Denise Green – How we remember

Denise Green – How we remember

15. September 2021 - 10:00

H2 – Zentrum für Gegenwartskunst

In ihrer jüngsten Werkgruppe befasst sich die australisch-amerikanische Künstlerin Denise Green (*Melbourne 1946, lebt und arbeitet in New York) mit Formen des Erinnerns.

Ausgangspunkt für eine Serie von 33 Collagen, die bislang noch nicht gezeigt wurden, ist ein vor Kurzem aufgetauchtes Fotoalbum ihres Vaters, der während des 2. Weltkrieges in der australischen Armee diente. Dieses für sie folgenreiche Schlüsselerlebnis setzte einen inneren Prozess in Gang, der zum einen die Aufarbeitung traumatischer Kriegserlebnisse des Vaters, zum anderen die dadurch verursachten seelischen Krisen der Künstlerin selbst, wie ihre Erfahrungen mit der Alzheimer-Erkrankung ihres Mannes in einem komplexen Bildgefüge ineinander verschränkt.
Aus dieser tief empfundenen emotionalen Gemengelage heraus hat Green Fragmente der entdeckten Fotografien erstmals mit eigenen Zeichnungen collagiert. In deren künstlerischer Kernaussage geht es weniger um die Erzählung selbst, um das konkret benennbare Einzelereignis also, als vielmehr um Strukturen und Phänomene belasteten Erinnerns ganz grundsätzlich:

Das persönlich nachempfundene, kollektive Kriegstrauma sowie ein wieder Heranzoomen eigener familiärer Vergangenheitsbewältigung erfolgen bei Green in existenzieller Form. Das Verschwimmen, die Eintrübung oder gar Abwesenheit des Erinnerungsvermögens wird darin künstlerisch mit seiner vollen Funktionsfähigkeit gleichgestellt. Vor diesem Hintergrund ist How We Remember weniger der Versuch eines persönlichen Resumées der eigenen Geschichte, als vielmehr und vor allem des künstlerischen Umgangs mit ihr. Gewissermaßen ein künstlerischer Selbstversuch, der Fehlstellen als ‚Fehler‘ bewusst einschließt.

Eine Ausstellung des H2-Zentrum für Gegenwartskunst zu sehen in Halle 1 im Glaspalast.

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