World of music

3. September 2016 - 8:35 | Jürgen Kannler

Daniel Hope gehört zu den besten Geigern seiner Generation. Im September ist er mit zwei Programmpunkten beim mozart@augsburg-Festival zu Gast. Ein Porträt

Daniel Hope gehört zu den Künstlern, die das hiesige Klassikpublikum in besonders intensiver Weise durch das Festival mozart@augsburg kennenlernen durfte. Gemeinsam mit dem Festivalleiter und Pianisten Sebastian Knauer, mit dem er gut befreundet ist, spielte der Violinist am 1. September 2012 das erste Konzert  der nunmehr schon fünfjährigen Festivalreihe. Auf dem breit gefächerten Programm standen an diesem Abend in Evangelisch St. Ulrich Werke von Beethoven, Brahms, Grieg, Clara Schumann und Joseph Joachim sowie natürlich von Wolfgang Amadeus Mozart.

Diese Vielfalt kann man bezeichnend für diesen Künstler nennen. Auf den bezaubernden Abend folgte bis heute etwa ein Dutzend weiterer Konzerte im Rahmen von mozart@augsburg und Hope verstand es, sie zu unvergesslichen Erlebnissen zwischen Barock, Klassik, Neuer Musik und der Kompositionskunst der Gegenwart zu machen. Wer das Glück hatte, diese Auftritte verfolgen zu dürfen, wurde Zeuge einer kontinuierlichen Entwicklung  eines der größten Geiger seiner Generation.

Daniel Hope wurde 1973 in Südafrika geboren. In seinem 2007 bei Rowohlt erschienenen Buch »Familienstücke: Eine Spurensuche«, Koautorin war die Journalistin Susanne Schädlich, zeichnet er geradezu akribisch die Wege seiner im letzten Jahrhundert nach Afrika ausgewanderten irischen und deutschen Vorfahren nach. Diese Auseinandersetzung mit persönlicher Geschichte im Kontext der Weltgeschichte glänzt ebenso durch ihre Genauigkeit, gerade auch bei sehr sensiblen und zuweilen privaten Themen, wie durch ihren Unterhaltungswert. Nebenbei liefert sie Erklärungsmuster, wie Daniel Hope, geprägt durch Generationen katholischer Iren sowie zum evangelischen Christentum konvertierter jüdischer Preußen, zu dem werden konnte, was er heute ist: ein Weltbürger, der mit künstlerischem Genie den Themen, denen er gerade seine Aufmerksamkeit schenkt, auf den Grund zu gehen weiß.

In seiner musikalischen Wirkung zeigt sich dieser fragende und forschende Geist in recht unterschiedlichen Ausprägungen. So erkannte Hope als einer der ersten renommierten Künstler aus der internationalen Klassikszene die Bedeutung von vor den Nazis nach Hollywood geflüchteten Komponisten wie Korngold, Waxman oder Eisler in ihren filmmusikalischen Werken und machte diese mit seiner Einspielung  »Escape to Paradise – The Hollywood Album« bei der Deutschen Grammophon 2014 einem breiten Publikum zugänglich. Die intensive Beschäftigung mit dem Thema zeigt ihre Wirkung nicht nur auf dem CD-Markt und in Hopes Konzertprogrammen, sondern auf besondere Weise auch im Internet. Auf seiner offiziellen Homepage labelt sich der Geiger als »The Violinist«, wobei er in feinstem Zwirn und im Habitus der 1930er- und 1940er-Jahre-Filmhelden posiert. Eine zwar etwas verwegene, aber trotz alledem stilsichere Marketingentscheidung von Hope und seinen Beratern. Sie sichert dem Künstler Aufmerksamkeit in einem hart umkämpften Markt, der gegenwärtig international fast ausschließlich von Geigerinnen dominiert wird. Und Hope stellt sich diesem Markt, auch um seine ungewöhnlichen Projekte umsetzen und letztendlich erfolgreich vermarkten zu können. Fünf »Echo Klassik« sprechen dafür, dass dieses Konzept Früchte trägt.

