Im Erdgeschoss des Kunstforums trifft die Besucher*in auf einen merkwürdig ungelenk wirkenden Schrank: raumgreifend, aus Pappmaché, schwarz, offene Schubladen, leer. Jakob Zimmermann (*1993) bezieht sich hier auf den sogenannten »Augsburger Schrank«. Solche Prunkmöbel, gedacht, um Preziosen und Merkwürdigkeiten in zahlreichen Schubladen unterzubringen, waren im 17. Jahrhundert höchst begehrt. Hier jedoch finden sich die Objekte in den Gemälden, die den schwarzen Schrank umgeben, wie die Darstellung der fünfäugigen Urgarnele.
Kreislauf des Lebens
Heather Sheehan beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem menschlichen Körper und den Verwandlungen, die mit ihm real und im übertragenen Sinn vorgehen. Dabei bedient sie sich vor allem textiler Werkstoffe. Während sich in ihren Installationen häufig eigenartige Wesen aus Stoff – »beings« – tummeln, schlüpft sie in den Performances selbst in verschiedene Rollen, verhüllt sich in Säcke aus grobem Rupfen, um sich im nächsten Schritt daraus zu befreien und in eine neue Existenzform überzugehen. Der Betrachter nimmt an dieser Verwandlung teil, die durch die Stofflichkeit sinnlich und emotional erlebbar wird. Lyrisch begleitet thematisiert sie den Kreislauf des Lebens und die Prozesshaftigkeit des Seins. Kleine Episoden mit offenem Ausgang präsentiert Sheehan auch in ihren analog fotografierten Selbst-Inszenierungen sowie in ihren Video-Arbeiten. Von besonderer Faszination ist die speziell für Augsburg konzipierte Arbeit »water line«, in der die Bewegungen des Wassers im Lechkanal und die des Fadenlaufs beim Weben in eine ebenso konstruktive wie sensible Verbindung gebracht werden.
Öffnungszeiten: Noch bis 20. September jeweils Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr.
Performance »receding« mit Heather Sheehan am 19. August, 19 Uhr.