Studium generale: Die Entdeckung des Unbewussten

Studium generale: Die Entdeckung des Unbewussten

21. Februar 2019 - 17:00

Zeughaus

Als Sigmund Freud 1900 mit seinem Buch "Die Traumdeutung" erstmalig Erklärungen über psychodynamische Vorgänge außerhalb des täglichen Bewusstseins gab, standen diese Entdeckungen flankierend den wissenschaftlichen Untersuchungen zur Entstehung von Bewusstsein an Universitäten gegenüber: Die Erforschung des Bewusstseins mittels der experimentellen Psychologie widmete sich zu diesem Zeitpunkt den psychophysischen Zusammenhängen bzw. der Sinnesreizverarbeitung und war bereits seit gut einem Vierteljahrhundert zu einem ausgedehnten Forschungsfeld geworden. Psychodynamische und damit emotionale Aspekte hatten hierin jedoch (noch) keine konzeptionelle Verortung. In dem Vortrag wird aufgezeigt, warum die Entdeckung des Unbewussten durch Freud so populär war, warum er damit sogar eine emanzipatorische Haltung und (gesprächs-)therapeutische Reformation in die Wege leitete und weshalb manche Biografie über ihn fälschlicherweise anderes berichtet. Die gegenwärtigen wissenschaftlichen und psychotherapeutischen Zugänge zu Unbewusstem werden kurz umrissen.
Susanne Guski-Leinwand ist Privatdozentin für Geschichte und Ethik der Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Nach ihrem Diplom-Studium in Psychologie promovierte sie an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg zur Genese der Psychologie in Deutschland. Seit 2014 ist sie als Vertretungsprofessorin für Psychologie im Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften der Fachhochschule Dortmund tätig. Seit fast zwei Jahrzehnten untersucht sie die Einflüsse und Ansätze der Psychologie im deutschsprachigen Raum und hat mit ihren Untersuchungen neue Erkenntnisse zu Wissenschaftsentwicklungen durch politische Einflüsse geliefert.