Wert der Unterhaltung
Während die Kategorisierung von Büchern insbesondere für Leser*innen grundsätzlich durchaus hilfreich und sinnvoll sein kann, ist die Aufteilung in triviale und hohe Literatur äußert fragwürdig.
Es gibt viele Möglichkeiten, Bücher zu kategorisieren. Aufgeteilt nach Genres, Autor*innen, Zielgruppe und so weiter finden die Werke ihren Platz in der Buchhandlung. Weniger offen kommuniziert, aber doch stets relevant, ist die Unterteilung in hohe bzw. triviale Literatur. Unter hoher Literatur finden sich vor allem die großen Werke der Literaturgeschichte wieder und die eine oder andere Neuerscheinung, die in diversen Feuilletons als Klassiker von heute und morgen gehandelt wird. Die Trivial- oder auch Unterhaltungsliteratur hingegen umfasst alles, was vornehmlich dem namensgebenden Zweck der Unterhaltung dient und dabei scheinbar nichts Besonderes an sich hat, wenig komplex und alltäglich ist. Darunter fallen besonders oft Krimis, Liebesromane oder – noch verpönter – Erotikliteratur.
Während die Kategorisierung von Büchern insbesondere für Leser*innen grundsätzlich durchaus hilfreich und sinnvoll sein kann, ist die Aufteilung in triviale und hohe Literatur äußert fragwürdig. Zunächst einmal ist die Zuordnung absolut willkürlich. Heute gelten Shakespeares Dramen beispielsweise als hochliterarisch, während die Stücke zu seinen Lebzeiten in Londons Entertainment- und Rotlichtviertel aufgeführt wurden und sich hauptsächlich an die finanziell benachteiligte Bevölkerung richtete. Ihr Ansehen war daher entsprechend gering. Auch Jane Austens vielzitiertes »Stolz und Vorurteil« unterscheidet sich im Grunde nicht erheblich von vielen zeitgenössischen Liebesromanen und gilt heute doch als großes Meisterwerk, ebenfalls im Gegensatz zur Zeit seines Erscheinens. Es gibt schlicht keine bestimmten objektiven Merkmale, die ein Werk als literarisch wertvoll kennzeichnen.
Die Frage nach diesem vermeintlichen literarischen Wert ist ebenfalls eine zweifelhafte. Welcher Wert soll hier denn beurteilt werden? Der moralische, der gesellschaftliche, der monetäre Wert? Wäre dann der reine Wert eines millionenfach verkauften Weltbestsellers nicht deutlich höher, ja bedeutsamer als der eines alten Klassikers? Letztlich spielt es doch keine Rolle, ob man sich emotional von dramatischen Liebesgeschichten mitreißen lässt, die Schönheit von Sprache bewundert oder sich in den Illustrationen eines spannenden Comics verliert. Was zählt, ist der persönliche Wert, den ein Buch hat. Literatur ist schließlich Kunst und Kunst entzieht sich ohnehin jeglicher Bewertung. Halten wir es doch mit der eigenen Buchauswahl wie der englische Dramatiker William S. Maugham: »Kein Lesen ist der Mühe wert, wenn es nicht unterhält.« Und was Sie unterhält, ist Ihr ganz eigenes Vergnügen – frei von Wertung.