Ausstellungen & Kunstprojekte

Was uns gesund macht

Zwischen Utopie und Zweifel: Zwei künstlerische Positionen von Malerinnen aus München und Berlin in der Galerie Noah.

Der Augsburger Glaspalast ist derzeit fast komplett in Frauenhand. Während im H2 die Fotografinnen ihre »European Trails« verfolgen (wir berichteten), haben in der Galerie Noah im 1. Stock zwei Vertreterinnen der zeitgenössischen Malerei Position bezogen.

Im lichten Office-Raum der Galerie dominieren transparente, schlauchartige organische Formen. Bianca Patricia Isensee ist ursprünglich Medienkünstlerin und Meisterschülerin von Karin Kneffel in München. Sie war erst kürzlich bei zwei Gemeinschaftsausstellungen in der Galerie vertreten und präsentiert nun ihre ganze Werkgruppe
»OBLIVION« aus den Jahren 2018 bis 2022.

Vergessenes Wissen hinter Glas

Isensee malt Heilpflanzen, wie sie sie durch selbstgefertigte Glasskulpturen sieht. Einfacher Lauch wird so wieder zum »Allium Porrum« – so sein wissenschaftlicher Name und der Bildtitel – erhoben, der Blick durch die Glastuben rückt das Ganze in die Nähe der Alchemie. Oder befinden wir uns in einem Genlabor? Auf jeden Fall ist es die Wissenschaft, die uns die Erlösung bringen soll (Die Entstehungszeit der Werke beider Künstlerinnen fällt in die Jahre der Pandemie und der Sorge um das Erdklima), zunächst aber vor Rätsel stellt.

Die aus Gwangju in Korea stammende SEO übersiedelte im Jahr 2001 nach Berlin, um ein Studium der Malerei bei Georg Baselitz aufzunehmen. Dieser ist ebenso ihr Vorbild wie die Meister der Romantik oder auch der Brite David Hockney.

Schwäne und pinke Rohre

SEO kreiert Sehnsuchtsorte in klaren Formen und leuchtenden Farben. Bei ihr »feiert die Natur den Triumph über die Digitalisierung«, so Galeristin Wilma Sedelmeier in ihrer Einführungsrede. Schwäne, Fische, sattes Grün und klare Himmel tauchen immer wieder auf. Doch das Idyll ist nicht makellos: So werden diese Motive durch eher wenig zuckrige Titel wieder relativiert: »Fremd im eigenen Heim« oder »Kluft im Paradies« sind einige Werke betitelt.

Dass diese Landschaften von pinkfarbenen Rohren durchzogen sind, ist indes kein Widerspruch: Berlin-Kenner wissen, dass diese allgegenwärtigen Rohre schon lange zum Stadtbild der Hauptstadt gehören, wo sie Grundwasser von den zahlreichen Baustellen in die Spree und ihre Kanäle leiten. Ein Stück selbst zusammenmontierter Heimat auf Leinwand von einer, die von sich sagt, keine Heimat zu haben.

Was also wird uns retten? Lösungen hat auch die Kunst nicht anzubieten, aber Utopien und Hoffnungen, vielleicht auch Orte, an denen einfach alles gut ist.

SEO: »Fremd verbunden« und Bianca Patricia Isensee: »OBLIVION«; noch bis 15. Mai in der Galerie Noah im Glaspalast.


www.galerienoah.com/ausstellungen

 

 

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