Wir sind doch alle nur Menschen

14. Januar 2013 - 0:00 | Gast

Premiere von »Annabelle« und »Verdammte Angst« im Sensemble Theater

Premiere von »Annabelle« und »Verdammte Angst« im Sensemble Theater

Mit zwei Stücken von Christian Krug und Sebastian Seidel feierte das Sensemble Theater am Wochenende Premiere. Unter der Regie von Gianna Formicone und Christian Krug mimten Claudia Schmidt und Florian Fisch in »Annabelle« und »Verdammte Angst« mal Lehrer/in mal Elternteil, das mit einer interkulturellen Schulrealität konfrontiert wird. Los ging es mit dem in viel Ironie gepackten Stück Annabelle, in der eine besorgte Mutter in der neuen Schule der Tochter auf den Putz haut. In der Klasse sitzen vor allem Schüler mit Migrationshintergrund, was der Mutter, bezeichnenderweise Frau Scherkampf, ziemlich gegen den Strich geht und ihr Anlass gibt, während einer Unterrichtsstunde all ihren Vorurteilen gegenüber Ausländern freien Lauf zu lassen. Sowohl Lehrer als auch Mutter funktionieren dabei als Repräsentanten bestimmter gesellschaftlicher Ansichten mit Toleranz auf der einen, und Engstirnigkeit auf der anderen Seite. Jedes Klischee wird dabei auf amüsante Art und Weise ausgereizt, von Schülernamen wie Kevin und Sergej über die erzkatholische, alleinerziehende Karrieremutter zum atheistischen Musterlehrer mit Strickweste und Birkenstock. Statt einer Lehrstunde zum Thema Eiche erlebt die Klasse/das Publikum Erziehung in Sachen Religion, Toleranz und Respekt.

Gerade noch die wütende deutsche Mutter und der atheistische Lehrer, wechseln die Schauspieler im zweiten Stück die Rollen und überzeugen als überforderte russische Lehrerin und ebenso mit der Erziehung des Sohnes überforderter Vater. Der Vater weiß so gar nicht mehr, was im Leben seines Sohnes Christian vorgeht, von der türkischen Freundin und den verschärften Verweisen erfährt er beim Lehrergespräch zum ersten Mal. Als dann plötzlich das Leben der Kinder auf dem Spiel steht, läuft alles aus dem Ruder. Fassungslosigkeit und Angst lassen auch den Vater erkennen, dass es nicht darauf ankommt, wo jemand herkommt. In dem mitreißenden Stück wird das Publikum emotional gefordert und hat doch immer die Hoffnung, dass sich doch noch alles zum Guten wendet. Denn am Ende sind wir doch alle nur Menschen. (ran)

Die Stücke sind noch am 18., 19. und 25. Januar zu sehen, sowie am 1., 2., 7., 8., 13. und 20. Februar.

www.sensemble.de

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