Wolken, Wandern, Weihnachten

20. Dezember 2018 - 8:35 | Bettina Kohlen

Augsburg und Nürnberg bieten nicht nur volle Weihnachtsmärkte, sondern auch Orte der Kunst – an denen das Gedränge (leider) nicht so groß ist. Ein Rundgang von Bettina Kohlen

In der Augsburger Bergstraße liegt nicht nur der vor allem im Sommer stark frequentierte Berghof, hier haben sich auch zwei Galerien angesiedelt. In einem kleinen ovalen Pavillon neben dem Biergarten lädt Christof Rehm regelmäßig zum »Fotodiskurs« ein. Zuletzt zeigte die in London lebende Japanerin Sayako Sugawara ihre experimentellen Fotografie-basierten Papierarbeiten. Zum Ausstellungsende konnten die Besucher mit Sugawara über ihr Konzept diskutieren. Rehm legt gerade die Weihnachtspause ein, aber den »Fotodiskurs« sollte man auch im nächsten Jahr unbedingt auf dem Schirm haben, denn hier werden hochinteressante fotografische Positionen präsentiert.

Ein paar Meter die Straße runter hat Galeristin Claudia Weil in einem kleinen Laden mit großem Schaufenster eine Dependance eingerichtet. Weil, die in ihrem Hauptstützpunkt in Rinnenthal bei Friedberg herausragende konkrete Kunst zeigt und dort auch den Nachlass von Marie-Luise Heller betreut, setzt in der Galerie II auf Experimente. Kürzlich war dort die in Köln lebende New Yorker Künstlerin Heather Sheehan mit einer Performance zu Gast, die auf Erfahrungen beruht, die sie als Artist in Residence der »Ecke« mit und in dem Treppenhaus ihrer Unterkunft machte. Wichtiger Bestandteil ihrer irritierenden Performances sind die währenddessen geschossenen Selbstporträts, die die Künstlerin wiederum ausstellt. Sheehan war 2015 bereits in Augsburg im Kunstverein mit auf diese Weise entstandenen Fotografien präsent.

Gerade zeigt der Kunstverein im Holbeinhaus Arbeiten der Berliner Künstlerin Jenny Michel. »Imagine Clouds« werden wir aufgefordert, zum einen die am Himmel, aber auch die Clouds voller Daten und Wissen – genauso wenig fassbar wie Michels Arbeiten, die fragmentarisch und fraktal den Betrachter auffordern, zu verstehen. Da scheint Strandgut angeschwemmt worden zu sein, Elektroschrott ein Eigenleben zu entwickeln und utopische Träume zu zersplittern. Das Sezieren wird zur Grundlage der Konstruktion, vielleicht… Bemerkenswert: »Fallen Gardens«, viele meterlange montierte Textstreifen, von der Decke herabhängend, die Wissen aus dem Kontext lösen und neue Lesarten zulassen. Manchmal rätselhaft… sehenswert!

Im Dezember und Januar mutieren die Augsburger Galerien mit ihren traditionellen Überblicksschauen zu kleinen Kunstkaufparadiesen für jeden Geschmack und Geldbeutel. Die Ecke Galerie hat das »kleine format«, die Galerie Noah wartet an der »Endstation Sehnsucht« und die Maxgalerie bietet »Petit Fours« mit »kleinen Besonderheiten« der Bildenden Kunst und Künstlerschmuck. Die Gelegenheit, eigene Wünsche und die seiner Lieben zu erfüllen…

Ob man Weihnachten feiert oder nicht: So ein paar Kinderträume sind doch ganz schön, oder? Besonders hübsch lässt sich das im Maximilianmuseum erleben, das wie in jedem Jahr »Kleine Welten« öffnet – diesmal mit allem, was früher so zu einem gehobenen Puppenhaushalt gehörte.

Nürnberg ist ja bekanntlich eine Spielzeugstadt und hat natürlich auch ein passendes Museum. Es ist Teil des Germanischen Nationalmuseums, das seinen etwas martialischen Namen den Nationalbestrebungen der Mitte des 19. Jahrhunderts verdankt. Diese Wundertüte voller Kunststücke ist aber (mindestens) einen Besuch wert. Neben der ständigen Sammlung, die großartig ist, deren Präsentation jedoch unbedingt einer Runderneuerung bedarf, bietet das GNM spannende (und gut gestaltete) Sonderausstellungen. Aktuell gibt es eine große, unterhaltsame und abwechslungsreiche Schau, die das »Wanderland« Deutschland unter die Lupe nimmt. Wichtige oder skurrile Objekte (wie Kohls Wanderschuhe) machen ein Bild der hierzulande beliebten Freizeitbeschäftigung auf. Gleich neben dem »Wanderland« hat sich der »Luxus in Seide« ausgebreitet. Diese kleine, aber höchst feine Schau kreist um ein bezauberndes blau-seidenes Kleid aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, das direkt aus Familienbesitz in die Sammlung des GNM gelangte. Ergänzend demonstriert das komplette Drumherum, was Frau im Rokoko über, unter und zum Kleid trug. Ein Muss für alle Textilafficionados!

www.fotodiskurs.info

www.galerie-claudiaweil.de | Heather Sheehan: I shot myself in Augsburg, bis 13. Januar

www.kunstverein-augsburg.de | Jenny Michel: Imagine Clouds, bis 9. Februar

www.eckegalerie.de | Das kleine Format, bis 29. Dezember

www.galerienoah.com | Endstation Sehnsucht. Die neue deutsche Romantik, bis 27. Januar

www.maxgalerie.de | Petits Fours, bis 6. Januar

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de | Kleine Welten, bis 3. Februar

www.gnm.de | Luxus in Seide, bis 6. Januar // Wanderland, bis 28. April

Abbildung: Jenny Michel. Trashed Utopias – Garden Cities, 2013 (Ausschnitt), Ausstellung »Imagine Clouds«, Kunstverein Augsburg

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