Über die Grenzen. Kinder auf der Flucht 1939/2015

Über die Grenzen. Kinder auf der Flucht 1939/2015

18. Oktober 2019 - 14:00

Ehemalige Synagoge Kriegshaber

1938/39 wurden über 10.000 jüdische Kinder durch Kindertransporte aus dem Deutschen Reich gerettet – darunter auch mindestens 15 Kinder aus Augsburg und Bayerisch-Schwaben. Allein in einem fremden Land, dessen Sprache sie oft nicht sprachen und ohne von ihren Eltern zu wissen, war der Neuanfang schwierig und durch Ängste, Schuldgefühle und Traumata belastet.

Die Ausstellung des Jüdischen Museums Augsburg Schwaben „Über die Grenzen. Kinder auf der Flucht 1939/2015“ (12. Juli 2019 – 31. Oktober 2019) an seinem Standort Ehemalige Synagoge Kriegshaber beleuchtet die damit verbundenen mehrfachen Grenzüberschreitungen: vom Überschreiten der nationalen und sprachlichen Grenze bis hin zu der des für Kinder emotional Fassbaren. Eingeleitet von der Aktion „Kindertransporthilfe des Bundes“ des Berliner Zentrums für politische Schönheit werden die Geschichten von 10 jüdischen Mädchen und Jungen aus Augsburg und Schwaben erzählt, die in ein anderes Land entkommen konnten.

Eine von ihnen war die 1925 in Fischach geborene Anita Heufeld, die in Großbritannien in ein Kinderheim kam und dort wie die meisten Kindertransport-Kinder nebenher arbeiten musste. Die meisten Kinder sahen ihre Eltern nie wieder. So etwa Liese und Siegbert Einstein, 1925 und 1924 in Augsburg-Kriegshaber geboren. Liese überlebte die Schoa als Einzige ihrer Familie; Siegbert starb 1940 in England an den Folgen einer zu spät behandelten Infektion.

Die Ausstellung fragt zudem nach der Situation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die 2015 nach Augsburg kamen und heute hier leben – und schlägt damit eine Brücke in die Gegenwart.
Historische Vergleiche bedeuten nicht Gleichsetzung und stellen die Singularität der Schoa nicht infrage. Aber sie helfen, Parallelen aufzuzeigen und verdeutlichen die gesellschaftspolitische Aktualität des Themas. Auch heute sind zahllose Kinder auf der Flucht vor Krieg, Gewalt, Rassismus und Hunger und werden wieder Opfer von erstarkendem Populismus und Fremdenfeindlichkeit, der keinen Raum für Empathie und Mitgefühl lässt.

Die auf Augsburg und Bayerisch-Schwaben konzentrierte Ausstellung fokussiert weniger den Aspekt der Rettung als den des Ankommens, des Fremdheitsgefühls, des Verlusts, der Einsamkeit und des Traumas der Überlebenden. Damit rückt sie im Vergleich zu anderen Ausstellungen zur Thematik einen bisher wenig beleuchteten Aspekt ins Zentrum.

Themen: Ausstellung