Ob sich seine soeben wiederum bei der Deutschen Grammophon erschienene CD »My Tribute to Yehudi Menuhin« in diese Erfolgsserie einreihen kann, wird sich zeigen. In dieser sehr persönlichen Produktion reflektiert Hope anlässlich des 100. Geburtstags seines großen Mentors Yehudi Menuhin seine mehr als 20 Jahre andauernde enge Beziehung zu dem großen, 1999 verstorbenen Künstler.

Hope und Menuhin fanden durch einen unglaublichen Zufall und dennoch so bezeichnend für das Leben der beiden Musiker zusammen. Der kleine Daniel war noch im Vorschulalter, als seine Eltern Südafrika wegen der Apartheit in den 1970er-Jahren verließen, um sich in Europa eine neue Existenz aufzubauen. Schließlich landeten sie fast mittellos in London. Besonders für seinen Vater Christopher war es schier aussichtslos, als Autor in England einen Job zu finden, mit dem er die Familie ernähren konnte. Also begab sich seine Mutter Eleanor Klein-Hope zu einer Arbeitsvermittlung und kehrte auch mit zwei recht illuster klingenden Angeboten nach Hause zurück. Jobofferte Nummer eins war die Position als Sekretärin beim Erzbischof von Canterbury. Option Nummer zwei derselbe Posten im Hause Menuhin. Eleanor entschied sich für Letztere und blieb statt der ausgeschriebenen sechs Monate 26 Jahre die rechte Hand des Meisters. In ihm und in Zakhar Bron fand Daniel Hope seine großen Lehrer und Förderer.

So ist es nicht verwunderlich, dass einer der beiden Konzertabende, die Hope dieses Jahr bei mozart@augsburg geben wird, einen sehr engen Bezug zu seinem musikalischen Ziehvater herstellt.  Die Festivalveranstaltung am 4. September ist mit »East meets West – eine Hommage an Yehudi Menuhin zum 100. Geburtstag« betitelt und wird neben Hope (Violine), Gaurav Mazumdar (Sitar), Shahbaz Hussain Khan (Tabla) und Sebastian Knauer an Klavier und Luthéal getragen. Zur Aufführung kommen an diesem besonderen Abend im Parktheater Kompositionen aus Europa und vom Subkontinent mit einem klaren musikalischen Verweis auf die legendäre Zusammenarbeit in den 1960er-Jahren zwischen dem Sitar-Virtuosen Ravi Shankar und dem Geiger Menuhin.

Die Gelegenheit, Daniel Hope im Rahmen von mozart@augsburg ein zweites Mal zu begegnen, ergibt sich am vorletzten Abend des Festivals. Gemeinsam mit seinen Kollegen Paul Neubauer (Viola), David Finckel (Cello) und der Pianistin Wu Han gibt er an diesem Abend im Kleinen Goldenen Saal Klavierquartette von Gustav Mahler, Robert Schumann und Johannes Brahms.

Aufs Engste gemeinsam mit Kollegen zu musizieren, ist Daniel Hope alles andere als fremd. Schließlich schaffte er seinen internationalen Durchbruch als Kammermusiker mit dem legendären Beaux Arts Trio. Von 2002 bis zu seiner Auflösung sechs Jahre später prägte der damals noch keine 30 Jahre alte Violinist das in den 1950er-Jahren vom Pianisten Menahem Pressler gegründete Ensemble.

Auch diese Episode belegt die virtuose Vielseitigkeit von Daniel Hope, über den die New York Times  schrieb: »Man weiß nie, was der brillante Geiger, der für seine mutigen Aufführungen zeitgenössischer Musik gefeiert wird, als Nächstes tun wird. Er hat mit Schauspielern bei Werken zusammengearbeitet, die Text und Musik verbinden, er hat sich indischer Musik und dem Jazz gewidmet er spielt mit bedingungsloser Intensität.«

Seit 2011 ist Daniel Hope künstlerischer Direktor der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und seit 2004 Associate Artistic Director des Savannah Music Festivals, Savannah (Georgia) in den USA. Im September wird er an zwei Abenden bei mozart@augsburg zu Gast sein, dem Festival in der deutschen Mozartregion.
www.mozartaugsburg.com

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