Solo für 2
Die diesjährige künstlerische Intervention zur Fastenzeit in der Moritzkirche kommt von dem Konzeptkunst-Duo Benjamin Appel und Carolina Pérez Pallares.
Der Weg ist nicht weit von dem durch Reibung der Luft an Flaschenhälsen erzeugten Ton zum Prinzip, dem auch die Kirchenorgel folgt: Luft reibt sich am menschengemachten Material. Natur und Erzeugnisse der Zivilisation spielen zusammen und ergeben ein ästhetisches Erlebnis. Dies passiert via Video und Audio in der Installation von Carolina Pérez Pallares.
Die Diskrepanz eines engen, gestauchten Raums, generiert aus platzsparend gestapeltem Mobiliar einer guten deutschen Wohnstube, eingegrenzt von einer wuchtigen Gipsplatte, die einen beengten, kleinen Wohnraum inmitten der luftigen, spärlich dekorierten Kirche schafft, ist umso größer. Hierfür zeichnet der gebürtige Augsburger Benjamin Appel verantwortlich.
Beides fügt sich zusammen zur diesjährigen Intervention »UNDO | ENDING« in der Augsburger Moritzkirche. Und wenn ihr Kurator Michael Grau in seiner Eröffnungsrede betont, dass es nicht darum geht, »Schönes noch weiter zu dekorieren«, wird klar, dass die Kunst hier durchaus das Recht verteidigt, den liturgischen Betrieb nicht einfach nur zu unterstützen, sondern ihm fast im Weg zu stehen — ist doch das sanfte Säuseln der Flaschen im Wind nur dann erlebbar, wenn die Kirche menschenleer ist, und die Enge der möblierten Wohnung nur dann vorstellbar, wenn man kurzzeitig den großzügigen Raum ausblendet, der Appels Installation beherbergt.
Immer um 10 Minuten nach der vollen Stunde dürfen sich daher bis zum 10. April Touristen und Einheimische, Gläubige und solche, die den rein weltlichen Kunstgenuss suchen, auf die Zusammenarbeit der beiden Künstler*innen einlassen, Fragen formulieren oder für sich als beantwortet betrachten.
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