Die nötige Folter

Die nötige Folter

23. Mai 2019 - 19:30

Brechtbühne im Gaswerk

Die nötige Folter

(Uraufführung)

Drei Männer und eine Frau werden bestraft. Vielleicht dient die Tortur, der sie ausgesetzt sind, auch nicht der Bestrafung, sondern der Befragung, um sie zu zwingen, etwas auszusagen, das sie wissen, ohne zu wissen, dass sie es wissen. Gequält und befragt werden sie von einem »Stier« und einem »Widder«. Das könnten Menschen sein, wie das Publikum, das am Rand der Ereignisse undeutlich zugelassen scheint, sich aber anfangs weder sehen noch hören (und schon gar nicht identifizieren) lässt. Die Frau redet unter der Folter von etwas, das sie »eine sehr gute Arbeit« nennt, und will den Stier und den Widder von ihrer Unschuld überzeugen, was ihre Lage nur verschlimmert. Die Schuld der vier scheint mit dem Schicksal einer weiteren Frau zusammenzuhängen, die entweder Kunst oder Wissenschaft getrieben hat. Sie ist »draußen« und wohl tot, weil »draußen« alle tot sind oder jedenfalls, wie der Stier sagt, »nicht mehr so am Leben, wie ihr es kennt«. Der Ort, an dem sich das abspielt, scheint mit einem Discount-Lebensmittelsupermarkt verwandt zu sein, jedenfalls gibt es ein Laufband an einer Kasse und Hinweise, dass der Stier für einen privaten Wachdienst arbeitet, der unhandliche Kundschaft unter Kontrolle halten soll. Als die vier schließlich wissen, was es mit ihrer Bestrafung und Befragung auf sich hat, ist es für sie (wie für uns) zu spät.

Intendant André Bücker bringt mit »Die nötige Folter« bereits zum dritten Mal ein Stück von Dietmar Dath zur Uraufführung. Die am Nationaltheater Mannheim begonnene Zusammenarbeit wird nun mit diesem Auftragswerk für das Theater Augsburg fortgeführt.