Räumliche Intervention in der Moritzkirche
Iacov Grinberg hat die Ausstellung »undo-ending« in der Moritzkirche besucht. Die Räumlichkeiten haben bei ihm einen starken Eindruck erweckt. Dennoch blieben viele Fragen für ihn offen.
Ich habe die »Räumliche Intervention« mit der Benennung »undo_ending« in meiner üblichen Reihenfolge gesehen. Erstens schaue ich ein Kunstobjekt – Bilder oder eine Installation – ohne Benennungen, Namen der Schöpfer und Meinungen der Kunstwissenschaftler an. Ich versuche es/sie mit allen meinen Gefühlsorganen wahrzunehmen und schätze danach die Gefühle, Gedanken, Assoziationen ein, die dabei entstanden. Danach lese ich die Benennungen, da sie manchmal einige Zusammenhänge der Teile des Kunstwerkes erklären und Eindrucke vertiefen können. Nur am Ende lese ich die Namen der Schöpfer und manchmal, zum Vergleich mit meiner Wahrnehmung, Meinungen der Kunstwissenschaftler, die oft als Begleittexte zu finden sind.
Ich habe den Innenraum der Moritzkirche an einem kalten, aber sonnigen Nachmittag betreten und nach der verkündeten Intervention gesucht. Ich habe zehn Bildschirme gefunden, wobei sieben von den eingeschalteten Bildschirmen ähnliche, unbewegliche Bilder zeigten: ein sandiger Strand, an dem ein Paar vor leeren Flaschen stand. Diese sahen aus als würden sie schon lange dort stehen – etwas schmutzig, ohne Etiketten, die Flaschenhälse waren beschädigt. An der rechten Seite war ein Haufen altes Mobiliar zu entdecken. In dem leeren Kirchenraum waren ein halbes Dutzend ruhig dasitzende Menschen, mit der Beschreibung des Kunstwerks in den Händen, zu entdecken. Es war still, manchmal war eine Straßenbahnklingel ganz leise von draußen hörbar.
Nach ca. 5 Minuten war das Heulen des Windes zu vernehmen – erst kaum hörbar, danach lauter, manchmal traten dabei fast musikalische Töne auf. Auf einem der Bildschirme flatterten Textillumpen. Ich habe anschließend einige Besucher dazu befragt, aber das Gesehene und Gehörte hatte offenbar keinen beeindruckt.
Ich habe darüber mit meinem Bekannten gesprochen. Er sagte, dass ich zur falschen Zeit dort war und lud mich ein, am Abend erneut dorthin zu gehen. Wir beide kamen dort in der Abenddämmerung an. Der Eindruck war wirklich ein ganz anderer.
Beim ersten Besuch war der obere Teil des Innenraumes mit Sonnenstrahlen hell beleuchtet, beim zweiten Besuch der Ausstellung lag der Innenraum im Halbdunklen. Die Geräusche des heulenden Winds zusammen mit den mächtigen Kirchenwänden schuf bei dieser Beleuchtung ein Gefühl von Unterschlupf und draußen wehte ein starker, kalter Wind. Die fast leere Kirche mit einer Handvoll Menschen darin, schenkte dabei das Gefühl von Geborgenheit. Ein Ort, an dem du eine vorübergehende Zuflucht auf deinem langen Weg findest. Wir haben danach mit einigen der Anwesenden gesprochen, zwei von ihnen bestätigten meine Gefühle.
Was aber das Gesehene und das Gehörte gemeinsam hat, blieb für uns rätselhaft. Auch der Haufen an Mobiliar hat weder uns noch keinem der Befragten etwas gesagt. Auch die Wörter der Kunstwissenschaftler in Begleittexten haben uns dabei nicht geholfen. Ich verstehe, dass das nur meine Meinung ist und dass die jungen Künstler eine andere Betrachtungsweise haben werden und alles mit anderen Augen sehen könnten. Ich habe aber nur meine eigene.
Ich kann Ihnen, liebe Leser*innen, empfehlen, diese Intervention bei Einbruch der Dunkelheit zu besuchen, sie kann bei Ihnen besondere Gefühle erwecken. Vielleicht gelingt es Ihnen auch mehr zu verstehen. Sie können das Gesehene und Gehörte auch bei einem Künstlergespräch am 13. März und 10. April um 15 Uhr mit den Schöpfern der Werke erörtern.
Die Soundinstallation zu undo ending ist täglich 15 min vor der vollen Stunde und außerhalb der Gottesdienstzeiten zu hören. Die Besichtigung der Intervention ist noch bis 10. April möglich.
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