Wir sitzen alle in einem Topf!

Foto: Frauke Wichmann
22. Januar 2016 - 10:48 | Susanne Thoma

In dem Bühnenstück »HeimatSharing« zeigt Susanne Reng, künstlerische Leiterin und Regisseurin am Jungen Theater erneut, wie sich Theaterkunst gekonnt mit den sozialen Fragen der Integration verbinden lässt.

Sehr anschaulich, tiefgründig und dennoch heiter bringen uns die Künstlerinnen und Künstler nahe, wie wir in Zeiten der zunehmenden Verunsicherung mit Ankommenden und den damit verbundenen neuen Herausforderungen umgehen können. Wir bekommen Ideen an die Hand, was es heißt, Heimat zu teilen.

Zwölf Laiendarstellerinnen und -darsteller, Reng nennt sie »Expert*innen des Alltags«, erzählen ihre Geschichten. Wie sie nach Augsburg kamen, aus Russland, Rumänien, aus der Türkei, der Mongolei, dem Senegal oder dem Badischen nach Lechhausen, Hochzoll, Oberhausen oder Pfersee. Sie waren zeitweise wieder weg oder sind immer geblieben. Sie schildern ihre ersten Erlebnisse in Augsburg. So hat sich die junge Türkin gewundert, dass der Bus nicht hält, wenn sie dem Fahrer ihren Haltewunsch zuruft. In der Türkei ist das nämlich so. Eine andere Zugezogene fand es erstaunlich, dass die Leute an der roten Ampel stehen bleiben, obwohl gar kein Auto kommt. »Eine rote Ampel ist doch nur eine Option!«, meint sie. Wir erfahren weiter, was die Migrantinnen und Migranten gerne teilen: das Essen, den Arbeitsplatz, ihre Emotionen oder auch nicht so gerne: die Frau, die Zahnbürste, die eigenen Schuhe. Alle haben Gemüse aus ihrem Heimatland mitgebracht. Die Russin eine Zwiebel, der Senegalese einen Weißkohl, die Türkin eine Paprika, die Badenserin eine Kartoffel. Die Zutaten werden während des Abends zu einem Eintopf verarbeitet. »Wir sitzen alle in einem Topf!«, stellen sie fest.

Die Inszenierung ist interessant und fesselnd. Das Publikum wird im Laufe des Abends an vier Spielorte durch die Gänge des Abraxas geführt und dabei in das Geschehen einbezogen. Überall finden Festvorbereitungen als roter Faden für die Handlung statt. Es wird Gemüse geschnippelt, gekocht und dekoriert. Wie groß die Bürde der Migration sein kann, wird im Schlussakt nochmals thematisiert. Alle drücken dem Mitspieler aus Senegal ihre Stühle in die Hand und lassen ihn damit zurück.

Danach erfolgt die freundliche Einladung, die zubereitete Suppe bei der Aftershow-Party zu verspeisen. Das zahlreiche Publikum nahm die Einladung gerne an.

Zwei weitere Vorstellungen 22. und 23. Januar um 20 Uhr im Abraxas Theater.

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