Der Wolf und das Lamm

26. November 2018 - 20:59 | Iacov Grinberg

»tierisch« – Ausstellung von Ruth Strähhuber in der Galerie Süßkind

Bei dieser Ausstellung habe auch ich etwas Interessantes gefunden. Warum »auch ich«? Da viele der bei der Vernissage anwesenden Personen wussten, dass Ruth Strähhuber eine Tierhalterin ist, und einige der Tiere, die abgebildet waren, kannten. »Erkennen Sie es nicht – das ist der Lieblingshengst von Ruth!« Ich habe ihn, natürlich, nicht erkannt. Er war für mich, wie die neben ihm hängenden Bilder »Kuh – Fleckvieh«, »Kuh – Holsteiner« und »Kuh – Pinzgauer« nur Vertreter einer Tierrasse, wie aus einem Lehrbuch oder Nachschlagewerk.

Aber auch für nicht Eingeweihte gab es viel Interessantes zu sehen. Zum einen das äußerst eindrucksvolle Bild »Wolf«, das im Hinterzimmer hängt. Dieser Wolf, eine Verkörperung des Bösen, dessen glühende Augen Sie in jeden Punkt des Zimmers verfolgen, könnte wunderbar für eine Predigt oder als Illustration für »Rotkäppchen« oder den Begriff »Gefahr« passen. Gegenüber hängt das Bild »Es kommt ganz unverhofft«, wo eine Frau ein gestorbenes Pferd beweint. Weiter hängt in diesem Zimmer »Ein Leben auf dem Müll« mit einem depressiv wirkendem Esel, wie eine Metapher über einen alt gewordenen Arbeiter, der sein ganzes Leben malocht hat und jetzt vor dem düsteren Ende seines Lebens steht.

Im Durchgang hängt das Foto eines Wolfes »Ich Steppenwolf trabe und trabe«, das gleich an den Steppenwolf von Hermann Hesse erinnert. In der Nähe befindet sich eine Fotoarbeit, wo im Hintergrund dieses Wolfes ein weißes Lämmchen in verschiedenen Positionen steht. Das Lämmchen sei selbst, so sagt man, in die Werkstatt der Malerin hineingeraten, das Ergebnis, wie bei vielen zufälligen Ereignissen, ist sehr schön.

Man sagt, dass eine Ausstellung dann gut ist, wenn zwei oder drei Bilder im Gedächtnis bleiben und nicht gleich nach dem Anschauen wieder verschwinden. Drei der genannten Bilder (aus insgesamt 31 ausgestellten Arbeiten) haften nun schon mehrere Tage in meinem Gedächtnis und das gibt mir das Recht, Ihnen, liebe Leser, einen Besuch dieser Ausstellung zu empfehlen. Das ist noch bis 23. Februar möglich.

http://galeriesuesskind.blogspot.com

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