Das Zeitalter der künstlichen Intelligenz
Die a3kultur-Redaktion dokumentiert in den kommenden Monaten KI-Anwendungsgebiete in Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft und spricht mit Expert*innen über die Möglichkeiten und Risiken dieser Technologie.
Sie können lernen – tatsächlich ist die Intelligenz der Maschinen bereits allgegenwärtig
Die Epoche der Intelligenz ohne Kohlenstoffverbindungen (Computerchips sind eher siliziumhaltig) hat schon längst begonnen. Nur anders, als wir uns das gemeinhin vorstellen. Terminatoren aus der Horrorkiste Hollywoods, die mit einem abstossend kalten Lächeln auf ihren metallenen Lippen weltweit die menschliche Zivilisation austilgen, werden wir wohl niemals erleben. Tatsächlich ist die Intelligenz der Maschinen bereits allgegenwärtig – auch wenn die heutigen elektronischen Halblebewesen weniger intelligent sind als das durchschnittliche Haushaltsinsekt.
Die Zukunft benötigt also immer weniger Leute, die schauspielen, musizieren, texten, gestalten
Was die noch ohne Bewusstsein vor sich hin rechnenden Neuronalen Netze (und andere Verfahren dieser Art) aber inzwischen können, ist: Lernen. Das konnten Computer vor einigen Jahren noch nicht; da musste man ihnen buchstäblich jede Kleinigkeit aufschreiben, sonst waren sie hilflos. Was dieser Fortschritt bedeutet, können wir noch nicht völlig ermessen, auch wenn die lernende »künstliche Intelligenz« heute schon industrielle Anwendung findet. Computer können also aus der Betrachtung von Vorhandenem – das kann ein Mensch sein, ein Foto, eine Melodie oder eine chemische Formel – etwas Neues, Ähnliches berechnen. Heute schon lassen sich mit Hilfe der KI (oder englisch AI, artificial intelligence) Stimmen bekannter Persönlichkeiten täuschend echt imitieren, indem sie die Klangfarbe und Intonation der Zielperson mit den Worten und dem emotionalen Ausdruck eines Sprechers oder einer Sprecherin kombinieren. Dasselbe geht mit bewegten Gesichtern, mit Musikstücken, mit Designmustern, Texten. Die Zukunft benötigt also immer weniger Leute, die schauspielen, musizieren, texten, gestalten, weil Maschinen das fast so gut oder besser können, Tag und Nacht produzieren, und nach der Anschaffung mit ein bisschen Strom auskommen, ohne Urlaubs-, Krankheits- oder Streiktage.
Und damit bildet die Künstliche Intelligenz eine weitere Stufe industrieller Revolution, die uns Maschinen (Webstühle, Windmühlen usw.), Kraftmaschinen (Dampf, Explosion, oder Turbinen), Fernmeldetechnik (rund um den Globus in weniger als einer Sekunde), Datenverarbeitung gebracht hat – und jedes mal den Menschen ein wenig ersetzbarer gemacht hat. Was in jedem Schritt zusätzlicher Industrialisierung zu Gegenbewegungen geführt hat – Holzschuhe wurden in Webstühle geworfen, Sozialgesetzgebung unter Blutvergiessen erstritten, Telefonnetze und Computer gehackt. Wenn die künstliche Intelligenz nun auch kreative und soziale Berufe überflüssig macht und durch profitträchtige Investitionen ersetzt, müssen neue gesellschaftliche Lösungen gefunden werden. Am Ende müssen wir uns noch vom Leistungskonzept verabschieden, wenn nämlich Maschinen alles, aber auch alles herstellen und die Menschen nichts anderes tun müssen, als die Früchte der künstlichen Produktivität zu genießen. Dann hätten wir eine Utopie, eine ideale Gesellschaft erreicht. Oder die lernenden Chips werden statt dessen in Kampfmaschinen eingebaut, die Armutsmigration verhindern und Hungeraufstände niederschlagen sollen; auch daran wird aktuell geforscht. Wir sind es, die dafür die Weichen stellen.
Weitere Beiträge aus unserer Sonderveröffentlichung zum Thema »Künstliche Intelligenz« veröffentlichen wir in den kommenden Tagen und finden Sie hier: