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Jubiläumsauktion

a3kultur-Redaktion

Beim Auktionshaus Georg Rehm steht zwischen dem 10. und 11. März die 300. Auktion der Firmengeschichte an. Ein Porträt von Gloria Erath

Vor zwei Jahren, im Februar 2020, übertraf die 290. Versteigerung mit dem Nachlass des Münchner Kunsthändlers Forchhammer alle Erwartungen. Sie bescherte Georg Rehm die erfolgreichste Kunstauktion seiner Firmengeschichte. Zur Erinnerung seien einige Zuschlagspreise herausgegriffen: Der museale Satz vergoldeter Augsburger Tafelleuchter von Drentwett kletterte auf 25.000 Euro. Auch schwere Barockschränke bzw. Bewahrmöbel, die im Vergleich zu den 1990er-Jahren stark an Interesse eingebüßt haben, scheinen wieder im Aufwind. So kletterten ein Augsburger Patrizierschrank auf 24.000, ein Frankfurter Pilasterschrank auf 16.000, ein Braunschweiger Aufsatzsekretät auf 10.500 Euro. Das elegante höfische Kommodenpaar aus dem 18. Jahrhundert verzwölffachte seine Schätzung und wurde erst bei 123.500 Euro zugeschlagen. Zwei Friedberger Fayencekrüge brachten 9.000 bzw. 11.000 Euro. Bei den Gemälden erzielte die bei Rehm immer gut vertretene Münchner Schule durchweg Zuschläge. Die höchs-ten wurden für Franz von Defreggers »Urlauber« von 1884 mit 125.000 Euro und für seine »Wichtige Nachricht« (unter Tiroler Freiheitskämpfern) mit 200.000 Euro geboten. Damit hat Defregger Spitzweg übertroffen. Denn Carl Spitzwegs »Gratulant mit Blumentöpfen« markierte im Jahr 2003 die Preisspitze.

Werfen wir einen kurzen Blick in Georg Rehms Erfolgsgeschichte: Der gebürtige Augsburger ist mit dem väterlichen Kunst- und Antiquitätenhandel groß geworden. Auch Georg Rehm Senior hat schon Auktionen abgehalten. Und es gab lang eine berufliche Verflechtung mit Vater und Bruder Robert. Seit 1994 ist Georg Rehm alleiniger Besitzer seines Kunstauktionshauses. 1996 konnte er dafür ein Haus im Augsburger Textilviertel erwerben. Seit 1997 versteigert Rehm in der Provinostraße, gleich ums Eck beim Textilmuseum.

Bei dem klassischen Generalisten Georg Rehm findet man das breite Feld der Antiquitäten aus Nachlässen und Haushaltsauflösungen ebenso wie unterschiedlichste rare museumswürdige Sammelobjekte. Ob Veräußerer oder alte sowie neue Kunstinteressenten, seit rund 25 Jahren bedient Georg Rehm als einziges Kunstauktionshaus Augsburgs beide Seiten ebenso kenntnisreich wie seriös. Unterstützt wird er von seiner Ehefrau Laura und dem geschulten Team von sechs festen und fünf freien Mitarbeitern. Traditionell schwingt Rehm fünfmal jährlich den Auktionshammer für meist bunt gemischte Offerten. Die Hälfte der Transaktionen spielt sich über Online-Gebote ab.

Dass Rehm in der Branche einen hervorragenden Ruf genießt und von Kollegen geschätzt wird, schlägt sich in seinen Ämtern als Vizepräsident des Bayerischen Versteigerungsverbandes sowie als aktives Mitglied im Bundesverband deutscher Auktionatoren nieder. Und wenn zusammen mit Museumsleiter Dr. Christof Trepesch dessen »Kunstsprechstunde« einmal im Monat stattfindet, übernimmt Rehm die preisliche Einschätzung der Objekte. Dass Rehm 2006 die Versteigerung des Inventars der verstorbenen Besitzerin des nach ihr benannten Höhmannhauses direkt neben dem Schaezlerpalais zugunsten der Städtischen Kunstsammlungen zufiel, illustriert das in ihn gesteckte Vertrauen. Außerhalb des Kunstgeschehens fungiert der heiter-verschmitzte Auktionator als langjähriger Präsident und jetziger Ehrenpräsident des Augsburger Faschingsvereins »Hollaria«. Mit einem Wort, Georg Rehm ist in Augsburg eine »Person des öffentlichen Interesses«.
Derzeit richten Kunst- und Antiquitätenliebhaber ihr Augenmerk gespannt auf die kommende 300. Jubiläumsauktion. Wie gewohnt beginnt die Versteigerung mit Schmuck – dafür gibt es im Haus einen Diamantengutachter: Bertil Zadick, seit 26 Jahren die rechte Hand des Chefs und Co-Auktionator am Pult, ist hier als Experte gefragt.

