Ausstellungen & Kunstprojekte

Von Christo bis CoBrA

Seit drei Jahren steht die Galerie Lochner in Dachau für hochkarätige Kunst der Nachkriegszeit und der Gegenwart. Manuel Schedl besuchte Josef Lochner in seiner Galerie.

Ich treffe Josef Lochner an einem nicht allzu warmen, aber sonnigen Maiabend in Dachau. Die Stadt mit ihren knapp 47.000 Einwohnern, etwa zwanzig S-Bahn-Minuten von München gelegen, zeigt sich von ihrer besten Seite: Es grünt und blüht zu beiden Seiten der Amper. Pendelnde Menschen kommen aus der hektischen Landeshauptstadt an und machen letzte Besorgungen rund um den Bahnhof. Je weiter man Richtung Stadtkern voranschreitet, desto ruhiger und beschaulicher wird es.

Der Aufstieg zur Altstadt auf dem Schlossberg gerät zur Zeitreise in eine Welt, in der die Schrecken, über die in der nahe gelegenen KZ-Gedenkstätte aufgeklärt wird, in eine ferne Parallelwelt entrückt scheinen, ebenso die diversen Kriege, die das Stadtbild der großen Nachbarstädte München und Augsburg geprägt haben. Die schweren Ketten, die die Geschichte dem Namen Dachau auferlegt hat, wirken hier gelockert. Heiter gibt sich dieser Flecken Bayerns und kultiviert.
Gleich vier Kunstgalerien buhlen hier, fast als Gegenprogramm, in historischer Kulisse um die Gunst derjenigen Besucher*innen, die den Weg in Richtung Stadtkern eingeschlagen haben: die Neue Galerie Dachau, die Kleine Altstadtgalerie, die Galerie der Künstlervereinigung Dachau (KVD) und die Galerie Lochner.

Und man kann es auch als Statement lesen, dass hier, quasi Tür an Tür, alte Meister mit Neulingen der Gegenwartskunst und dem, was einst als »entartete Kunst« galt, in friedlicher Koexistenz leben.
Auf Letztere hat sich die Galerie Lochner spezialisiert. Josef Lochner betreibt die Galerie seit 2019 zusammen mit seiner Frau Ursula und einem Freund. Das alte Ladengeschäft in der Konrad-Adenauer-Straße 7 ist seit dem Abschied Lochners aus dem Berufsleben als Ingenieur seine Passion, die Kunst war es schon immer.

Rahmen, hängen, immer wieder mit Sammlern und Experten Kontakt aufnehmen, so verbringt der freundliche, sportlich wirkende Irgendwassiebziger nun seine Tage und schafft Hochkarätiges aus allen Himmelsrichtungen heran, um in Einzelausstellungen einen großen Namen an den anderen zu reihen: Günther Uecker, Otto Piene, Sigmar Polke, Christo und Jeanne-Claude … die Liste wird jährlich länger.

Die Auswahl ist dabei durchaus nicht zufällig: Vor allem, wenn nicht ausschließlich deutsche Künstler*innen der Nachkriegszeit oder ehemalige Teilnehmer*innen der Biennale in Venedig finden den Weg ins Portfolio. Ein strenges, aber konsequentes Konzept, das der Galerie ihre individuelle Note verleiht und für ein gleichbleibend hohes Niveau der Ausstellungen sorgt.

Aktuell sind hier Lithografien und Offsetdrucke von K.O. Götz ausgestellt. Der Name mag nicht jedermann geläufig sein, doch Kenner der Druckkunst wissen: Hier ist ein ganz Großer zu sehen, der zusammen mit seinem Drucker Manfred Hügelow in den 103 Jahren seines Lebens Meisterwerke des Informel schuf, ganze Serien, oft mehrfarbig und mit ungewöhnlichen Techniken, z.B. mit der Rakel oder durch Sprenkeln aufgetragene Farbe.

Josef Lochner war bei der Hängung peinlich darauf bedacht, dass das wilde Wogen der organischen Formen und das Wechselspiel aus sattem Schwarz und leuchtenden Farben im Raum immer funktioniert.

Alle Werke sind käuflich zu erwerben. Lochner sieht sich jedoch nicht primär als Kunsthändler. Das Ausstellen ist seine Motivation. Wenn sich ein Werk von der Wand oder aus der Bilderkrippe abverkauft, ist das gut. Doch auch ohne Kaufabsicht darf man sich der Galerie angstfrei nähern.

Die Ausstellung mit den Werken Götz’ läuft noch bis 23. Juli. Dann geht die Galerie Lochner in die Sommerpause, bleibt aber nicht leer: Ab 29. Juli feiern hier die Mitglieder der Künstlervereinigung Dachau 33 Jahre Künstlerfreundschaft ihrer Stadt mit dem polnischen Oświęcim.
Im Herbst schließt sich – dann wieder unter der Ägide des Inhabers – eine Werkschau des Niederländers Corneille (gest. 2010), eines Mitbegründers der Künstlergruppe CoBrA, an.

www.galerielochner.de

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