Schöne neue Welt?

14. März 2018 - 10:13 | Dieter Ferdinand

Peer Ripberger bringt sein Auftragswerk »1968: Geschichte kann man schon machen, aber so wie jetzt ist’s halt scheiße« in der Brechtbühne zur Uraufführung

Von Zigarettenrauch ist der gesamte Raum erfüllt. Zwei Frauen und drei Männer sitzen um einen Tisch und diskutieren. Sie zitieren zusammengetragene 68er Texte. Erstaunlich ist, wie aktuell die Probleme noch immer sind. Es geht um Konsumzwang und falsche Bedürfnisse. Die weltweite Ausbeutung wird angesprochen. Gefordert werden die Veränderung von Schule und Uni sowie ein wirksamer Kampf gegen alte und neue Nazis. Ein Problem sind die Abfallberge. Die Angst vor einem Atomkrieg geht um.

Die Frauen argumentieren: »Die Emanzipation der Frau ist ein Gradmesser für die allgemeine Emanzipation.« Alle fünf kommentieren wie ein Chor in der Tragödie: Was kann das Theater bewirken? Die Kunst wird ihrer Kraft beraubt. Rebellion ist berechtigt. »Wir leben in einer vorrevolutionären Zeit.« Über allem steht die Forderung: »Alle Macht der Phantasie!«

Nach kurzen Reden auf der Straße zum Thema persönlicher Traum sehen wir ein friedliches, harmonisches, freizügiges Zusammenleben in einer Palmenhaus-Vegetation. Aus dem Off ertönt eine theoretische Abhandlung. Wir sind im Jahr 50 neuer Zeitrechnung. Das Raumschiff Erde schwebt im Weltraum: die Erde als Cyborg, der alles kontrolliert. Mensch und Maschine sind eins geworden. Die Menschen reden nicht miteinander, bewegen sich arrhythmisch. Je nach Bedarf schlucken sie Drogen und Pillen. Abgelehnt werden Leid, Schmerz und letztlich auch der Tod.

Raumfahrt sucht im Weltraum Ausweichmöglichkeiten, wenn die Erde unbewohnbar gemacht ist. Die 68er*innen wollten das Leben auf der Erde verändern. Es geht um die Verwandlung der Erde, auch wenn diese schwer zu machen ist: »Zur Bildung der Erde sind wir berufen.« (Novalis)

Die Darsteller*innen artikulieren vor der Pause deutlich und machen den ersten Teil spannend. Im zweiten utopischen Teil kippt das Spiel nach Schlaraffia und tappt in die Cyborg-Falle.

Am Ende deutlich mehr Applaus als Ablehnung; etliche Zuschauer*innen waren schon dem »Paradies« entflohen.


Nächste Termine: 15. und 23. März sowie 6., 13., 14. und 28. April.

www.theater-augsburg.de

Foto (Jan-Pieter Fuhr): Marlene Hoffmann, Roman Pertl, Sebastian Baumgart, Patrick Rupar

Weitere Positionen

gernot_hausner_03_galerie_mz_2018_pr_foto.jpg
18. Mai 2018 - 15:09 | Bettina Kohlen

Nein, dies sind keine Fotografien. Was da in der Galerie MZ derzeit an den Wänden hängt, ist Malerei.

18. Mai 2018 - 9:34 | Janina Kölbl

Achille Mbembe, einer der wichtigsten Denker des Postkolonialismus, gastierte in Augsburg.

17. Mai 2018 - 9:00 | Janina Kölbl

Freie Theater im Porträt: Eukitea-Theater Diedorf

15. Mai 2018 - 13:44 | Renate Baumiller-Guggenberger

Göttliches Finale: Mozarts Messe in c-Moll für Soli, Chor und Orchester, KV 427 zum Abschluss des Deutschen Mozartfests 2018 in der Basilika St. Ulrich und Afra.

15. Mai 2018 - 13:16 | Dieter Ferdinand

Podiumsdiskussion der Interkulturellen Akademie im Mesopotamienverein

14. Mai 2018 - 9:26 | Gast

Die Augsburger Philharmoniker präsentierten zum Mozartfest das Sonderkonzert »Das mächtige Häuflein« im Goldenen Saal.

12. Mai 2018 - 8:10 | Florian Pittroff

2008 ging der erste Literarische Salon im Foyer des Theaters Augsburg über die Bühne. In diesem Jahr feiert das Format sein zehnjähriges Jubiläum. Florian Pittroff sprach mit dem Initiator und Inhaber der Buchhandlung am Obstmarkt, Kurt Idrizovic

9. Mai 2018 - 10:33 | Dieter Ferdinand

Das Buch »Die Apotheke im Krakauer Ghetto« von Tadeusz Pankiewicz ist neu erschienen.

9. Mai 2018 - 9:46 | Renate Baumiller-Guggenberger

Die Augsburger Philharmoniker unter GMD Domonkos Héja begeistern mit ihrem »Jazz!«-Sinfoniekonzert.

7. Mai 2018 - 9:19 | Renate Baumiller-Guggenberger

Eröffnungskonzert des Deutschen Mozartfests mit der Capella Gabetta unter der Leitung von Andrés Gabetta in Ev. Heilig Kreuz