Festival

Wir müssen reden

Fabian Linder
4. August 2022

Beim Friedensfest*22 widmet sich eine Vielzahl an Veranstaltungen von Mitte Juli bis zum 8. August dem Thema #Zusammenhalt. a3kultur blickt auf das Programm aus Ausstellungen, Vorträgen und gemeinsamen Friedenstafeln.

In der Halle 1 im Glaspalast eröffnete am 24. Juli die Doppelausstellung zu den schrecklichen Folgen von Krieg. In »Hiroshima Black Rain Hibakusha« porträtiert der Fotograf Thomas Damm Überlebende der furchtbaren Atombombenabwürfe von 1945. Diese werden in Japan als Hibakusha bezeichnet. Eine Kontroverse in der Erinnerungskultur stellt bis heute der Ausschluss der Opfer des »schwarzen Regens« dar. Der radioaktive Niederschlag und der Kontakt Überlebender damit hatten für viele schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Erst im vergangenen Jahr gelang es einem Teil der Hibakusha gerichtlich eine Anerkennung zu erstreiten. Thomas Damm besuchte am Rande der Stadt Hiroshima überlebende Hibakusha, führte Gespräche und porträtierte die vergessenen Opfer, um ihnen ein Gesicht zu geben.

Der Fotograf und Filmemacher Manar Bilal fotografiert seit 2011 in Flüchtlingslagern im Nahen Osten und in Europa. Bilal, der selbst 2016 als politischer Flüchtling aus Syrien kam, begreift seine fotografische Arbeit in »Shelters« als psychologische und soziale Unterstützung für Geflüchtete und Kinder in den Lagern. Darüber hinaus ist ein Workshop mit Geflüchteten geplant, die über mitgebrachte Gegenstände aus ihrer Heimat Geschichten erzählen und fotografisch dokumentiert werden. Die Doppelausstellung läuft bis 21. August.

Vom 30. Juli bis zum 8. August findet im Rahmen des Friedensfestes auch der Taubenschlag statt, diesmal wieder auf dem Willy-Brandt-Platz vor der City Galerie. Thematisch stellt sich der Taubenschlag unter anderem den Fragen von Kultur im öffentlichen Raum, wem dieser gehört, was Partizipation bedeutet. Dies wird unter anderem auf drei Diskussionsveranstaltungen »Wir müssen reden!« thematisiert, um möglichst vielen Menschen eine Beteiligung zu ermöglichen. Ebenfalls im Vordergrund steht eine »Bildung für Alle«. Der Anspruch, mehr Bildungsgerechtigkeit zu schaffen, ist Teil des Taubenschlags und seiner vielfältigen Veranstaltungen. Dazu zählt auch ein reichhaltiges Kinderprogramm, um auch diesen genügend Raum zu geben. Eine Podiumsdiskussion geht in dem Zusammenhang auf den Fachkräftemangel im Erzieher*innenberuf ein. Den Abschluss am 8. August bildet »Taubenschlag meets Green Belt«, das Kulturpicknick im Grünen mit Musik verschiedener DJs.
Bis zum 8. August, also dem bundesweit einmaligen Feiertag Augsburgs zum Friedensfest, findet darüber hinaus eine Vielzahl an Veranstaltungen statt. Die Erinnerungswerkstatt organisiert am 1. August um 19 Uhr im Kleinen Moritzsaal mit »Trotz allem Unrecht – Wir gehören immer noch zusammen« ein Gespräch mit Nachfahren jüdischer Naziopfer, die sich in Augsburg immer noch und wieder daheim fühlen. Tags darauf, am 2. August um 17 Uhr, findet am Nordfriedhof die offizielle Gedenkveranstaltung an den Porajmos, den Genozid an den Sinti und Roma, statt.

Ein Veranstaltungskonzept, das in den beiden vorigen Pandemiejahren sehr starken Anklang fand, sind Stadtspaziergänge. Einer davon zu den Augsburger Wegen der Erinnerung findet am 6. August um 11 Uhr in der Altstadt und im Domviertel statt und führt an Erinnerungsbändern und Stolpersteinen entlang. Zusammenhalt ist es schließlich, den eine lebendige Erinnerungskultur braucht. Ein musikalischer Spaziergang zeigt um 18 Uhr: »Zusammenhalt braucht eine Stimme«. Diese geben die Musikerinnen des Mystic Choir Kollektiv.

Zwischen dem 26. Juli und dem 8. August entsteht mit »Acrobats« am Hauptbahnhof auch ein weiteres Mural, eine haushohe Fassadenmalerei. »Acrobats« zeigt verschiedene Menschen, die eine gemeinsame Struktur bilden. Nur wenn alle zusammenhalten, ist die gemeinsame Existenz möglich.

Höhepunkt des Augsburger Hohen Friedensfestes bildet der Feiertag am 8. August. Ein ökumenischer Festgottesdienst in der Basilika St. Ulrich und Afra, die große Augsburger Friedenstafel am Rathausplatz um 11 Uhr sowie ein Stadtspaziergang um 13 Uhr (Treffpunkt: Annahof) unter dem Motto »Vom evangelischen zum multireligiösen Feiertag« sind Teil der Feierlichkeiten. Bereits in den Tagen zuvor gibt es in den Stadtteilen gemeinsame Friedenstafeln. Den Abschluss bildet ein Festkonzert in St. Anna um 20 Uhr.

Alle Veranstaltungen und Veranstaltungsorte finden sich im Programmheft zum Friedensfest sowie unter: www.friedensstadt-augsburg.de

Bildunterschrift: Zusammenhalt trotz unmenschlicher Bedingungen. Fotograf Manar Bilal verdeutlicht in der Ausstellung »Shelters« das Leben in Flüchtlingslagern im Nahen Osten und Europa.

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