Festival
Politik & Gesellschaft

Wasserfakten

a3kultur-Redaktion

Die a3kultur-Redaktion recherchierte für Water & Sound »Wasserfakten«. Ein Blick auf das Thema Wasser in den Herkunftsländern der Künstler*innen.

Im Jahr 2010 erkannte die Vollversammlung der Vereinten Nationen das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht an. Damit kommt dem Thema Wasser als Menschenrecht eine hohe politische Bedeutung bei. Angestoßen wurde die Abstimmung damals von einer Vielzahl an Entwicklungsländern, die unter Wasserstress, also einer problematischen Wassersituation leiden. Mit dieser einher geht etwa ein steigendes Risiko für Umweltprobleme, wirtschaftliche und gesellschaftliche Schwierigkeiten bis hin zu gewaltsamen Konflikten.

Das frühere Festival der Kulturen, welches nun als Water & Sound firmiert und den Fokus auf Wasserkulturregionen legt bringt viele Künstler*innen der Sahararegion und Sahelzone auf die Bühne. Ein Teil dieser Beilage blickt daher auf die unterschiedlichen Herkunftsländer der Künstler*innen und ihren Bezug zum Wasser. Besonderer Fokus sind etwa die Kosten für Trinkwasser, der Zugang, Niederschlagsmengen und Klima, sowie die Besitzverhältnisse und der sozio-kulturelle Bezug zum Wasser.

Die Recherche dieser Informationen ist nicht immer einfach, da es sich zum Teil um Länder mit politischer Instabilität handelt. Ein gutes Beispiel hierfür ist die seit 1975 von Marokko besetzte Westsahara. Die Vereinten Nationen erkennen die Annektierung bis heute nicht an und fordern ein Referendum über den völkerrechtlichen Status der Westsahara. Während dessen flammte der Konflikt in den vergangenen Jahren immer wieder auf. Ein Großteil der Bevölkerung der West­sahara lebt in algerischen Flüchtlingscamps, nahe der Grenze und ist dort auf Trinkwasser von internationalen Hilfsorganisationen angewiesen.

In Augsburg haben diese Fragen einen ganz anderen Stellenwert. Trinkwasser ist hier relativ günstig in Flaschen erhältlich oder durch sauberes Leitungswasser sowie Trinkwasserbrunnen. Am Weltkulturerbe, dem Wassermanagement-System, wird die historische und kulturelle Bedeutung des Wassers in Augs­burg deutlich.


Wasserfakten I

Marokko hat zunehmend Probleme mit Wasserknappheit. Leitungswasser ist nicht zum Verzehr empfohlen. Eine Flasche Trinkwasser (1,5 l) kostet etwa 57 Cent, bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von umgerechnet 2.553 Euro. Der Großteil des verfügbaren Wassers fließt in die Landwirtschaft und Viehzucht. Je nach Region gibt es mehr oder weniger Niederschlag. Regional kommt es zu Trockenheit oder während der Regenzeit zu Überflutungen. Seit 2021 herrscht in Marokko eine große Dürre durch ausbleibende Regenfälle. Der König rief die streng gläubige Gesellschaft Anfang Februar daher zum nationalen Gebetstag auf.

In Ghana kostet eine Flasche Trinkwasser (1,5 l) umgerechnet etwa 30 Cent, bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 2.113 Euro. Auch hier ist Leitungswasser nicht zum Verzehr empfohlen. Insbesondere in ländlichen Regionen haben nur zwei Drittel der Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser. Verschmutztes Wasser und mangelnde Hygiene durch fehlende Sanitäranlagen führen häufig zu Krankheiten, die vor allem für Kinder lebensbedrohlich sein können. Während es in den abwechselnden Regenzeiten zu Überschwemmungen kommt, führt die Trockenzeit zu Dürre. Durch die Klimakrise wird sich diese Problematik weiter verschärfen. In internationalen Projekten wird an Technologien für hochwasser- und dürregefährdete Siedlungsräume geforscht.

Leitungswasser in der Republik Nordmazedonien ist wie in vielen europäischen Ländern gechlort, weshalb es nicht zum Trinken empfohlen wird. Eine Flasche Trinkwasser (1,5 l) kos­tet umgerechnet 39 Cent, bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 4.800 Euro. Auch in Nordmazedonien kann es klimabedingt zu Wasserknappheit durch Dürre und hohe Temperaturen kommen.

Israel gehört zu den wenigen Ländern der Region, in denen Leitungswasser weitgehend unbedenklich getrunken werden kann, dennoch aber gechlort wird, wie in vielen anderen europäischen Ländern. Mineralwasser ist in der Regel überall erhältlich. Eine Flasche (1,5 l) kostet etwa 65 Cent, bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 37.305 Euro. Bedeutend für die israelische Wasserversorgung ist die Aufbereitung und Gewinnung von Trinkwasser. Israel gehört zu den führenden Ländern beim Recycling von Wasser. Der Konflikt mit dem angrenzenden Gazastreifen führt auch zu einem Wasserkonflikt zwischen den Nachbarn.

Wasserfakten II

Auch Algerien leidet zunehmend unter Wasserstress. Leitungswasser wird nicht zum Verzehr empfohlen. Eine Flasche Trinkwasser (1,5 l) kostet etwa 20 Cent, bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von umgerechnet 3.145 Euro. Die Wasserknappheit variiert je nach Region und Jahreszeit aufgrund des Niederschlags. Im Winter zur Regenzeit fällt ein Großteil des jährlichen Niederschlags. Im Süden herrscht extrem trockenes Wüstenklima.
In den Dürremonaten wird Wasser daher rationiert. Algerien setzte in der Vergangenheit sehr stark auf Meerwasserentsalzungsanlagen, von denen ein Großteil mittlerweile jedoch kaputtgespart wurden. Um soziale Unruhen zu vermeiden, werden Trinkwasser und Grundnahrungsmittel in Milliardenhöhe subventioniert.

