Festival
Theater & Bühne

Eine Mutter wird zur Kämpferin

Gastautor

Im Kleinen Goldenen Saal führte der Schulchor des Gymnasiums St. Stephan die Kantate »Die Mutter« auf.

Zu Beginn las Gitte Haenning aus dem Roman »Die Mutter« von Maxim Gorki über die elende Lage der Menschen in der Arbeitervorstadt von Twer zur Zeit der antizaristischen Revolution 1905. Bertolt Brecht machte daraus sein gleichnamiges Stück mit der Musik von Hanns Eisler. Zur Aufführung kam nun die kürzere Fassung als Kantate unter der Leitung von Dr. Ulrich Graba.

Auf das Vorspiel an den Klavieren folgte der Weg der Witwe Pelagea Wlassowa. Sie will ihren Sohn Pawel Wlassow vor der Verhaftung schützen, verteilt selbst Flugblätter, lernt lesen und wird zur Revolutionärin. Als ihr Sohn Pawel verhaftet und erschossen wird, kämpft sie weiter bis ins hohe Alter.

Gitte Haenning las und sang ganz wunderbar - eine Meisterleistung. Julia Pfänder besang glaubwürdig die Entwicklung der Wlassowa mit Zweifeln und Entschlossenheit, zart und ausdrucksvoll. Manuel Wiencke gab dem Revolutionär Pawel Wlassow seine durchdringende Stimme, deutlich artikulierend, in Mimik und Gestik vollkommen.

Die Leistung des Chors übertraf alles. Die Sängerinnen und Sänger brachten die kämpferischen Lieder raumfüllend zur Geltung. Höchsten Respekt verdienten sie, da die Komposition von Hanns Eisler nicht leicht sangbar ist. Die Akustik des Saals verstärkte den überragenden Eindruck.

Großer und dankbarer Applaus für ein zu Herzen gehendes musikalisches Ereignis.

Schauspiel und Kantate enden mit der Oktoberrevolution. 1933 wurde Helene Weigel, Brechts Ehefrau, als »Mutter« von der Bühne weg durch die Nazipolizei verhaftet. Es folgte die Flucht. Nach der Niederschlagung des Arbeiteraufstands in der DDR 1953 schrieb Brecht: »Nach dem Aufstand des 17. Juni ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands in der Stalinallee Flugblätter verteilen, auf denen zu lesen war, dass das Volk das Vertrauen der Regierung verscherzt habe und es nur durch verdoppelte Arbeit zurückerobern könne. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?«

www.brechtfestival.de

 

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