Ausstellungen & Kunstprojekte

Auf dem Holzweg …

In Oberschönenfeld dreht sich zurzeit alles ums Holz: In drei Ausstellungen werden die Möglichkeiten des künstlerisch-handwerklichen Umgangs mit diesem Material ausgelotet.

Sofort überfällt die Besucher*innen das Verlangen, diese wunderbaren Gefäße zu berühren – was leider, aber verständlich, nicht erlaubt ist. Fünf exzellente Gestalter zeigen in der Schwäbischen Galerie ihre hölzernen Objekte: meisterliche Drechselkunst, die den Fokus aber nicht nur auf makellose Perfektion richtet, sondern die Eigenheiten und Macken des jeweiligen Holzstücks einbezieht. Da bleiben Astlöcher stehen, Risse werden mit einem Schwalbenschwanz zusammengehalten, alles ganz offensichtlich, nichts wird verdeckt.

Christoph Finkels Gefäße aus altem Bergholz sind eigentlich recht dickwandig, doch geht der Bildhauer durch gewagte Lamelleneinschnitte an die Grenzen seines Materials und erzeugt so das visuelle Flirren seiner Skulpturen.

Fritz Baumanns minimalistische Gefäße, oft aus dunkler Eiche, sind von traditioneller koreanischer Keramik inspiriert und beziehen ihre Lebendigkeit und Anmut aus dem Kontrast von formaler Strenge und materieller Unregelmäßigkeit.

Ernst Gamperl, »Großmeister« kühner hölzerner Objekte, der ausschließlich mit frischem, sich weiterhin verformendem Holz arbeitet, ist mit drei großen dünnwandigen Gefäßen aus dem Zyklus »Lebensbaum« vertreten – unwiderstehlich schön und erhaben.
Ganz anders Adam Löfflers Dosen und Schalen, die ihren Reiz neben ihrer perfekten Form aus der Oberflächengestaltung schöpfen: mal poliert, mal in vielschichtiger japanischer Urushi-Lacktechnik. Sehr spannend wird es, wenn Löffler die traditionell gedrechselten Gefäße mit modernen Lacken in kräftigen Farben wie einem hellen Rot oder Gelb überzieht.

Armin Kolb schließlich konzentriert sich auf Kreisel; er zaubert kunstvoll gedrechselte Miniaturen aus verschiedenen Materialien, die weitaus mehr als ein kleines Spielzeug sind.

Eine Etage höher sind Möbel zu sehen, die zeigen, was junge Schreiner*innen so drauf haben. Die preisgekrönten Möbelstücke erweisen sich als Wunderwerke des Schreinerhandwerks, Ausweise hoher Kunstfertigkeit bis ins kleinste Detail. Doch was als Bravourstück im Wettbewerb unabdingbar ist – möglichst viel Können auf kleinem Raum zu zeigen – führt auch zu einer gewissen Überfrachtung, die den einzelnen Tischen und Schränken nicht immer gut tut.

Nebenan geht es deutlich pragmatischer zur Sache. Die Allgäuer Schreinerei Heinz wurde nach 200 Jahren leider aufgegeben, doch ihre Bestände wurden dem Museum Oberschönenfeld übergeben, sodass die Besucher*innen nun anhand von Spielzeug, Wohnaccessoires, Möbeln und Maschinen die Bandbreite des Betriebs erleben können – vor allem die Stühle bestechen durch ihre auch heute überzeugende schlichte, saubere Gestaltung.

www.mos.bezirk-schwaben.de | Zwischen Funktion und Abstraktion. Gedrechselte Gefäße | Möbel: Die Gute Form. Eine Auswahl aus der Region | beide bis 24. April | Heinz hört auf! Von Drechslern, Schreinern und einem Neuanfang | bis 15. August

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