Klassik Open Air – Beethoven: »Die Fünfte«

Klassik Open Air – Beethoven: »Die Fünfte«

10. Juli 2021 - 20:00

Elias-Holl-Platz

Akademie für Alte Musik Berlin: Beethovens Symphonien und ihre Vorbilder (II)

»Merkwürdig war die Ähnlichkeit des letzten Satzes mit dem ersten der C moll-Symphonie von Beethoven, und zwar so auffallend, daß hier eine Reminiszenz von der einen oder der andern Seite im Spiel gewesen sein muß; auf welcher, vermag ich nicht zu entscheiden…«, schrieb Robert Schumann einst über eine Aufführung von Étienne-Nicolas Méhuls 1. Sinfonie.

Inwieweit die Komponisten ihre Werke tatsächlich kannten, ist bis heute ungeklärt. Zweifellos gibt es jedoch zahlreiche motivische und strukturelle Bezüge zwischen den beiden Werken, die nahezu zeitgleich entstanden.

Beethovens Fünfte Sinfonie ist zudem tief in der französischen Revolutionsmusik der Zeit verwurzelt. Der jubilierende Marschcharakter im Finale seiner 5. Sinfonie verdankt sich direkt den revolutionären Gesängen der Zeit, die auch Méhul in seinen Werken immer wieder aufgriff. Im Umkreis der Französischen Revolution zählte Méhul zu den erfolgreichsten Komponisten Frankreichs. Ein neuer sinfonischer Tonfall, der die Musik emotional intensivierte, brach sich damals von Frankreich aus Bahn.

Beethovens zeitgleich entstandene 5. Sinfonie machte jedoch bereits bei ihrer Uraufführung den Eindruck eines Werkes von äußerst gesteigertem Ausdrucksgehalts, das in der Instrumentalmusik seiner Zeit kein Vorbild kannte. Aus den berühmten vier Anfangstönen konstruierte er ein musikalisches Gebilde von höchster Kraft und Stringenz. Beethovens Fünfte, den Weg vom Dunkel ins Licht nachzeichnend, wurde so zu einem humanistischen Bekenntnis ihres Schöpfers: Ihr idealer Adressat ist nicht länger der Konzertgänger, sondern die Menschheit selbst.

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