Zwölf Tage wie 120 Jahre

29. November 2016 - 20:06 | Dieter Ferdinand

»Oskar und die Dame in Rosa« von Eric-Emmanuel Schmitt im Sensemble Theater

Oskar, 10 Jahre jung, hat Leukämie und wird bald sterben. Er selbst spürt das. Ärzte, Pflegende und seine Eltern, mit denen er sich später versöhnt, schauen ihn traurig an, reden nicht mit ihm. Er fühlt sich schuldig und vereinsamt. Nur eine ehrenamtliche Betreuerin, die »Dame in Rosa«, nimmt sich seiner mit einer wunderbaren Idee an. Er soll jeden Tag so betrachten, als wären es 10 Jahre. Sie schlägt ihm vor, täglich einen »Brief an den lieben Gott« zu schreiben und ihm seine Gedanken, Ängste und Freuden mitzuteilen; denn »Gedanken, die man nicht ausspricht, machen schwer«. Nach zwölf Briefen wäre er 120 Jahre alt.

Oskar berichtet von seiner Geburt, den Wirrungen der Pubertät, seiner ersten Liebe, dem Kampf gegen Nachtgespenster, der Hochzeit mit seiner Freundin. Er fragt: »Warum gibt es überhaupt Schmerzen?« und klagt über das Altern. Von seinem 90. Geburtstag an werden die Briefe an Gott kürzer und Oskar schwächer. Am letzten Tag wirkt er versöhnt und bereit zu sterben. Nach seinem Tod stellt Oma Rosa dankbar fest, dass sie mit Oskar einen langen Weg gegangen und nun voller Liebe ist.

Sigrid Ihlenfeldt ist Rosa. Sie war zwischen 1961 und 64 am Stadttheater Augsburg als Schauspielerin engagiert, von 1976 bis 2016 leitete sie die Schauspielgruppe Neusäß. Mit dem Solostück kehrt die 77-Jährige zurück auf die Bühne. Sie liest und erzählt, hin und wieder aufspringend, mit lebendigem Mienenspiel, auch immer wieder fragend. Ihre Augen leuchten hintergründig und wissend humorvoll.

Wir sehen eine karge Bühne mit Stuhl, Tisch, Lampe und von der Decke herunterhängend zwei Teddybären.

Sebastian Seidel ist eine geniale Inszenierung gelungen. Er hält Oskars Reise derart in der Schwebe, dass Wirklichkeit und Phantasie verschwimmen. So entsteht ein liebevoll-zartes Kammerspiel, untermalt von der Musik zu Tschaikowskis »Nussknacker«-Ballett. Das Publikum ist gebannt und dankt mit langem Applaus.

Weitere Termine: 3., 29. und 30. Dezember

www.sensemble.de

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