Eine Flasche Trinkwasser (1,5 l) kostet in den USA etwa 1,98 US-Dollar, umgerechnet etwa 1,88 Euro, bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 65.112 US-Dollar (61.961 Euro). Obwohl die USA eines der reichsten Länder weltweit sind, leben mehr als zwei Millionen Menschen der 329 Millionen Einwohner ohne Leitungswasser zum Trinken, Duschen oder für die Toilette. Die Unterschiede bei der Wasserversorgung lassen sich vor allem an Herkunft und Einkommen fest­machen sowie an der strukturell schlechteren Infrastruktur der Wasserversorgung. Die Niederschlagsmengen variieren sehr stark je nach Region und vorherrschendem Klima. Vor allem in der Landwirtschaft ist der Wasser­verbrauch in den USA enorm.

Mauretanien ist stark von Tro­ckenheit und Dürre geprägt. Das westafrikanische Land besteht zu großen Teilen aus Wüste. Lediglich ein Prozent der Fläche eignet sich als Ackerland. Die Niederschlagsmengen sind gering, weshalb viele Brunnen und andere natürliche Wasserquellen austrocknen. In der Regenzeit kommt es oftmals zu Überschwemm­ungen. Insbesondere die Hauptstadt Nouakchott an der Küste ist häufig von Überschwemmungen betroffen. Grund hierfür ist nach Expert*innen der steigende Grundwasserspiegel, ausgelöst durch den Meeresspiegelanstieg, den Anschluss der Stadt an den Senegalfluss sowie eine fehlende Kanalisation.

Tunesien gehört zu den Ländern mit den geringsten Wasserressourcen weltweit. Leitungswasser ist nicht zum Verzehr empfohlen. Eine Flasche Trinkwasser (1,5 l) kostet umgerechnet etwa 23 Cent, bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 3.868 Euro. Nach dem arabischen Frühling wurde in Tunesien 2014 eine neue Verfassung verabschiedet, die den Bürger*innen auch das Recht auf Wasser garantiert. Prognosen gehen jedoch davon aus, dass bereits 2030 nur noch 350 Kubikmeter Wasser jährlich pro Person zur Verfügung stehen. Ab 500 Kubikmetern gilt ein Land laut den Vereinten Nationen als wasserarm.

Wasserfakten III

In Elfenbeinküste kostet eine Flasche Trinkwasser (1,5 l), umgerechnet 61 Cent, bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von umgerechnet 1.608 Euro. Ein Viertel der Bevölkerung hat keinen Zugang zu Trinkwasser, geschweige denn zu adäquaten Sanitäranlagen. Das Klima der Elfenbeinküste ist an den Küsten immerfeucht und tropisch, geht jedoch im Norden in Trockenheit durch die Luft aus der Sahara über. Entsprechend diesen Klimazonen unterscheiden sich die Niederschlagsmengen in der Regenzeit zum Teil deutlich und haben großen Einfluss auf die Trinkwassermengen. Der Wasserstress schlägt sich im Alltag der Bevölkerung nieder. Viele Frauen opfern einen Großteil ihrer Zeit, um Wasser aus vielen Kilometern Entfernung zu holen. Auch Kinder werden dafür geschickt, weshalb Schulbe­suche kaum möglich sind.

Auch im Niger herrscht Wasserstress. Das zu den ärmsten Ländern der Welt gehörende Niger belegt gleichzeitig den letzten Platz im Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen. Grund für den Wasserstress sind unter anderem Dürre und das nicht ausreichende öffentliche Wassernetz. Die problematische Wasserversorgung im Niger wird verstärkt durch die politische Instabilität und befördert diese wiederum. Die Versteppung durch fehlende Niederschläge führt dazu, dass nur drei Prozent des Territoriums als Agrarflächen genutzt werden können.

Im politisch instabilen Mali herrscht ebenfalls Wasserstress. Leitungswasser wird auch hier nicht zum Verzehr empfohlen, sofern es vorhanden ist. Eine Flasche Trinkwasser (1,5 l) kostet umgerechnet etwa 96 Cent, bei einem durchschnitt­lichen Jahreseinkommen von etwa 2.100 Euro. Die Niederschlagsmengen variieren je nach Region und nehmen abseits der Küste Richtung Wüste deutlich ab. Die enorme Wüstenbildung in Mali ist ein historischer Prozess. Die zentral gelegene Wüstenstadt Timbuktu in der Nähe des Niger war vor tausend Jahren noch Teil einer grünen Landschaft.

Das könnte Sie auch interessieren

Mira Emke
Club & Livemusik, Festival

Sommersause

Am Samstag dem 12. September findet wieder die Augsburger Sommersause statt.
Renate Baumiller-Guggenberger
Festival, Klassik

Mammutprojekt

Als neues Klassikfestival garantieren die »Musikfestspiele Schwaben« hochkarätige Konzerte und legen einen Schwerpunkt auf den Nachwuchs.
Malte Günther
Club & Livemusik, Festival

Mehr als ein Festival

Das Green-Belt-Finale dieser Saison findet am Samstag, 22. August, ab 14 Uhr im Park am Roten Tor statt.