Zukunft lernen

28. August 2014 - 0:00 | Jürgen Kannler

Ein Kommentar zur Stadtentwicklung. Von Jürgen Kannler

In den kommenden Jahren werden in Augsburg entscheidende Weichen für die Zukunft der Stadt und damit für die gesamte Region gestellt. Als großer Überbau darf das schon vor Jahren beschlossene Stadtentwicklungskonzept angesehen werden, das nun federführend vom Stadtplanungsamt betreut, endlich in Fahrt kommen soll. »Hauptafugabe [...] ist die strategische Steuerung der Gesamtentwicklung einer Stadt. Dabei werden gesellschaftliche, wirtschafltiche, kulturelle, soziale und ökologische Aspekte berücksichtigt.« Wesentlich mehr ist über diese Jahrhundertaufgabe auf der Homepage Augsburg zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zu erfahren. Lediglich zu den Unterpunkten Wind, Solar, Flächenressourcenmanagment und, man höre und staune, zum Thema Kleingartenentwicklung wurden bisher erste Ergebnisse publiziert. Und es ist ein deutlich vernhembares Murren aus weiten Teilen der Verwaltung über das momentane Prozedere zu hören. Fachleute, Bürgergruppen und Medienvertreter vermissen transparente Strukturen und mehr Engagement in Sachen Informationspolitik, vergleichbar den Kampagnen zum Umbau des Königsplatzes.

Kleingartenentwicklungsplan in Angriff genommen

So gesehen befindet sich das Geschehen um die Zukunftswerkstatt Gaswerk in bester Gesellschaft. Auch hier wird seit rund einem Jahr weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit an einem Workshopprozess gefeilt, der in einem ersten Schritt die Positionen der Anwohner, Kreativdienstleister, Start -ups, Clubbetreiber, Künstler, Architekten und Wissenschaftler zum Thema aufarbeiten soll. Dieser Prozess startet zum Ende der Sommerferien, doch die Öffentlichkeit weiß nicht, wer wann nach welchen Kriterien zu welchem Workshoptermin wohin eingeladen wurde. Wozu diese Darkroompolitik? Wem nützt sie? Welchen Schaden kann sie verursachen? Die Verantwortlichen verteidigen ihr Vorgehen mit Datenschutzgründen und erprobten wissenschaftlichen Vorgehensweisen und ernten damit auf breiter Basis Kopfschütteln. Selbst die Stadtwerke Augsburg vermissen als Auftraggeber und Zahlmeister des Prozesses bisher eine flüssige Informationspolitik. Da die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt später in die Konzeption eines Kulturentwicklungsplans Augsburg Einordnung finden sollen, ist hier doppelte Wachsamkeit gefordert.

Kopfschütteln auf breiter Basis

Dass die Stadt Bereitschaft und Entschlossenheit zeigen kann, Bürgerbeteiligungsprojekte auch anders anzugehen, ist beispielsweise von den Vorbereitungen zum großen Hearing zur Zukunft des Stadttheaters zu hören. Dieses Projekt, angesetzt von der großen Renovierungsphase, die für das Haus am Kennedyplatz im Sommer 2016 starten soll, das sich an Bedeutung und Volumen nicht hinter dem Gaswerkprozess verstecken muss, will von Beginn an auf Transparenz setzen. Nachdem die Intendantin beim Presseclubtermin vor den Ferien eine Reihe von offen ausgetragenen Diskussionen, Workshops, Vorträgen und Seminaren umrissen hat, laufen die Vorbereitungen trotz Theaterferien. Starten soll diese Kampagne mit einer alle Beschäftigte des Hauses einbeziehenden Basiserhebung. Strategische Schützenhilfe erhalten das Theater wie auch der Workshop zum Gaswerk vom Kulturreferat. Somit übt sich diese Institution bei zwei vergleichbaren und parallel laufenden Prozessen in zwei unterschiedliche Transparenz- und Kommunikationsmodellen. Welches davon zukunftsweisender sein wird, kann man schon heute in Städten erfahren, die von ihrer Struktur her Augsburg nicht unähnlich sind. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung gehört beispielsweise die Stadt Linz zu den alten Hasen im Umgang mit erfolgreichen Bürgerbeteiligungen. Und wie heißt das Fazit der Stadt an der Donau? Transparenz! Was sonst?

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