Im Sog der Schwärze
In der aktuellen Ausstellung »to light the dark« in der Neuen Galerie im Höhmannhaus dominiert eine Farbe: Schwarz.
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Wieder einmal sind die verwinkelten, strahlend weißen Wände des Höhmannhauses Spielfläche für eine sehr reduzierte, aber sehr präsente Auswahl zeitgenössischer Kunst. Der Kontrast zwischen den Werken und ihrem temporären Zuhause könnte stärker nicht sein: Zum Teil gewaltige, tiefschwarze Acrylbilder sowie Schwarzweißfotografien verteilen sich mit Wucht im Raum.
»to light the dark« heißt die neue Gemeinschaftsausstellung des Malers Werner Knaupp und des Fotografen Christof Rehm. Sie ist der Dialog zweier Künstler, die ihr Zusammenspiel in Augsburg bereits vor zwei Jahren mit der Ausstellung »furor« erprobt haben.
Knaupp, seines Zeichens Maler und Bildhauer und Teilnehmer der documenta 6 im Jahre 1977, modelliert auf seinen großformatigen Leinwänden Strukturen, die sowohl an erkaltete Lava als auch an Wellen und schäumende Gischt erinnern.
Die glänzende Oberfläche der zentimeterdick geschichteten, ölig glänzenden Acrylfarbe bekommt dabei durch den Lichteinfall je nach Tageszeit und Wetter auch lebendige Akzente in Gold oder Blau verpasst, was das erstarrte Malmaterial wieder zum Leben erweckt.
Dazu passen die Fotografien Rehms von der wilden Landschaft des durch vulkanische Aktivität geprägten Island. Die artifiziellen Strukturen Knaupps finden hier ihr reales Vorbild: Schroffe, schwarze Felsen, die sowohl im Kleinen als auch wandfüllend ihre Wirkung nicht verfehlen. Stein und Öl, petra et oleum – es ist dem Besucher freigestellt, hier auch noch die gedankliche Brücke zum dickflüssigen, schwarzen Elixier der modernen Welt, dem Erdöl, zu schlagen.
Fazit: Natur und Künstlichkeit, Bewegung und Erstarrung, beides vollzieht sich in »to light the dark« im Wechsel und zeigt, dass eine reduzierte Farbpalette, auch eine unbunte, durchaus lebendig sein kann. Die ungeliebte Farbe Schwarz erhebt sich über ihre oft nicht sehr positive kulturelle Konnotation und wird hier zur kraftvollen Weltgestalterin.
»to light the dark« ist noch bis 1. Mai 2022 in der Neuen Galerie im Höhmannhaus zu sehen.
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