Zwei Münchener Empfehlungen

29. Mai 2019 - 12:25 | Iacov Grinberg

Neues im Münchner Künstlerhaus und in der Kunsthalle München

Wir fahren bei unseren München-Besuchen der Kunsthalle in der Regel vom Bahnhof aus mit der Straßenbahn, diesmal war sie wegen zahlreichen Baustellen ausgefallen. Wir spazierten also durch die alten Münchener Straßen, die üblicherweise hinter dem Straßenbahnfenster vorbeirauschen. Dabei sind wir auf das Münchner Künstlerhaus (Lehnbachplatz 8) gestoßen. Ein Plakat vor den Toren versprach eine Kunstausstellung. Im Hof befand sich ein Dutzend Skulpturen – kleine und große, aus verschiedenen Materialien. Drinnen, im zweiten Geschoss waren ca. 30 Arbeiten zu sehen, die zusammen mit den Skulpturen die Ausstellung der Neuen Münchener Künstlergesellschaft bildeten. Zwischen für uns ganz unbekannten Namen stießen wir auf die Augsburger Künstler Monika Schultes und Felix Weinold. Die 1949 gegründete Gesellschaft zählt heute nur 80 Mitglieder und obwohl „jeder ein Mitglied sein kann“ schien es uns so, dass es doch Kriterien gibt: Alle Arbeiten in verschiedenen Techniken und Kunstrichtungen waren gelungen. Zwei von ihnen – „Kurator unser“ von Thomas Sterna und „Reale Utopie (Hornbrill)“ von Tatjana Utz – gefielen uns sehr und bleiben bis heute im Gedächtnis. Wir können Ihnen, liebe Leser*innen, empfehlen, diese Ausstellung anzuschauen. Sie läuft noch bis zum 21. Juni. Beim nächsten München-Besuch erkundigen wir uns im Voraus über das Programm im Münchner Künstlerhaus.

Die Ausstellung „Samurai“ in der Kunsthalle München zeigte uns dann einerseits die sehr hohe Handwerkkunst, mit der alle Elemente der prächtigen und gleichzeitig praktischen Ausrüstung der Samurai in vorigen Jahrhunderten gefertigt wurden. Das entsprach unseren Vorstellungen über japanische Kultur, die unter dem Einfluss von feinen Zeichnungen, des traditionellen japanischen Theaters Kabuki, der traditionellen japanischen Gedichtform Haiku, der Übersetzungen der japanischen Literatur usw. geformt sind. Diese Kultur hatte einen großen Einfluss auf den Verhaltenskodex der Samurai.

Die Ausstellung zeigt auch ein Film, eine 57-minütige Mischung aus gespielten Szenen, Dokumenten und Erzählungen, der die innere Welt der Samurai veranschaulicht. Außer einer bedingungslosen Treue zu den Oberherrn und strengen Regeln des Benehmens bei Hof herrschte ein blutiges Bacchanal: Du solltest den Gegner nicht nur mit allen Mitteln besiegen, du muss ihn töten und seinen abgeschlachteten Kopf deinem Oberherrn als Bestätigung bringen. Samurai agierten auch als Henker und Attentäter. Bauern, die damals die überwiegende Mehrheit des Landes bildeten, wurden nur als Beute betrachtet. Da dieser Kodex und mit ihm das verbundene Benehmen tief die japanische Kultur prägten, wurden für uns Erzählungen über die äußerste Grausamkeit der japanischen Armee während des Zweiten Weltkriegs verständlicher.

Diese Ausstellung hat unsere Sicht auf die japanische Historie verändert, was für eine Ausstellung das großmöglichste Lob ist. Ich empfehle Ihnen, liebe Leser*innen, diese Ausstellung zu besichtigen, was noch bis zum 30. Juni möglich ist, und wünsche Ihnen dabei tiefe, obwohl nicht unbedingt angenehme, Eindrücke.

Abbildung: Felix Weinold – Circus Maximus

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