unterwegs bin, der zudem Violine und Banjo spielt. Auf der Bühne kommen die Geschichten in der Duo-Besetzung noch mehr zur Geltung. Im Wittelsbacher Schloss wird es  neben einigen neuen Songs auch jede Menge Hits geben.

Sie sind ein durchaus kritischer Geist, der Kontroversen nicht scheut. Sie engagieren sich für karitative Projekte, seit einigen Jahren insbesondere in den Bereichen Pflege und Demenz. Was treibt Sie an?

Ich weiß, dass man mit Musik vielleicht nicht die Welt verändern, aber doch Dinge in Gang bringen kann. Als ich den Song »Fragezeichen« schrieb, waren Alzheimer und Demenz noch kein großes Thema in der Öffentlichkeit. Aber mit unserem Video zu diesem Song, das heute zum Einstieg bei Kongressen und in Schulungskursen für Pflegekräfte läuft, kam Bewegung in die Debatte. Diese tolle Möglichkeit, den Blick auch auf die unangenehmen Dinge des Lebens zu richten, möchte ich nutzen. Denn wir brauchen Perspektivwechsel und müssen davon wegkommen, immer das Gleiche zu machen in der Hoffnung, wir kämen damit zu anderen Ergebnissen. Das funktioniert nämlich nicht.

Gibt es in der heutigen deutschsprachigen Popwelt zu wenige Musikerinnen und Musiker, die wirklich etwas zu sagen haben?

Es gibt sogar sehr viele Songschreiberinnen und -schreiber, die tolle Geschichten zu erzählen haben. Das Problem ist, dass sie nicht in den Medien stattfinden. Ich stelle jeden Monat eine Sendung für den WDR zusammen, in der ich genau solche Künstler präsentiere. Manchmal komme ich mir dabei vor wie ein Trüffelschwein, denn ich muss sie tatsächlich suchen. Aber es sind mehr, als man glauben mag.

»Sehnsucht bleibt« heißt Ihre 2015 erschienene Autobiografie. Was wünschen Sie sich für die Zukunft und welche Sehnsüchte haben Sie heute mit 62 Jahren?

Als ich vor 35 Jahren »Sehnsucht« schrieb und »Ich will raus!« gebrüllt habe, hatte ich eine Sehnsucht nach Familie und Geborgenheit. Mittlerweile habe ich drei erwachsene Kinder, vier Enkel und eine großartige Frau, mit der ich die beiden letzten Alben zusammen geschrieben habe. Was geblieben ist, ist eine große Sehnsucht nach Wahrheit. Es gibt viele Wahrheiten. Aber es gibt heutzutage noch mehr Lügen, und zwischen beiden zu unterscheiden ist – trotz Informationsflut – nicht einfacher geworden. Für die Zukunft wünsche ich mir vor allem, gesund zu bleiben, denn ich liebe meinen Beruf und möchte noch so lange wie möglich auf der Bühne stehen. Ich habe mal ein fantastisches Konzert mit Leonard Cohen gesehen, da war er schon 76. Das war wahrscheinlich das wichtigste Konzert meines Lebens. Es gibt kein Ablaufdatum für einen Künstler, solange er das, was er macht, mit dem Herzen macht.

www.purpleschulz.de
www.wittelsbacher-schloss-friedberg.de

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