Rehm 300
Georg Rehm ist Auktionator aus Leidenschaft. Am 10. und 11. März leitet er die 300. Auktion im eigenen Haus. Ein schöner Anlass für ein Interview, findet Jürgen Kannler
a3kultur: Wir sprechen heute anlässlich der 300. Auktion diesen März – das sind gut 30 Jahre Auktionsarbeit, oder?
Georg Rehm: Es sind sogar ein bisschen mehr, 43, um genau zu sein. Der Start war 1979.
Welches Verhältnis haben Sie heute, nach all der Zeit, zu alten, vielleicht auch wertvollen Dingen?
Ein sehr spezielles, aber auch diverses. Es geht nicht mehr um reine Antiquität und Qualität. Das Dekorative ist heutzutage ein wichtiger Faktor für die Käufer. Sammler, die rein auf die Qualität achten, um ihre Sammlung zu vervollständigen, sterben aus.
Aus Trends werden Moden und aus Moden ein Run, dann kommt oft das Vergessen.Was könnte unsere Gesellschaft von den Schwankungen in Ihrer Branche lernen?
Momentan ist Nachhaltigkeit das große Thema. Aber wir handeln nicht immer danach, auch nicht bei Möbeln. Wenn man bedenkt, dass ein Barockschrank mehrere Hundert Jahre überdauert hat, ganz einfach auf- und abzubauen ist und, wenn er ordentlich gepflegt wird, noch die nächsten 250 Jahre hält, müsste er eigentlich einen höheren Stellenwert haben.
Die Digitalisierung war wahrscheinlich die größte Zäsur auch in Ihrer Branche, die Sie in den 43 Jahren erlebt haben, oder?
Die haben wir Gott sei Dank schon vor mehr als fünfzehn Jahren angetreten, und jetzt in der Pandemiezeit war das natürlich enorm wichtig. Wir hatten einen leeren Saal und mussten mit Kamera und Mikrofon versteigern. Das Ergebnis war zum Glück nicht schlechter als zu Zeiten in vollen Sälen.
Ihr Haus ist zu einem internationalen Umschlagplatz geworden, zumindest für bestimmte Lose.
Früher haben wir nach einer Auktion zehn, fünfzehn Pakete versandt, heute sind es 200, 250. Der Verkaufshorizont hat sich sehr erweitert.
Sie haben keinen Hehl daraus gemacht, dass die letzten Jahre wirtschaftlich gut für Ihr Haus und Ihr Team liefen …
Wir sind sehr zufrieden mit den Gegebenheiten, auch meine Kolleg*innen. Ich bin Vizepräsident im Bayerischen Versteigererverband und aktives Mitglied im Bundesverband deutscher Auktionatoren, und alle Kolleg*innen, deren Häuser ähnlich strukturiert sind wie wir, sind sehr zufrieden.
Im Rahmen Ihrer Arbeit werden Sie, wenn es um familiäre Nachlässe geht, mit Privatem und Privatestem konfrontiert. Sie entdecken und finden Dinge, die eine Geschichte haben. Wie geht man damit um?
Das ist ein Erfahrungswert: mit Respekt betrachten und den jeweiligen Erben oder Nachlassnehmern Rückenwind bieten. Für jedes Objekt, das nicht unter den Erben aufgeteilt wird, stehen wir für die Verwertung zur Verfügung, das ist auch eine Hilfestellung. Sie wollen eine vernünftige Verwertungsstrategie, damit beteiligen wir uns gegenseitig am Erfolg. Darin liegt letztendlich auch der Erfolg unserer Auktionen.
Mund-zu-Mund-Propaganda ist wohl auch in Ihrem Bereich sehr wichtig.
Es ist natürlich immer erfreulich, wenn man eine entsprechende Empfehlungsadresse hat. Wir haben ein entsprechend breites Kunden- und Einliefererspektrum, das wird gepflegt und ist sehr hilfreich.
Sie engagieren sich für kulturelle und soziale Belange, im Mai wieder im Rahmen einer Benefizauktion zugunsten der Kunstsammlungen und Museen Augsburg. Was meinen Sie: Ist man der Gesellschaft etwas schuldig, wenn es für einen selbst gut gelaufen ist, oder ist das mit der Steuererklärung erledigt?
Nein, mit der Steuererklärung ist nichts erledigt, ich bin diesbezüglich immer schon aktiv gewesen. Ich war bei den Wirtschaftsjunioren, ich bin Handelsrichter, ich war drei Dekaden in der IHK im Gremium für die Stadt Augsburg. Für mich ist es eine Verpflichtung zu sagen, wenn es Bedarf gibt, dann ist Engagement eine Selbstverständlichkeit. Zum anderen bin ich ein emotionaler Auktionator, ich versteigere gerne hohe Summen, es macht wahnsinnig viel Spaß.
Stehen Sie eigentlich gerne im Rampenlicht?
Inwieweit die Auktionstätigkeit Rampenlicht bedeutet, bin ich mir nicht sicher.
Die Tür steht auch für Menschen ohne klare Kaufabsichten offen?
Immer! Das ist eine Grundverpflichtung für ein Auktionshaus, Ware für unsere Einlieferer so zu präsentierten, dass sie alle möglichen Chancen hat.
Sie sind Auktionator mit Leidenschaft. Wie oft mussten Sie sich im Rahmen einer Auktion schon von Dingen trennen, in die Sie sich verliebt haben?
Man sieht die Dinge als Auktionator ein bisschen anders. Wir haben eine hohe Erwartungshaltung an jede Auktion, jede Auktion ist kalkuliert, das heißt, wir brauchen einen großen Umsatz, damit die Auktion aufgeht. Diese richtige Verliebtheit passiert relativ selten. Aber es gibt schon Dinge, die nicht mehr so häufig geboten sind, wo man mit viel Herzblut dran hängt.
Wollen Sie ein Stück verraten, in das Sie sich verliebt haben? Da müssten Sie ja dann selbst mitsteigern …
Das darf ich gar nicht. Da muss ich dann einfach hoffen, dass das übrig bleibt.
Das ist dann eine verborgene Leidenschaft.
Richtig. Für was ich schwärme und was ich in meiner Privatsammlung habe, sind sehr gute Gemälde, da muss keine Signatur drunterstehen. Bei mir zu Hause muss die Qualität stimmen.
www.auktionshaus-rehm.de
Lesen Sie hierzu auch den Gastbeitrag »Jubliäumsaktion« von Gloria Erath. Sie finden ihn hier.
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