Uhren und Ikonen kommen ebenfalls zum Aufruf. Auch Varia und Volkskunst sind immer gut vertreten. Mit rund 900 Nummern ist die Auktion bestückt, breit gefächert ist die Möbelofferte mit Schwerpunkt auf Süddeutschland und Bieder­meier. Sofort ins Auge fallen ein süddeutscher Tabernakelsekretär aus der Zeit um 1750, zwei prächtige Frankfurter Wellenschränke und ein reich eingelegter Bodensee-Schrank. Als Eyecatcher für jede Art von Wohnumgebung, ob antik oder modern eingerichtet, eignet sich ein eleganter Ohrenbackensessel des Empire mit zauberhafter Brandmalerei zweier fliegender Amoretten.

Zeit zum Durchforsten und Stöbern

Beim Kunsthandwerk ragt Französisches heraus: ein mit Tintenfass und Streusandbüchse komplett ausgestattetes Tintenzeug als Schreibtischgarnitur, ein zierliches Leuchterpaar aus feuer-­
vergoldeter Bronze um 1770, das mit Porzellan­chinoiserien und Blumen verziert ist, und aus der Empirezeit um 1810 ein Paar Verwandlungsleuchter mit Widderköpfen und Bocksfüßen, virtuos in feuervergoldeter Bronze montiert, die mit Marmor kontrastiert. Allen widrigen Zeitläufen trotzte eine schwere Eisenkassette des 17. Jahrhunderts, die, komplett erhalten mit originalem aufwendig ausgearbeitetem Schloss mit sieben Zuhaltungen samt Blindschloss, als Regimentskasse gedient haben dürfte. Verschiedene Mörser gehen auf den Augsburger Apothekenverband zurück.

Unter den rund 50 Holzskulpturen sei auf eine in der Schweiz um 1400 geschnitzte »Thronende Muttergottes mit Kind« hingewiesen, die 1987 im Münchner Auktionshaus Ruef bei 64.000 Mark den Besitzer wechselte. Um 1480 zu datieren ist eine Madonna vom Oberrhein. Eine schwäbische Hausmadonna um 1680 wurde Lorenz Luidl zugeschrieben. Chinesische Buddha- und florale -schnitzereien sind ebenso zu entdecken wie Elfenbeinarbeiten.

Die Gemäldeofferte ist traditionell umfangreich und vielseitig. Unter den Alten Meistern sei eine einst bei Lempertz in Köln versteigerte italienische Madonna des Luca di Tommè erwähnt. Der Schwerpunkt liegt bei der süddeutschen und Münchner Malerei des 19. und frühen 20 Jahrhunderts. Die liebliche Szene eines Mädchens, das Tiere füttert, stammt von Antonio Montemezzo. Weitere bekannte Namen sind Désiré Thomassin, der Spitzweg-Nachfolger Willy Moralt und Otto Pippel mit einem seiner publizierten Bilder. Eine Ansicht des Comer Sees (Foto) geht auf den Wiener Maler Carl Hatsch zurück. Klassische Moderne ist mit zwei Lithographien der sogenannten »Ungezählten Blätter« Otto Muellers, einer »Waldlandschaft« und »Badende«, zu haben, die beide im Werkverzeichnis aufgeführt sind. Man sollte sich Zeit nehmen zum Durchforsten und Stöbern in dem so reichen wie vielseitigen Angebot.

Nicht zum Verkauf steht allerdings der Inhalt einer Vitrine: Zur eigenen Freude hat der Auktionator Georg Rehm mit rund 20 Objekten eine attraktive Sammlung Auktions- und Gerichtshämmer aus rund 200 Jahren zusammengetragen. Seien ihm für die nächsten 100 Auktionen viele weitere erfolgreiche Zuschläge vergönnt!

www.auktionshaus-rehm.de

 

a3kultur-Chefredakteur Jürgen Kannler traf sich mit Georg Rehm zum Gespräch. Das ausführliche Interview finden Sie hier.

 

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