Festival
Politik & Gesellschaft

Wasser – Zentrum menschlicher Aktivitäten

a3kultur-Redaktion

Aus dem bekannten Festival der Kulturen wird in diesem Jahr Water & Sound. a3kultur im Gespräch mit Girisha Fernando, dem künstlerischen Leiter von Water & Sound.

Der künstlerische Leiter Girisha Fernando, das Kulturamt und das Welterbe-Büro der Stadt Augs­burg schlagen gemeinsam eine Brücke zwischen dem 2019 verliehenen Welterbestatus der Stadt und dem bisherigen Festival der Kulturen.

Kulturreferent Jürgen Enninger betonte bei der Pressekonferenz Ende Juni, welchen Beitrag zur Nachhaltigkeit er in der Kultur sieht:

»Kultur ist eine Dimension der Nachhaltigkeit und trägt damit Verantwortung für die Stadtentwicklung. Ihr kommt dabei insbesondere die Aufgabe zu, Verständnis für endliche Ressourcen zu schaffen.«

Gleichzeitig, so Enninger, gehe es darum, mit der Parade des Wasservogels ein Ritual zu etablieren, mit dem etwa die Welterbestätten ins Rampenlicht gerückt werden.

Antonia Hager vom städtischen Welterbebüro betont:

»Zum Auftrag einer Welterbestätte gehört neben dem Schutz dieser auch die Vermittlung des Themas. Der kulturelle Austausch und die Verständigung sind essenzielle Aufgabe einer Welterbestätte. Wir freuen uns daher sehr, dass wir mit Water & Sound die Ressource Wasser auf dieser Ebene in einen so spannenden Fokus rücken können.«

a3kultur im Gespräch mit Girisha Fernando, dem künstlerischen Leiter von Water & Sound

a3kultur: Girisha, wie wurde aus dem Festival der Kulturen Water & Sound?

Girisha Fernando: Das Festival der Kulturen entwickelte sich über viele Jahre zu einer spannenden Plattform für globale Musik. Viele Besucher*innen des Festivals hatten zum Teil die präsentierten Musikstile noch nie zuvor gehört. Hier findet also auch eine Art Kulturvermittlung statt. Das Festival spricht auch immer ein recht diverses Publikum an, wie man es auf Kulturveranstaltungen sonst selten sieht. Ausgehend von diesem Potenzial hatten wir die Idee, das Wasserthema mit aufzugreifen und zunächst Wasserregionen zu definieren. Wasser ist immer Zentrum von menschlicher Aktivität – Siedlung, Handel, Migration, Austausch. Wasser ist essenziell, Musik ist essenziell. Überall, wo Wasser ist, ist auch der Mensch aktiv. Daraus leitet sich spielerisch die Idee der Wasserregion ab, die gleichzeitig auch eine Musikregion ist. So wie man beispielsweise den Mittelmeerraum als einen Musikkulturraum begreifen kann, mit vielen erstaunlichen Verwandtschaften zwischen der Musik Nordafrikas und der Süditaliens oder Südfrankreichs. Historisch gab es um das Mittelmeer herum sehr viel kulturellen Austausch zwischen Nordafrika und Europa, im Gegensatz zur harten politischen Grenze heute.

Viele der diesjährigen Künstler*innen stammen aus Afrika, im Speziellen aus der Sahararegion. Warum dieser Akzent?

Der diesjährige Themenschwerpunkt Sahara und Sahel bildet einen Gegensatz zur Situation in Deutschland und Mitteleuropa in Bezug auf Wasser. Während für uns hier sauberes Wasser in ausreichender Menge eine Selbstverständlichkeit ist, ist es in Nordafrika ein sehr kostbares und knappes Gut. Ausgehend vom Standort Augsburgs als Wasserstadt will Water & Sound – analog zur internationalen Ausrichtung des Musikprogramms –  eine globale Sicht und Bewusstsein für die Ressource Wasser ermöglichen. Zudem ist die Sahararegion musikalisch sehr spannend. So kann die Sahara auch als musikalischer Schmelztiegel gesehen werden, in dem sich die arabisch und Amazigh-geprägte Musik des Maghreb am Nordrand mit den vielfältigen Stilen der Subsahara im Süden vermischt.

Wir haben bei unseren Recherchen zur Ressource Wasser auch festgestellt, dass es in der Sahararegion massive Konflikte um sie gibt. Nun ist das Festival zeitlich sehr nah am Friedensfest. Welchen Beitrag kann Musik denn in einem solchen Zusammenhang leisten?

Musik kann auf jeden Fall die Sinne schärfen. Eine Band wird keinen Krieg beenden, aber vielleicht doch. Es gab ja Situationen wie das Ende des Vietnamkriegs, als 500.000 Menschen vor dem Kapitol in Washington gegen den Krieg demonstrierten, und alle haben »Give Peace a Chance« von John Lennon gesungen. Nur ein paar Tage später wurde der Krieg beendet. Freilich nicht wegen John Lennon. Aber ein bisschen schon auch, hier war die Popkultur ganz nah am Zeitgeist. Musik ist Teil des Menschseins und kann ein Bewusstsein für diese Themen und für Menschlichkeit schaffen. Fatoumata Diawara singt auch sehr viel über soziale Themen, etwa die Rechte der Frauen in den Stammesgesellschaften in Mali. Fatoumata schafft mit ihren Songs ein Bewusstsein, das anderen Menschen Kraft gibt, für ihre Rechte einzutreten. Insofern kann Musik auch eine politische und gesellschaftliche Stimme sein.

Zurück zu den Spielorten des Festivals. Das sind ja alles Orte, die für das Welterbethema Wasser sehr bedeutsam sind. Wieso eignen sich diese Orte für die Musik?

Das Welterbe in Augsburg ist kein zentraler Ort wie andere Welterbestätten. Das ausgezeichnete Wassermanagement-System besteht aus vielen einzelnen, aber doch zusammenhängenden Orten, den Kanälen, Brunnen, Wassertürmen. Es ist spannend, diese Orte zu bespielen und damit auch mehr Sichtbarkeit zu ermöglichen.

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