Das Lied der Straße
Zwei Fotografen, Peter Biet und Bernd Hohlen, haben über Jahre an verschiedenen Orten Typen und Stimmungen auf der Straße eingefangen – und in die Seele von Menschen und Städten geschaut.
Die Straße, das ist zunächst nichts Vornehmes. Die Straße, das ist das Gewöhnliche, Alltägliche, auch mal das Ordinäre. Sie ist Bühne, Laufsteg und Podium derer, die nicht vom Podium herunter sprechen. Sie ist der Ort, an dem sich Menschen aller Couleur begegnen (müssen); aber auch die Nähe von ihresgleichen suchen.
25 Beispiele hierfür säumen derzeit den Weg entlang der Wände des Augustana-Hauses vom 1. Stock bis ins Untergeschoss. Sie stammen von Peter Biet, vormals evangelischer Religionslehrer am Augsburger Holbein-Gymnasium, und Bernd Hohlen, Fotoreporter in Augsburgs größtem Pressehaus. Beide haben auf ihren Streifzügen durch Augsburg und andere Städte über Jahre Impressionen gesammelt und sich auf diese kleine, aber vielfältige Auswahl verständigt.
Bergamo oder Haunstetter Straße
Eine Gasse in Bergamo oder die Haunstetter Straße in Augsburg, Venedig oder Köln-Ehrenfeld – die Fotos addieren sich zu einem Kaleidoskop menschlicher Verhaltensweisen und Konstellationen. Der Disput vor dem Ladengeschäft, fast hörbar. Ebenso Absätze auf Asphalt, Lachen, vorbeifahrende Straßenbahnen. Die Armut und der Luxus aus nächster Nähe. Farbe braucht es dazu nur punktuell. Die meisten Aufnahmen sind in Schwarzweiß gehalten.
Nicht zuletzt deshalb wirken die Bilder, obwohl nicht älter als 5 Jahre, zum Teil schon jetzt aus der Zeit gefallen, sogar, wenn FFP-Masken darin auftauchen. In einer zunehmend digitalisierten Zeit verliert die Straße als Sozialisationsort an Bedeutung (Zwei Jahre Pandemie fast ohne Kontakte und Zusammenkünfte im öffentlichen Raum taten ihr Übriges). Manchem Motiv begegnet man somit fast mit nostalgischer Wehmut und verortet es in einem weit früheren Jahrzehnt.
Das »kleine Glück«
Die Auswahl der Bilder erweist sich hier als entscheidender Kunstgriff der beiden Fotografen: Hektisches Großstadtgedrängel sucht man vergebens. Das allgegenwärtige Smartphone in jeder zweiten Hand ebenfalls. Und die grelle Werbewelt oder zeitgenössisches Fahrzeugdesign – sie sind allenfalls in Ansätzen zu sehen. Es scheint, als wäre bewusst der Fokus auf anachronistisch anmutende Szenerien des kleinen Glücks und des kleinen Elends gelegt. Eine Welt, als die Straße noch »La Strada« war.
Die Ausstellung »Mensch – Straßenfotografie 2017– 2022« ist noch bis 30. April 2022 im Augustana-Haus im Annahof zu sehen. Der Eintritt ist frei.
www.annahof-evangelisch.de/ausstellung-mensch-strassenfotografie-2017-2…
Das könnte Sie auch interessieren
Malerische Landschaften
Formen die Leuchten
Michael Kiessling, Galerist des Kunstraums am Pfarrhof Leitershofen, erzählt gerne, wie er Sandra Tröger im Münchner Ausstellungsraum »Sandkasten« kennengelernt hat – und wie schnell aus diesem ersten Kontakt die Idee für eine gemeinsame Ausstellung entstand. Noch im selben Jahr wurde daraus Wirklichkeit: »Form Farbe Raum« zeigt eine äußerst sehenswerte Auswahl von Trögers Werk in den Räumen von Leitershofen.