»Wir eröffnen, wenn das Museum bereit ist«

12. November 2019 - 11:12 | Renate Baumiller-Guggenberger

Festjahr zu Leopold Mozart: Was bleibt vom Leo300-Jubel? Ein Kommentar

Der Redaktionsschluss fordert eine Bilanz des opulent und in allerlei Formaten bespielten Leo-Jubeljahres noch vor dem »Grande Finale«. Dies lockt nämlich am Geburtstag des Jubilars, dem 14. November, mit einem verheißungsvollen sinfonischen Festkonzert mit Violin-Weltstar Christian Tetzlaff sowie der Uraufführung der »Silly Symphony« des erfolgreichen Moritz Eggert in den Kongress am Park. Zum Jahresende ertönt am 14. Dezember das vielstimmige und vorweihnachtliche »Hallelujah!« mit der Audi-Jugendchorakademie und der Akademie für Alte Musik Berlin in Ev. St. Ulrich.

Noch lange freuen dürfen wir uns über die Ende September im tim vorgestellte Leopold-Mozartbiografie, die uns auf überaus lebendige Weise den Mittler zwischen gegensätzlichen Welten vorstellt – Jesuitenschüler, der mit Protestanten Freundschaft schloss, Bürgersohn, der mit dem Adel verkehrte, Geiger, der als Schriftsteller zu reüssieren hoffte. Er reiste mit offenen Augen durch die Welt, voller Neugier vor allem auf die Menschen. Seine Briefe sind eine Fundgrube zur Lebenswelt und Alltagsgeschichte seiner Zeit. Ein veritables Standardwerk, das die faszinierende Persönlichkeit sowie die Verdienste und Verflechtungen in Zeit- und Musikgeschichte wissenschaftlich fundiert und leicht lesbar zugänglich macht. Ein echter Volltreffer also, dass man hierfür die emeritierte Heidelberger Musikwissenschaftlerin und Mozartexpertin Silke Leopold gewinnen konnte!

Bis mindestens Ende Januar 2020 müssen wir auf die ursprünglich für rund um den Geburtstag Mitte November geplante Wiedereröffnung des Mozarthauses warten, dessen Schließung vermutlich nicht allzu vielen groß aufgefallen ist. Wie oft bei der Renovierung alter Gemäuer »bröckelte« es, sodass unliebsame Entdeckungen in den Deckenbalken den konkreten Wunschtermin vereitelten. Letzteres dürfte keinen allzu großen Schaden anrichten, denn ein frisches, bewusst auf Sinnlichkeitsaspekte setzendes neues Ausstellungskonzept, das dem Mozarthaus im Domviertel trotz der extrem beengten Räumlichkeiten neues Leben einhauchen wird, wurde wie die Leopold-Biografie von Anfang an als nachhaltiges Projekt betrachtet. So zeigt sich das Mozartbüro bei dieser Thematik entspannt und argumentiert konsequent: »Wir eröffnen, wenn das Museum bereit ist, wenn die verantwortlichen Ämter uns grünes Licht geben. Nichts wäre weniger klug, als dem Publikum ein halb fertiges Museum im Baustellenambiente zu präsentieren.« So taugt das Museumsprojekt als tragfähige Brücke in die Zukunft einer mit frischem Wind erfüllten Leopold-Mozart-Rezeption in und außerhalb der Stadt.

Ist die Leopold-Mission also erfüllt? Definitiv! Aus der Sicht von Simon Pickel, der mit seinem Team viel Energie und nicht weniger Budget investiert hat, war dieses Jubiläum »ein angemessenes«, was das musikalische Vermögen und das Potenzial des darüber hinausgehenden Vermächtnisses von Leopold Mozart betrifft. Zudem hat das Jahresprogramm die Trag- und Begeisterungsfähigkeit sowie das erstaunliche Funktionieren des lokalen und regionalen musikalischen Netzwerks bewiesen. Ob die vielen Akteure des LMZ um Johannes Hoyer, ob Bayerische Kammerphilharmonie, ob Bluespots Productions oder »Choreoloop«, ob tim und die Modewelten samt Kinder- und Rahmenprogramm: Leopold inspirierte unzählige Kooperationspartner zu künstlerischen Auseinandersetzungen, die ihn ins Heute transportierten.

Kein künstlich generierter Hype also, sondern nicht allein gemessen an der Vielzahl und dem ehrlichen Feedback der Zuschauer gab es einen ganz wesentlichen Effekt: Mit dem Leo300-Jahr wurde dem leidigen »Fremdschämen«, wenn es um den Vornamen Leopold ging, der Garaus gemacht. Wir waren und sind die Vaterstadt, und genau diesen Trumpf sollten wir zukünftig mit Stolz und Identifikationswillen aus- bzw. bespielen, anstelle mit Salzburg oder anderen Städten unnötig in Konkurrenz als Mozartstadt zu treten. Großartige Virtuosen und hochkarätige Konzerte mit internationalen Ensembles im Kontext Deutsches Mozartfest werden uns natürlich bleiben, dass garantiert ein findiges Mozartbüro-Team, das für 2020 ziemlich sicher die Bezüge zum immer schon umjubelten Klassiker Beethoven herstellt.

Foto: Fabian Schreyer

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